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Nationalfeiertag in Südkorea : Ein glanzloser Festakt

Festlich: Moon und seine Frau Kim Jung-sook in Seoul Bild: EPA

Südkorea feiert seine Unabhängigkeit – doch der Gipfel in Hanoi trübt die Stimmung. 1919 kämpften Koreaner im Norden und Süden gegen die japanische Kolonialmacht.

          Die Sonne schien, die Kunstflugstaffel der Luftwaffe flog über den Gwanghwamun-Platz im Herzen Seouls, Bürger schwenkten Tausende südkoreanische Fahnen und aus den Lautsprechern tönte das in Nord- und Südkorea populäre Lied „Unser Wunsch ist die Wiedervereinigung“. Alles schien perfekt zur Feier des 100. Jahrestags der Unabhängigkeitsbewegung in Korea. Doch die Veranstaltung wurde überschattet von dem am Vortag gescheiterten Gipfeltreffen zwischen Amerikas Präsident Donald Trump und dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-un. Der Festakt in Seoul, den Südkoreas Präsident Moon Jae-in als zukunftsweisendes Signal nach einer Einigung in Hanoi geplant hatte, hatte schon vor Beginn an Glanz verloren.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Moon ließ sich nicht beirren. Er skizzierte in seiner Ansprache erste Grundelemente einer Ordnung für die nächsten hundert Jahre. „Die neue Ordnung der koreanischen Halbinsel ist eine neue Gemeinschaft der wirtschaftlichen Kooperation, die gebildet wird, wenn die Ära der Ideologie und der internen Streitigkeiten hinter uns liegt“, sagte Moon. Konkret heißt das: Moon will mit Amerika beraten, wie die innerkoreanische Zusammenarbeit im Tourismus am Kumgang-Gebirge und im Kaesong-Industriekomplex wiederaufgenommen werden kann. Er kündigte auch einen Wirtschaftsausschuss von Süd- und Nordkorea an, wenn es Fortschritte in der atomaren Abrüstung gebe. Der Ausschuss solle wirtschaftliche Erfolge für beide koreanischen Staaten hervorbringen. Über die Befugnisse des Gremiums sagte Moon jedoch nichts.

          Es habe nach dem Scheitern der Gespräche in Hanoi nur wenige Änderungen an der Rede Moons gegeben, sagte ein Sprecher des Präsidialamtes. Die Haltung Moons sei unverändert. Das deutet darauf hin, dass der Präsident sich von dem Treffen Trumps und Kims eine Lockerung der Sanktionen erhofft hatte.

          Absage an gemeinsame Feier aus Nordkorea

          Moon sieht die innerkoreanischen Beziehungen als Mittel, um auf eine Normalisierung der Beziehungen zwischen Nordkorea und Amerika sowie Japan hinzuwirken. Daraus werde sich eine neue Ordnung von Frieden und Sicherheit in Nordostasien entwickeln, sagte er. Moon entließ Japan nicht aus der historischen Verantwortung, mit dem Südkorea über die Entschädigung von Zwangsarbeitern und über eine Entschuldigung für die im Zweiten Weltkrieg zu Sexdiensten gezwungenen sogenannten Trostfrauen streitet. Doch zugleich bot er Tokio die Hand zu einer in die Zukunft gerichteten Zusammenarbeit. „Wenn die Leiden der Opfer wesentlich durch gemeinschaftliche Anstrengung geheilt sind, werden Korea und Japan echte Freunde werden“, sagte er. Das Außenministerium in Tokio hatte vor den Feierlichkeiten in Seoul eine der in Japan üblichen Reisewarnungen herausgegeben und Japanern in Korea empfohlen, sich Demonstrationen nicht zu nähern.

          Am 1. März 1919 hatten 33 Aktivisten, darunter kulturelle und religiöse Führer, in einem Restaurant in Seoul eine Unabhängigkeitserklärung unterzeichnet, die am selben Tag von Verbündeten in mehreren Städten Koreas vorgelesen wurde. Auch in Pjöngjang, der Hauptstadt des heutigen Nordkoreas, kam es zu Protesten gegen die japanische Kolonialmacht. In Hunderten Kundgebungen demonstrierten in den folgenden Wochen rund zwei Millionen Koreaner für die Unabhängigkeit. Der friedliche Aufstand wurde von den Japanern blutig niedergeschlagen.

          Moon erinnerte in seiner Ansprache daran, dass damals Koreaner aller Schichten im Norden und Süden gemeinsam gegen Japan auf die Straße gingen. Die Symbolik des geeinten Koreas wirkte am Freitag allerdings nicht überzeugend. Erst im Februar hatte Nordkorea eine gemeinsame Feier des Jahrestages abgesagt, entgegen der Absprache von Moon und Kim aus dem Herbst. Das Regime in Pjöngjang führt die Unabhängigkeit des Landes von Japan lieber auf einen heldenhaften Kampf des späteren Diktators Kim Il-sung zurück, des Begründers der Kim-Dynastie.

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