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Arderns Kopftuchgeste : Solidaritätszeichen oder billige Symbolik?

Die neuseeländische Premierministerin trägt nach dem Anschlag in Christchurch ein Kopftuch. Bild: AFP

Nach dem Anschlag von Christchurch tragen Nichtmusliminnen Kopftuch, allen voran die neuseeländische Premierministerin. Dafür wird sie nicht nur gelobt – Kritik kommt sogar von Musliminnen selbst.

          4 Min.

          Die neuseeländische Premierministerin Jacinda Ardern hat sehr viel Zuspruch für ihre Reaktion auf den Anschlag in Christchurch bekommen. Nach der rechtsextremistischen Terrorattacke auf zwei Moscheen mit 50 Toten hat sie Mitgefühl und Führungsstärke gezeigt. Schon jetzt sind Petitionen in Umlauf, die ihre Nominierung für den Friedensnobelpreis erreichen wollen. Ein Bild, das die Regierungschefin in einer Umarmung mit einer Muslimin zeigte, wurde sogar auf das Burj Khalifa in Dubai projiziert, das höchste Gebäude der Welt. Auf dem Foto trägt Ardern ein dunkles Kopftuch. „Neuseeland ist in Trauer vereint“: Das war die Botschaft, die sie insbesondere an die Muslime in Neuseeland aussandte.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Die Premierministerin war dabei nicht die Einzige in Neuseeland, die ihre Solidarität mit den Opfern auf diese Weise ausdrückte. Polizistinnen, Fernsehmoderatorinnen und normale Bürgerinnen trugen nach dem Anschlag öffentlich Kopftuch. Unter dem Motto „Headscarf for Harmony“ („Kopftuch für Harmonie“) verhüllten am Freitag vor einer Woche im ganzen Land Frauen ihre Haare. Die Ärztin Thaya Ashman aus Auckland gehörte zu den Organisatorinnen der Kampagne. Die Idee sei ihr gekommen, nachdem sie im Fernsehen ein Interview mit einer Muslimin gesehen hatte, sagte sie dieser Zeitung telefonisch aus Auckland. Die Frau traute sich mit ihrem Hijab, dem muslimischen Kopftuch, nicht mehr auf die Straße. „Ich merkte, dass das Kopftuch sie zur Zielscheibe machte“, sagte die Ärztin.

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