https://www.faz.net/-gpf-skz0
 

FAZ.NET-Spezial : Zarqawis Ende

  • Aktualisiert am

Getötet im Irak: Abu Musab al Zarqawi Bild: dpa

Der Tod des Terroristenführers Abu Musab al Zarqawi wird kurzfristig vielleicht zu einem Nachlassen der Gewalt im Irak führen, auf längere Sicht aber nicht. Amerikas Präsident Bush tut also gut daran, nicht zu triumphieren.

          1 Min.

          Der Tod des Terroristenführers Abu Musab al Zarqawi wird kurzfristig vielleicht zu einem Nachlassen der Gewalt im Irak führen, auf längere Sicht aber nicht. Insofern hat der amerikanische Präsident George W. Bush die Lage richtig eingeschätzt, als er bei der Kommentierung der Nachricht jeglichen Triumphalismus vermied.

          Zarqawi hat blutige Terrorakte verüben lassen und selbst verübt, doch der einzige ist er wahrlich nicht. Verständliche Genugtuung schwang in Bushs Worten freilich mit. Ob der Kampf gegen die Gewalt jetzt erfolgversprechender ist, wie Washingtons Botschafter in Bagdad, Zalmay Khalilzad, und Ministerpräsident Nuri al Maliki meinen, bleibt abzuwarten - bis zum nächsten großen Anschlag. Jordanien soll bei der Aktion gegen Zarqawi den Amerikanern und Irakern geholfen haben. Er hatte auch dort blutige Anschläge ausführen lassen.

          Verraten von Schiiten?

          Noch vor kurzem hatte Zarqawi seine Leute zur Verschärfung des "Kampfes gegen die Kreuzritter" und die "ungläubigen" Schiiten aufgerufen. Möglicherweise hat das sein Ende beschleunigt, denn die Hinweise auf seinen Aufenthalt bekamen die Amerikaner, wie es heißt, aus der Bevölkerung, vielleicht von Schiiten. Im Namen des Sunnitentums wollte Zarqawi im Irak nämlich einen Bürgerkrieg entfesseln und nach dem Sieg auch in den Nachbarländern des Iraks ein Kalifat errichten.

          Im April wandte sich Zarqawi in einer Videobotschaft an die Öffentlichkeit

          Diese islamistische Utopie, mit der er sich zum islamischen "Helden" emporstilisieren wollte, ist jetzt zerstört. Der Terrorist hatte sich in seinem Wüten gegen die Schiiten sogar in Gegensatz zu Usama Bin Ladin gebracht, der Gewaltausübung gegen muslimische Glaubensbrüder zuletzt mehrfach entschieden kritisiert hatte.

          Keines der Probleme Iraks gelöst

          Bin Ladins Al-Qaida-Organisation ist durch Zarqawis Ende zweifellos getroffen worden, denn er war nun einmal deren Mann im Irak. Freilich steht der Name "Al Qaida" längst nicht mehr für eine monolithische, streng hierarchisch geführte Organisation, sondern allenfalls noch für einen losen Verbund Gleichgesinnter, für ein Schattenreich, das schwer zu fassen ist und auch Zellen umfaßt, die nie direkt in Al Qaida integriert gewesen sind. Das macht die Sache sogar schwieriger, da weniger überschaubar. Durch den Tod Zarqawis ist keines der Probleme des Iraks gelöst worden, aber im Irak gibt es einen führenden Terroristen weniger.

          Weitere Themen

          Armbändchen

          Fraktur : Armbändchen

          Armbändchen, selbst bei Konservativen, sind Distinktionsmerkmal: Ich bin einer von Euch, von wem auch immer. Aber was ist mit der Surferkette von Kramp-Karrenbauer?

          Kramp-Karrenbauer stellt Machtfrage Video-Seite öffnen

          Tritt sie zurück? : Kramp-Karrenbauer stellt Machtfrage

          Zum Auftakt des CDU-Parteitages in Leipzig hielt die Vorsitzende eine kämpferische Rede. Von einer Spaltung der Partei, gar von einer Revolution, will sie nichts wissen.

          Gericht hebt Kundgebungsverbot auf

          Eilantrag der NPD : Gericht hebt Kundgebungsverbot auf

          Das Verwaltungsgericht Hannover hat das polizeiliche Verbot der NPD-Demonstration gegen kritische Journalisten gekippt. Es sei keine unmittelbare Gefährdung der Pressefreiheit erkennbar, hieß es zur Begründung.

          Topmeldungen

          CDU-Parteitag : Revolte abgesagt

          Annegret Kramp-Karrenbauer hält auf dem CDU-Parteitag keine Verteidigungsrede gegen ihre Kritiker, sie geht in die Offensive und stellt die Machtfrage. Und Friedrich Merz betont, die CDU sei „loyal zu unseren Vorsitzenden“.
          Guter Auftritt: Christine Lagarde während des European Banking Congress in der Frankfurter Alten Oper.

          Neue EZB-Präsidentin : Guter Start für Lagarde

          Nach acht Jahren Mario Draghi hat kürzlich Christine Lagarde die Führung in der Europäischen Zentralbank übernommen. Noch ist nicht klar, welchen Kurs sie inhaltlich verfolgen wird. Im Stil hat sie allerdings schon erste Zeichen gesetzt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.