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FAZ.NET-Countdown : Groß müsste man sein

Donald Trump, der großartigste Präsident aller Zeiten? Wenigstens der ein oder andere Republikaner scheint davon fest überzeugt. Bild: REYNOLD/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Die Weltgemeinschaft vermiest Trump sein schönstes Weihnachtsgeschenk. Kataloniens Separatisten fühlen sich wie neugeboren. Und Schweden denkt über Sex nach.

          3 Min.

          Größe ist etwas Feines. Wer groß ist, kann weit blicken. Die Kinder freuen sich über große Geschenke mehr. Und großes Lob bleibt bei Erwachsenen länger in Erinnerung. Dass manche von ihnen großen Komplimenten misstrauen – geschenkt. Gehen wir einfach mal davon aus, dass Utahs Senator Orrin Hatch gemeint hat, was er sagte, als er Präsident Trump sein ganz persönliches Weihnachtsgeschenk überbrachte. Eine Lobhudelei ersten Ranges unter Alphatieren.

          Immerhin steht der Republikaner als dienstältester Senator der Regierungsfraktion an dritter Stelle in der Nachfolge des amerikanischen Präsidenten. Trumps Präsidentschaft könne die „großartigste nicht nur in Generationen, sondern aller Zeiten werden“, sagte Hatch, der mit seinen 83 Jahren mittlerweile stolze 14 Amtsträger erlebt hat. Darunter Männer wie Roosevelt und Kennedy, die zu Schlüsselfiguren der Weltgeschichte wurden.

          Donald Trump soll der größte Präsident aller Zeiten werden können? Hatchs schmeichelhafte Prognose ist zwar nicht zu beanstanden. So lange seine Amtszeit dauert, kann eine einzige Entscheidung ihn unsterblich machen. Aber davon ab stellt sich die Frage, was beunruhigender ist: Dass Hatch und mit ihm die gesamte republikanische Führung nach der erfolgreichen Steuerreform Trump wie einen narzisstischen Autokraten huldigt – oder dass Trump selbst Hatchs Prognose für wahrscheinlich hält? Vielleicht reagieren deutsche Ohren auf solch gewaltige Zuschreibungen ja auch nur sensibler als jene aus den Tiefen des Mittleren Westens.

          1940 rief Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel Adolf Hitler nach dem Sieg im Westen zum „größten Feldherrn aller Zeiten“ aus. Viereinhalb Jahre dauerte es von dort an noch, bis Deutschland in Schutt und Asche lag. Seine Generale machten sich seit der Niederlage von Stalingrad, die vor 75 Jahren ihren Anfang nahm, über den „Gröfaz“ lustig. Doch das änderte nichts.

          Die Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie liefert ständig neue Reime. Das Gros der Staaten hält Trump derzeit offenbar eher für einen „Gröpaz“. Seine unverhohlenen Erpressungsversuche in der Jerusalem-Frage scheiterten am Donnerstag in der UN-Vollversammlung kläglich. 128 Staaten stimmten einer Resolution zu, die von ihm verlangt, die Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt des israelischen Staates zurückzunehmen. Nur neun Länder stimmten dagegen. 35 enthielten sich. Der Beschluss hat für Amerika keine Folgen. Er ist völkerrechtlich nicht bindend und mag Trump in seiner Skepsis gegenüber den Vereinten Nationen bestärken. Doch die Geschichtsbücher der Welt werden nicht bei Breitbart geschrieben. Will sich Amerikas Präsident dort einen Platz sichern, hat er noch einen langen Weg vor sich.

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          Carles Puigdemont hat es in einer Hinsicht deutlich einfacher als Donald Trump. Unter den Staatsführern des unabhängigen Kataloniens ist er konkurrenzlos. Das mag allerdings damit zusammenhängen, dass es diese Gebilde trotz der Ausrufung im katalanischen Regionalparlament de facto gar nicht gibt. Von seinem Brüsseler Exil aus konnte der abgesetzte ehemalige Regionalpräsident Kataloniens verfolgen, dass die Unabhängigkeitsbestrebungen in seiner Heimat trotz der Zwangsregierung aus Madrid weiterhin quicklebendig sind. Der Versuch der spanischen Zentralregierung, durch die Neuwahlen die Situation zu beruhigen, ist somit gescheitert. Laut vorläufigen amtlichen Endergebnis errangen die Separatisten dabei abermals die knappe Mehrheit der Sitze im Parlament in Barcelona.

          Die drei Linksparteien dürften damit eine rechnerische Mehrheit im katalanischen Parlament erlangen. Doch hat das Ergebnis für Puigdemont auch einen Beigeschmack. Während die linksnationalistische ERC seines früheren Stellvertreters Oriol Junqueras offenbar Wähler hinzugewinnen konnte, musste Puigdemont Allianz JuntsxCat genauso Verluste hinnehmen wie die antikapitalistische CUP.

          Junqueras war für Puigdemont auf der Zielgerade des Wahlkampfes so eine Art Anti-Hatch, der ihm vorwarf, ein Feigling zu sein. „Ich ging ins Gefängnis, weil ich mich niemals verstecke“, hatte der ERC-Vorsitzende in einem Interview gesagt. Puigdemont konterte daraufhin, er habe sicherstellen müssen, dass die legitime katalanische Regierung fortbestehe. Wie beide auf das Wahlergebnis reagieren und ob Puigdemont gar nach Katalonien zurückkehrt, bleibt abzuwarten. In diesem Fall könnte er bald seinem Koalitionspartner sehr nahe sein. Ihm droht ebenfalls die Festnahme.

          Was sonst noch wichtig wird

          Bundesweit wollen heute verschiedene Initiativen zeigen, welche Wege es für ausstiegswillige Islamisten aus der radikalen Szene gibt und wie erfolgreich sie mit ihrer Arbeit sind. Ob elektrische Fußfesseln dabei eine Rolle spielen? Verbrieft ist, dass gewaltbereite Islamisten in Deutschland sie tragen (müssen) und ihre Überwacher inzwischen aus Angst vor einem Anschlag in ein Gefängnis umziehen. Die Hintergründe schildert Eckart Lohse.

          Das müssen Sie lesen

          Bevor ich Sie in die Countdown-freien Weihnachtstage verabschiede, möchte ich Ihnen noch Lesestoff zu einem ganz großen Thema empfehlen: Sex in Schweden. Und machen Sie sich keine Sorgen. Sie können ruhig weiterlesen, ohne um Ihren Familienfrieden oder die Anstellung des Autors zu fürchten. Das schwedische Parlament nimmt gerade einen beachtenswerten Einstellungswechsel vor. Julia Bähr über das Ende von „Du willst es doch auch.“

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