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Festnahmen im Tschad : Sieben Europäer auf dem Weg in die Heimat

  • Aktualisiert am

Sarkozy: Vertrauen in den Tschad Bild: AFP

Der französische Präsident Sarkozy hat mit seinem überraschenden Besuch im Tschad die Freilassung sieben Europäer erreicht. Diese konnten mit ihm das Land verlassen. Neun Europäer sind weiterhin wegen Kindesentführung angeklagt.

          2 Min.

          Kurz nach der Ankunft des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy am Sonntag im Tschad sind sieben der 16 dort inhaftierten Europäer frei gekommen. Drei französische Journalisten und vier spanische Flugbegleiterinnen konnten gemeinsam mit Sarkozy am Abend das Land verlassen.

          Die Europäer waren vor eineinhalb Wochen festgenommen worden, als die Organisation Arche de Zoé 103 angebliche Waisenkinder aus der sudanesischen Krisenregion Darfur nach Frankreich ausfliegen wollte. Später stellte sich heraus, dass die meisten Kinder aus dem Tschad stammen und noch Familien haben.

          Sechs Mitglieder der Organisation sind weiterhin wegen Kindesentführung angeklagt und dürfen nicht ausreisen. Außerdem sind noch drei Piloten wegen mutmaßlicher Komplizenschaft im Tschad in Haft. Sarkozy sagte nach einem Treffen mit seinem Amtskollegen Idriss Deby, Frankreich habe Vertrauen in den Tschad und sein Rechtssystem. Es sei ihm jedoch lieber, wenn die Franzosen in ihrem Heimatland vor Gericht gestellt würden. Die Behörden beider Länder würden daher in den kommenden Wochen an einer Lösung des Falles arbeiten.

          Einige der festgehaltenen Europäer dürfen ausreisen

          Überraschende Sarkozy-Reise

          Die Tschad-Reise des französischen Präsidenten kam am Sonntag überraschend. Bereits im Juli war seine damalige Frau Cécila im Auftrag Sarkozys nach Libyen gereist und hatte dort die Freilassung von fünf seit Jahren inhaftierten bulgarischen Krankenschwestern und eines palästinensischen Arztes erreicht. Am Samstag beauftragte Premierminister Francois Fillon Außenminister Bernard Kouchner und Verteidigungsminister Hervé Morin, herauszufinden, „warum die Organisation ihre Identität und ihre Aktion vor den französischen Behörden verheimlichen konnte“. Die französische Regierung war nach eigenen Angaben früh über die geplante Aktion informiert gewesen und hatte bereits im Juli die Justiz eingeschaltet. Die Mitglieder der umstrittenen Organisation Arche de Zoé traten im Tschad unter dem Namen Children Rescue auf und nutzten mehrfach französische Militärmaschinen.

          Die angeblichen Darfur-Waisen sind bis zur Klärung ihrer Identität in einem Waisenhaus in Abéché nahe der Grenze zum Sudan untergebracht. Nach UN-Angaben sind mindestens 91 von ihnen keine Waisen. Die meisten von ihnen scheinen aus Dörfern im östlichen Tschad zu stammen. Inzwischen meldeten sich mehrere angebliche Eltern der Kinder. Die Franzosen hätten ihnen versprochen, den Kindern in Abéché den Schulbesuch zu ermöglichen, berichtete die Zeitung „Le Parisien“. Von einem Flug nach Frankreich sei nicht die Rede gewesen.

          Demonstranten für Freilassung

          Unterdessen forderten in Paris mehrere hundert Demonstranten die Freilassung aller im Tschad inhaftierten Mitarbeiter der Hilfsorganisation Arche de Zoé. Auf einem der Transparente war zu lesen: „Sie haben ihr Leben riskiert, um das Leben anderer zu retten“. Der Vater einer im Tschad inhaftierten Helferin kritisierte, dass Sarkozy sich angeblich nur für die Freilassung der Journalisten und Flugbegleiter einsetze: „Sie sind alle gleichermaßen unschuldig.“

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