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Chinesische Provinz Henan : Festnahmen nach Starkregen-Katastrophe

Menschen waten in der zentralchinesischen Provinz Henan durch eine überflutete Straße. Bild: dpa

Ein halbes Jahr nach der Flutkatastrophe von Henan kommen Ermittler zu dem Schluss: Viele der Opfer könnten noch am Leben sein.

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          Die Behörden der chinesischen Millionenstadt Zhengzhou haben während der Flutkatastrophe im vergangenen Juli die Zahl der Todesopfer bewusst verschleiert. Zu diesem Ergebnis kommt ein Untersuchungsbericht des Staatsrats, der am Wochenende in Peking veröffentlicht wurde.

          Friederike Böge
          Politische Korrespondentin für China, Nordkorea und die Mongolei.

          Demnach wurden in der Hauptstadt der Provinz Henan infolge von Starkregen an einem Tag 380 Menschen getötet. Im Fall von 139 Opfern seien Informationen gezielt zurückgehalten oder verspätet veröffentlicht worden, heißt es in dem Bericht.

          Die Untersuchungskommission hält dem städtischen Parteikomitee und der Lokalregierung schwere Fehler im Katastrophenmanagement vor. Insbesondere die Todesopfer in einer überfluteten U-Bahn und in einem Straßentunnel hätten vermieden werden können, schreiben die Ermittler. Trotz mehrfacher Warnungen von Meteorologen sei die Bevölkerung nicht wie vorgeschrieben aufgefordert worden, zu Hause zu bleiben.

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          Am 20. Juli waren in Zhengzhou innerhalb von nur einer Stunde mehr als 200 Millimeter Niederschlag pro Quadratmeter gemessen worden, so viel wie nie zuvor in China. Die Betreibergesellschaft der U-Bahn habe den Betrieb nicht rechtzeitig eingestellt, sodass mehr als 400 Fahrgäste von den Wassermassen eingeschlossen wurden; 14 Personen starben.

          Nach Angaben der Ermittler wurden beim Bau der U-Bahn zudem ungenehmigte Änderungen am Design vorgenommen, wodurch die Entwässerung beeinträchtigt wurde. Zhengzhou gehört zu den sogenannten Schwammstädten in China, die durch die Entwicklung eines Entwässerungssystems besonders gut gegen Überflutung geschützt sein sollen.

          Mehrere Behördenvertreter festgenommen

          Mehr als die Hälfte der dafür von der Zentralregierung bereitgestellten Gelder sei jedoch in unwirksame Projekte investiert worden, bemängeln die Ermittler.

          Laut der Nachrichtenagentur Xinhua wurden mehrere Behördenvertreter festgenommen, darunter der Leiter der Katastrophenschutzabteilung sowie der stellvertretende Geschäftsführer des U-Bahn-Betreibers. Der Parteichef von Zhengzhou, Xu Liyi, wurde von seinem Posten entfernt und zurückgestuft. Weitere 89 Staatsbedienstete seien von der Disziplinarkommission der Partei bestraft worden, meldete Xinhua.

          Nach der Katastrophe hatten ausländische und chinesische Medien bereits auf manche der genannten Versäumnisse hingewiesen. Den ausländischen Medien wurde eine antichinesische Berichterstattung vorgeworfen, die lokalen Medien wurden zensiert.

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