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Feuerkatastrophe in Australien : Verzweifelte Fluchtversuche

Inferno: Brände und Rauch bei Bairnsdale Bild: AP

Mit aller Kraft nutzen die Australier das etwas bessere Wetter. Noch aber sitzen Tausende fest. Und wieder drohen Hochofen-Temperaturen.

          4 Min.

          Es sollte ein Moment des Aufatmens werden, auch wenn das im Rauchnebel schwerfällt: Die vorübergehende Verbesserung der Wetterverhältnisse nutzten Tausende Australier am Donnerstag zur Flucht. Zugleich begann die Marine mit dem Abtransport von Urlaubern und Dörflern aus abgeschiedenen Regionen. Doch sind die Bedingungen so schwierig, die Verkehrsstaus durch die Brandgebiete so dicht, dass am Abend immer noch Zehntausende festsaßen.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Die Flucht wird am Freitag in aller Frühe weitergehen – auch aus der Hauptstadt Canberra. Zwar ist sie derzeit nicht von Feuerwalzen betroffen, doch macht der Rauch bei mehr als 40 Grad das Leben dort unerträglich. Dabei wächst die Furcht, dass sich zwei Großfeuer um die Kleinstadt Corryong im Bundesstaat Victoria mit einer Feuerwand im benachbarten New South Wales verbinden könnten – dies würde zu einem Inferno führen.

          Meteorologen sagen für Freitag und Samstag extrem gefährliche Temperaturen und Stürme voraus. „Das wird wie ein angeblasener Hochofen“, warnte der Verkehrsminister des Bundesstaates New South Wales, Andrew Constance.

          Selbst die Post in Canberra stellte am Donnerstag die Zustellung ein, weil den Boten die giftigen Rauchschwaden nicht zuzumuten seien. Viele Menschen packten ihre Autos, tankten sie auf, luden Wasser, Dokumente und Schmuck ein, um sich an diesem Freitag spätestens nach der Arbeit auf die Flucht ins dreieinhalb Stunden entfernte Sydney zu machen. Sie hoffen, dass die Autobahn durch Grasgebiete und Waldstücke frei sein wird. Denn die Atempause wird nicht lange währen.

          Am Donnerstag ging es deshalb darum, zu retten, was zu retten war. Der Katastrophenschutz ließ die größte Evakuierung aus einem Urlaubsgebiet anrollen, die Australien je gesehen hat: Alle Feriengäste müssen ein Gebiet von mehr als 12.000 Quadratkilometern – das ist knapp die Hälfte der Größe Belgiens – an der Küste um Batemans Bay in der Nähe Canberras bis an die Grenze Victorias so schnell als möglich verlassen. Die Anordnung erinnert an die Evakuierung der nordaustralischen Stadt Darwin nach dem Zyklon Tracey 1974.

          Auch diesmal ist es ein Rennen gegen die Zeit: „Dort brennen immer noch so viele Feuer, und das sehr nah an den Siedlungen. Wir werden sie vor Samstag nicht eingrenzen können“, warnte Rob Rogers, der stellvertretende Chef der Ländlichen Feuerwehr in New South Wales.

          Auf den wenigen Straßen, die in die Feriengebiete führen und geöffnet sind, bildeten sich lange Staus. Polizeiwagen eskortieren Karawanen von Wagen durch die schwelenden Wälder. Die Fahrt auf dem Princes Highway von Milton nach Nowra entlang der Küste über gut 50 Kilometer dauerte gut und gerne sechs bis sieben Stunden. Sie führte entlang  verbrannter Baumstümpfe, wo Stunden zuvor noch uralter Wald gestanden hatte. Dabei wurden die Trecks in Richtung Sicherheit durch Löscharbeiten immer wieder aufgehalten. So war die Route Richtung Canberra für Stunden gesperrt, weil ein weiteres Feuer ausgebrochen war.

          Insbesondere für Kinder sind die Stunden in den Autos, nur durch die Klimaanlage von einer völlig verrauchten Luft und Hitze getrennt, kaum auszuhalten. Offen ist, wie die Menschen in ihren Autos die Nacht auf der Flucht überstehen werden. Am Himmel zeichnet sich immer wieder Feuerschein ab. Die Autoschlange gen Norden, Richtung Sydney, soll am Abend auf mehr als 30 Kilometer angeschwollen sein.

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