https://www.faz.net/-gpf-94prl

FAZ.NET-Countdown : Die Schlachten von Alabama

Der ehemalige Richter Roy Moore, hier im Bild mit seiner Frau Kayla, ist der Grund dafür, warum die Republikaner inzwischen um ihren Sieg zittern müssen Bild: AFP

Im Süden Amerikas werden heute gleich mehrere Kämpfe ausgetragen. Die Wahl eines neuen Senators kann Folgen bis Washington haben. Worum es dabei geht, steht im FAZ.NET-Countdown.

          3 Min.

          Im armen Herzen des Südens der Vereinigten Staaten wird an diesem Dienstag ein neuer Senator gewählt. Er soll Jeff Sessions ersetzen, der Justizminister geworden ist. Das Ganze könnte eine unspektakuläre Nachwahl sein. Ist es aber nicht. Denn heute werden in Alabama zwei Schlachten gleichzeitig geschlagen: Zwischen Demokraten und Republikanern, und zwischen Republikanern und Republikanern.

          Im Zentrum von beiden steht ein Mann: Roy Moore. Der republikanische Kandidat ist der Grund dafür, weshalb die Anhänger seiner Partei inzwischen um ihren Sieg im Bundesstaat zittern müssen. Dem 70 Jahre alten ehemaligen Richter wird vorgeworfen, vor Jahrzehnten Minderjährige missbraucht zu haben. Mit seinem demokratischen Mitbewerber Doug Jones liegt er in jüngsten Umfragen Kopf an Kopf. Verliert er, würde die Mehrheit der Republikaner im amerikanischen Senat auf zwei Sitze zusammenschrumpfen. Das wäre Morgenluft für die Demokraten. Ihre Chancen, bei der Kongresswahl im nächsten Jahr die Mehrheit im Senat zu erobern, würden damit steigen. Gewinnt er jedoch, wäre das Rückenwind für Donald Trump, womit wir bei der zweiten Schlacht wären.

          Der amerikanische Präsident hielt sich lange bedeckt und absolvierte keinen Wahlkampfauftritt für Moore in Alabama. Doch hat sich Trump trotz der Missbrauchsvorwürfe (die er bestens kennt) inzwischen offenkundig auf die Seite Moores geschlagen. Dabei haben sich führende Vertreter des republikanischen Establishments längst gegen Moore gestellt. Der Mehrheitsführer im Senat, Mitch McConnell, hatte ihn sogar schon aufgerufen, seine Kandidatur ruhen zu lassen.

          Sprinter – der politische Newsletter der F.A.Z.
          Sprinter – der Newsletter der F.A.Z. am Morgen

          Starten Sie den Tag mit diesem Überblick über die wichtigsten Themen. Eingeordnet und kommentiert von unseren Autoren.

          Mehr erfahren

          Moore ist ein erzkonservativer Christ und ein entschiedener Gegner der Homo-Ehe. Das brachte ihm zwei Suspendierungen von seinem Richterposten ein. Wie sein Präsident ist Moore ein Provokateur und Liebling des populistisch-radikalen Flügels der „Grand Old Party“. Dass er damit zum Feindbild des Partei-Establishments geworden ist – dem er den Kampf angesagt hat – versteht sich da fast von selbst. Trumps ehemaliger Chefberater Steve Bannon will nächstes Jahr gegen jeden etablierten Republikaner einen populistisch-nationalistischen Kandidaten à la Moore aufstellen. Gewinnt er, wäre das ein wichtiger Sieg im Kampf um die Lufthoheit in der republikanischen Partei.

          Die nächste Schlacht könnte sich dann jedoch direkt in Washington anschließen. Dort wartet Mitch McConnell, den Moore inzwischen als Erzfeind ausgemacht hat. Er droht schon mit einer Untersuchung des Ethik-Ausschusses. Andreas Ross berichtet aus Washington.

          Was sonst noch wichtig wird

          Die heutige Sitzung des Bundestags erinnert daran, dass die Welt trotz den seit Wochen anhaltenden Gesprächen über (un-)mögliche Regierungskoalitionen nicht auf Deutschland wartet. Ob im Mittelmeer, beim Kampf gegen die Terrormiliz IS, am Hindukusch oder in Mali – die Menschen dort dürfte herzlich wenig scheren, wer in Berlin das demokratische Zepter in Händen hält. Für die deutschen Soldaten, die dort im Auftrag des Parlaments dienen und mitunter ihr Leben riskieren, sieht das naturgemäß anders aus.

          Die Abgeordneten entscheiden über die Zukunft von fünf Auslandseinsätzen der Bundeswehr. Das Verfahren dafür ist inzwischen seit Jahren eingeübt und fast Routine. Von einem „Ja“ ist in allen Fällen auszugehen. Damit auch bei den Gesprächen zwischen Union und SPD die Chancen auf ein „Ja“ steigen, beabsichtigen CDU/CSU einen Fehler aus den Jamaika-Gesprächen zu vermeiden. Statt sich in Detailfragen zu verstricken, solle über die Themen grundsätzlicher gesprochen werden, um zügig Fortschritte zu erzielen. Wie schnell das geht, bleibt abzuwarten. Nikolas Busse kommentiert, warum es höchste Zeit für eine neue deutsche Regierung wird.

          Und in Paris treffen sich über 50 Staats- und Regierungschefs zum „One Planet Summit“. Zwei Jahre nach der Einigung auf das Pariser Klimaabkommen geht es einmal mehr um die Umsetzung der Beschlüsse. Ob Handfestes dabei herauskommt? Zu wünschen wäre es. Donald Trump und Angela Merkel aber rechnen offenbar nicht damit. Sie sind nicht dabei.

          Leseempfehlung

          In Nigeria, im Westen Afrikas, wütet seit Jahren die Terrormiliz Boko Haram. Ihr Ziel: Die Errichtung eines islamistischen Gottesstaates. Immer wieder verübt die Gruppe Angriffe, Selbstmordanschläge, entführt Menschen und zwingt sie faktisch in die Sklaverei. Meine Kollegin Melanie Mühl hat sich in Benin Stadt mit Menschen getroffen, die Boko Haram nur knapp entkommen sind und heute in Lagern ausharren. Ihr Alltag ist mühsam, aber sie sind froh, am Leben zu sein. Hier lesen sie ihre Geschichte.

          Abonnieren Sie hier den kostenfreien politischen und wirtschaftlichen Newsletter F.A.Z. Sprinter. Der kompakte Überblick über alles, was am Tag wichtig wird. Immer werktags um 6.30 Uhr.

          Weitere Themen

          „Eine gute Nachricht“ Video-Seite öffnen

          Merkel zum Brexit-Deal : „Eine gute Nachricht“

          Bei ihrer Ankunft in Brüssel hat Bundeskanzlerin Angela Merkel betont, dass sie besonders erfreut sei, dass irische Premier mit dem Deal zufrieden sei. Die Einigung auf einen neuen Deal sei eine „gute Nachricht“.

          Topmeldungen

          Boris Johnson am Donnerstag in Brüssel.

          Brexit-Streit : Noch viel Überzeugungsarbeit für Boris Johnson

          Mit den EU-Partnern hat sich Großbritanniens Regierungschef auf eine neuen Entwurf des Brexit-Vertrags geeinigt. Doch im britischen Unterhaus muss Boris Johnson weiter um jede Stimme dafür kämpfen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.