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Feuerkatastrophe in Australien : Verzweifelte Fluchtversuche

Der Landweg ist abgeschnitten

Engpässe bildeten den Tag über vor allem die Tankstellen, weil jedermann versuchte, den Tank und Ersatzkanister noch aufzufüllen. Viele Tanksäulen aber arbeiteten nicht, weil der Strom ausgefallen war. Die Behörden erklärten, Tankwagen hätten über Nacht zusätzlich 60.000 Liter Treibstoff in die Region geliefert, um den Touristen die Flucht überhaupt erst zu ermöglichen. Schlangen bildeten sich auch vor den Supermärkten, wo Menschen vor allem Wasser kaufen wollen.

Dennoch haben die Urlauber an der Küste von New South Wales wenigstens die Möglichkeit, sich auf eigene Faust in Sicherheit zu bringen. Weiter südlich, im Bundesstaat Victoria, saßen die Brandopfer weiter an den Stränden fest. Auf der Halbinsel Mallacoota, wo sich rund 4000 Menschen vor den Flammen an den Strand gerettet hatten, soll das Landungsschiff HMAS Choules an diesem Freitagmorgen rund 800 Menschen bergen.

Am Donnerstag warfen Hubschrauber Mobiltelefone ab. Die geplante Rettung von Kranken und Alten verzögerte sich, weil die Black-Hawk-Helikopter im dichten Rauch nicht landen konnten. Zunächst hatten Polizeiboote den Gestrandeten Wasser geliefert. Der Landweg ist durch die Feuer seit Dienstag weiterhin abgeschnitten.

Vorwürfe gegen Morrison

Den Opfern und ihren Rettern bleibt wenig Zeit. Gladys Berejiklian, die Ministerpräsidentin von New South Wales, erklärte, beginnend an diesem Freitag, zum dritten Mal einen einwöchigen Notstand für ihren Bundesstaat. 18 Menschen gelten nach den Feuerstürmen am Montag und Dienstag in Victoria noch als vermisst, 18 verloren ihr Leben. Premierminister Scott Morrison warnte, er sehe kein Ende der Feuersbrünste voraus: „Anders als bei einer Überflutung, bei der sich das Wasser irgendwann zurückzieht, gehen Feuer weiter, und sie werden weitergehen, bis wir starken Regen bekommen, der einige der Feuer löscht, die seit vielen, vielen Monaten brennen.“ Die Menschen in den betroffenen Gebieten sollten Geduld haben.

Beim Besuch eines abgebrannten Dorfes wurde er von einem Kritiker hart angegangen. Nach der Beerdigung des jungen Feuerwehrmanns Geoffrey Keaton, bei der dessen 19 Monate alter Sohn die seinem Vater postum verliehene Tapferkeitsmedaille erhielt, wurde Morrison mehrfach auf die Klimapolitik seiner Regierung angesprochen. „Ich verstehe die Ängste und die Frustration, aber dies ist eine Naturkatastrophe. Wir können sie nicht kontrollieren, aber unsere Antwort steuern“, sagte der im Mai mit hauchdünner Mehrheit gewählte konservative Politiker.

„Die Dürre hat das Land zu einem Pulverfass gemacht. Durch verschiedene Formen der Entzündung kam es dann zu lang anhaltenden Feuern.“ Am Montag werde der Nationale Sicherheitsrat zusammentreten, um die Lage zu besprechen.

Kaum ein Entkommen: Boote am Conjola-See

Klimaaktivisten, Feuerwehrchefs und Wissenschaftler werfen Morrison unter anderem vor, den Klimawandel als Ursache der Dürre zu ignorieren. Da Australien eine der führenden Kohlenationen der Erde ist, trage es selbst zur Erderwärmung bei. Für Freitag und Samstag werden neue Rekordtemperaturen von 44 Grad vorausgesagt.

Victorias Ministerpräsident Daniel Andrews warnte am Donnerstag vor einem „Wettermuster mit riesigen Herausforderungen. Ich habe mit Blick auf Freitag und Samstag ernste Bedenken.“ In Victoria und New South Wales brannten am Donnerstagabend immer noch etwa 150 Feuer.

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