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Corona-Impfstoff : Selbstlob und beleidigte Reaktionen

Probandin in einer Impfstoff-Studie an der Universität Oxford Bild: dpa

Nach der ersten Zulassung eines Corona-Impfstoffs klopfen sich Londoner Regierungsmitglieder dafür selbst auf die Schulter. Warum kann man die Sache nicht als großartiges Ergebnis internationaler Bemühungen anerkennen?

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          Dass die Verfügbarkeit eines Impfstoffs gegen das Coronavirus die Hoffnung auf eine rasche Rückkehr zum „normalen“ Leben beflügelt – öffentlich wie privat –, ist allzu verständlich. In diesem Sinne ist im Vereinigten Königreich die Notfallzulassung des Impfstoffs der Unternehmen Biontech und Pfizer mit großer Vorfreude aufgenommen worden. Premierminister Johnson nannte sie „phantastisch“, schließlich ist damit die Aussicht verbunden, dass die Infektions- und Sterbezahlen sinken und die Beschränkungen wegfallen, welche die Wirtschaft niederhalten, so dass diese wieder Fahrt aufnehmen kann. Zweifellos frohe Botschaften! Im britischen Fall stünde das Krisenmanagement der Regierung Johnson in helle(re)m Lichte da.

          Wegen der (befristeten) Notfallzulassung, der ein ähnlicher Schritt in den Vereinigten Staaten bald folgen dürfte, gibt es allerdings prompt ein dummes Scharmützel: Londoner Regierungsmitglieder klopfen sich auf die Schulter dafür, dass es das Königreich sei, das als erstes Land der Welt ein Vakzin genehmigt habe. Dies als Folge des Brexits darzustellen, während die Europäer hinterherhinken, liegt dann nahe: Brexit rettet Leben, soll das heißen.

          Relevante Fragen noch offen

          Berlins Botschafter giftete zurück: Der Impfstoff sei keine britische Erfindung und keine nationale Sache, sondern das Ergebnis einer deutsch-amerikanischen Partnerschaft. Ja, warum kann man die Sache nicht als großartiges Ergebnis internationaler Bemühungen anerkennen?

          Weitaus wichtiger als Selbstlob und beleidigte Reaktion ist etwas anderes: Der zuständigen britischen Behörde standen vor der Zulassung weniger Daten zur Verfügung, als sie offenbar die Europäische Arzneimittelbehörde verlangt, die Ende Dezember entscheiden will. Ohnehin sind noch lange nicht alle relevanten Fragen beantwortet; zum Beispiel die, ob der Impfstoff gegen eine Ansteckung durch Personen schützt, die erkrankt sind, aber keine Symptome zeigen.

          Es ist für den Erfolg des Impfstoffs und damit für die Eindämmung der Pandemie essentiell, dass die Bürger das Vertrauen in die Gesundheitsbehörden, also in den Staat, nicht verlieren. Und das gilt für alle Länder.

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