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Paketbomben an Trump-Kritiker : Anklage gegen polizeibekannten Republikaner

  • Aktualisiert am

Auf dem Auto des Verdächtigten kleben mehrere Sticker, die ihn als Unterstützer Trumps ausmachen. Bild: Reuters

Amerikas Justiz hat einen Verdächtigen im Zusammenhang mit den Paketbomben an Kritiker Trumps in fünf Punkten angeklagt. Er ist Mitglied der Republikaner und wurde schon mehrfach festgenommen – unter anderem wegen einer Bombendrohung.

          Der Verdächtige im Fall von versandten Rohrbomben an Gegner von Präsident Donald Trump ist angeklagt worden. Das sagte Amerikas Justizminister Jeff Sessions. Der Verdächtige muss sich demnach unter anderem wegen des illegalen Versands von Sprengstoff sowie Drohungen gegen frühere Präsidenten verantworten. Insgesamt gab es fünf Anklagepunkte. Sollte er für schuldig befunden werden, drohen ihm den Angaben zufolge 58 Jahre im Gefängnis. FBI-Chef Christopher Wray bestätigte, dass es sich bei dem Festgenommenen um Cesar S. handelt. Er sei durch DNA-Spuren und Fingerabdrücke überführt worden. Gleichwohl gelte bis zu einer Verurteilung durch ein Gericht die Unschuldsvermutung, sagte Sessions.

          Die amerikanischen Behörden hatten den polizeibekannten 56-Jährigen nur wenige Stunden zuvor in Florida festgenommen,  wo ein Teil der Päckchen sichergestellt worden war. Er kommt aus der Gegend von Miami und hatte eine frühere Verbindung in den Bundesstaat New York. Nach öffentlich zugänglichen Informationen wurde er während der vergangenen Jahre bereits mehrfach festgenommen, unter anderem wegen einer Bombendrohung. Außerdem fiel er in sozialen Medien mit aggressiven Äußerungen gegen Trump-Kritiker auf.

          FBI-Beamte hatten in Plantation den weißen Lieferwagen S. mit einer Plane abgedeckt und dann abtransportiert. Auf seinem Kleinbus sind einem von CNN verbreiteten Foto zufolge mehrere Aufkleber mit den Porträts von Präsident Donald Trump und Vizepräsident Mike Pence angebracht. Auch ein Aufkleber mit der Aufschrift „CNN ist zum Kotzen“ ist zu erkennen.

          Der Fall der mutmaßlichen Briefbomben hat mit großer Wucht den Wahlkampf in den Vereinigten Staaten vor den bevorstehenden Kongresswahlen beeinflusst. Präsident Donald Trump deutete in mehreren Äußerungen Zweifel an der Echtheit der Bomben an. In einem Tweet sprach er am Freitag noch von „dem Bomben-Zeug“, das seinen Wahlkampf negativ beeinflusse. Indirekt hatte er die Medien und ihre kritische Berichterstattung mitverantwortlich gemacht für die Straftaten. Am Abend sagte er dagegen, dass er über die Festnahme informiert worden sei und kündigte an, dass gegen den Täter mit der vollen Härte des Gesetzes vorgegangen werden müsse.

          Die explosiven Umschläge des Verdächtigen waren unter anderem an den früheren Präsidenten Barack Obama und an die frühere Außenministerin Hillary Clinton versandt worden. Auch weitere Trump-Gegner sind Adressaten der von den amerikanischen Behörden abgefangenen Pakete, darunter der Trump-kritische Schauspieler Robert de Niro und der Milliardär und Spender für die oppositionellen Demokraten, George Soros. Die Sendung an Clapper trug die Adresse des New Yorker Sitzes von CNN, wie der Fernsehsender berichtete. Clapper tritt bei dem Trump-kritischen Medium als Experte auf. Auch eine der zuvor aufgetauchten mutmaßlichen Briefbomben war an CNN in New York adressiert. In diesem Fall war sie für den Ex-Chef des Auslandsgeheimdienstes CIA, John Brennan, bestimmt. Er ist ebenfalls für den Sender tätig.

          Als Absender war die frühere Parteichefin der Demokraten, Debbie Wasserman Schultz, angegeben. Die Päckchen waren mit jeweils sechs Briefmarken frankiert, die eine wehende amerikanische Flagge zeigen. Insgesamt stellten die Behörden zwölf Päckchen sicher. Zumindest in einigen davon befanden sich Plastikrohre mit Schwarzpulver und Zünder. Das FBI ging zunächst davon aus, dass sie hätten explodieren können.

          Der 75 Jahre alte De Niro forderte alle Amerikaner dazu auf, ihre Stimmen bei den Kongresswahlen in rund zwei Wochen abzugeben. „Es gibt etwas mächtigeres als Bomben und das ist deine Wahlstimme“, sagte de Niro laut einer Mitteilung, die der Deutschen Presse-Agentur in New York am Freitag vorlag. „Die Menschen müssen wählen gehen.“

          Die Spuren führten die Ermittler bereits am Donnerstag nach Florida. Bombenentschärfer und eine Hundestaffel hatten ein Postverteilzentrum in Opa-Locka durchsucht, wie die örtliche Polizei auf Twitter mitteilte. Mindestens eines der verdächtigen Pakete habe das Postzentrum passiert, berichtete der „Miami Herald“ unter Berufung auf Ermittler.

          FBI und Inspekteure der Post untersuchen den Wagen des Verdächtigen im Zusammenhang mit den Briefbomben.

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