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Fernsehansprache der Queen : Mit Ruhe und Disziplin gegen das Virus

Königin Elizabeth II in ihrer Fernsehansprache am Sonntagabend Bild: Reuters

Erst zum vierten Mal jenseits von Weihnachtsansprachen wendet sich die Monarchin in einer Fernsehansprache an ihr Volk. Sie appelliert an britische Tugenden – und verweist auf eine alte Radioansprache.

          2 Min.

          Gefasst und gewohnt nüchtern wandte sich Queen Elisabeth II. am Sonntagabend an die Briten und den ganzen „Commonwealth of Nations“. In ihrer kurzen Fernsehansprache appellierte sie an britische Tugenden, um die Corona-Krise zu meistern. „Jene, die nach uns kommen, werden sagen, dass die Briten dieser Generation so stark waren wie jede andere, dass die Eigenschaften von Selbstdisziplin, einer ruhigen, gutgelaunten Entschlossenheit und von Anteilnahme dieses Land nach wie vor charakterisieren.“ Die Königin dankte dem medizinischen Personal, aber auch allen, die gerade zuhause bleiben. Die „Unterbrechung des Lebens in unserem Land“ habe „einigen Trauer gebracht, vielen finanzielle Schwierigkeiten und allen enorme Veränderungen des täglichen Lebens“. Sie hoffe, dass in den kommenden Jahren „alle stolz darauf sein können, wie sie auf diese Herausforderung reagiert haben“.

          Jochen Buchsteiner

          Politischer Korrespondent in London.

          Es ist erst das vierte mal in ihrer 68 Jahre währenden Amtszeit, dass sich die Queen jenseits der Weihnachtsansprachen an die Nation gewandt hat. Das erste mal wählte sie diese Form der Anrede während des Golfkriegs 1991, dann nach dem Tod Prinzessin Dianas im Jahr 1997 und schließlich im Jahr 2002 nach dem Tod ihrer Mutter, „Queen Mum“. Bezug nahm sie am Sonntag aber auf keine dieser Reden, sondern auf ihre erste Radioansprache, die sie 1940 als junge Prinzessin – zusammen mit ihrer Schwester – während der deutschen Luftangriffe auf das Königreich gehalten hatte. Viele Briten hatten in jenen Monaten ihre Kinder aufs Land geschickt, um sie in Sicherheit zu bringen. Auch damals, sagte die Queen, habe die Nation „das schmerzhafte Gefühl von Trennungen erlebt“. Aber damals wie heute hätten die Briten „tief in ihrem Herzen gewusst, dass sie das richtige tun“.

          Briten dürfen einmal am Tag an die frische Luft

          Vor der Monarchin, die sich derzeit mit ihrem Mann auf Schloss Windsor aufhält, hatte sich schon Kronprinz Charles aus London an die Briten gewandt. Kuriert von seiner Virusinfektion sagte er in der vergangenen Woche, dass niemand wissen könne, wann diese Phase enden werde – „aber enden wird sie“. Mit einem ähnlich hoffnungsvollen Ton beschloss auch die Queen ihre Fernsehansprache. „Bessere Zeiten werden zurückkehren. Wir werden mit unseren Freunde wiedervereint sein, wir werden mit unseren Familien wiedervereint sein. Wir werden uns wieder treffen.“

          Kurz nach der Fernsehansprache gab Downing Street 10 bekannt, dass Premierminister Boris Johnson ins Krankenhaus gebracht wurde. Es handele sich dabei um eine Vorsorgemaßnahme. Johnson war vor zehn Tagen positiv auf Covid-19 getestet worden und leidet seitdem unter anderem an hohem Fieber.

          Britische Zeitungen spekulierten am Sonntag, ob der Zeitpunkt der Ansprache mit der beunruhigend wachsenden Anzahl von Corona-Toten zu tun haben könnte. Die letzten Zahlen, die für Samstag bekanntgegeben wurden, zeigten einen abermaligen Anstieg. Die Zahl der Todesfälle lagen bei 621, womit seit Ausbruch der Pandemie fast 5000 Menschen im Königreich an dem Virus gestorben sind. Gesundheitsminister Matt Hancock warnte die Briten am Sonntag vor weiteren Einschränkungen des täglichen Lebens, sollten die Verhaltensregeln nicht eingehalten werden. Das gute Wetter ließ am Wochenende zahlreiche Briten vor die Tür treten und den Sonnenschein genießen. Bislang ist es ihnen noch erlaubt, einmal am Tag an die frische Luft zu gehen, um sich körperliche Bewegung zu verschaffen, solange sie das Abstandsgebot von zwei Metern befolgen. Ausgenommen sind Mitglieder eines Haushalts.

          Kritik an Hancocks Warnung äußerte die neue stellvertretende Labour-Vorsitzende Angela Rayner. „Leute mit großen Häusern und riesigen Gärten“ könnten so etwas leicht sagen, aber was sei mit denen, die in winzigen Apartments leben müssten, fragte Rayner und verlangte „vernünftige und verhältnismäßige“ Entscheidungen. Auch der neue Parteichef Keir Starmer hielt der Regierung „schwere Fehler“ vor. Sie hätte zu lange gebraucht, um die Zahl der Tests nach oben zu fahren und die Ärzte mit angemessener Schutzkleidung auszustatten, sagte er in der BBC. Zugleich versicherte er, während der Corona-Krise keine politischen Punkte machen und konstruktiv mit der Regierung von Premierminister Boris Johnson zusammenarbeiten zu wollen. Starmer und Rayner waren am Samstag als Sieger aus der Urwahl der Labour Party hervorgegangen.

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