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Indien sperrt Internetzugang : Wie die Kinder

  • -Aktualisiert am

Demonstranten protestieren in Mumbai gegen das neue Staatsbürgergesetz der indischen Regierung. Bild: AP

In Indien demonstrieren Tausende gegen ein neues Staatsbürgergesetz. Und was macht die Regierung von Ministerpräsident Modi? Schaltet den Regionen das Internet ab. Das ist nicht nur politisch kurzsichtig, sondern auch kindisch.

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          Kindern sagt man nach, sie versuchten sich vor Gefahren zu „schützen“, indem sie ganz fest die Augen verschließen. Es ist bemerkenswert, dass die indische Regierung diese Methode auch für ein probates Mittel gegen andauernde Proteste hält. Tausende demonstrieren gegen ein neues Staatsbürgergesetz, das als diskriminierend gegenüber Muslimen empfunden wird. Und was macht die Regierung? Sie schaltet in den betroffenen Regionen das Internet ab.

          Wer nichts mehr sieht und nichts mehr hört, der wird sich schon ruhig verhalten. Dass das nicht von großer politischer Weitsicht zeugt, liegt auf der Hand. Vor allem geht es der Regierung nicht darum, durch vorübergehendes Ruhigstellen der Proteste Zeit für eine Überarbeitung des neuen Gesetzes zu gewinnen. Vielmehr scheint Ministerpräsident Narendra Modi das schöne Wort Kompromiss seit seinem Wahlsieg aus dem Wortschatz gestrichen zu haben.

          Ein demokratisch erlangtes Mandat auf diese Weise zu missbrauchen ist keine indische Spezialität. Aber Modis Regierung täte gut daran, es jenen nicht gleichzutun, die mit ähnlichen Versuchen in der Vergangenheit gescheitert sind. Gerade im ethnisch und religiös extrem diversen Indien kann es auf Dauer nicht gutgehen, unterschiedliche Volksgruppen gegeneinander auszuspielen. Das müsste eigentlich jedes Kind wissen. Aber Modis Hindunationalisten verschließen ja lieber die Augen vor der Wirklichkeit.

          Peter Sturm

          Redakteur in der Politik, zuständig für „Politische Bücher“.

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