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Andreas Ross (anr.)

Juan Guaidó in Venezuela : Möchtegernkaiser ohne Kleider

  • -Aktualisiert am

Protest gegen Präsident Maduro in Venezuela am 1. Mai Bild: AFP

Venezuelas Gegenpräsident Guaidó scheut sich nicht mehr, den Ton eines Putschisten anzuschlagen. Aber jetzt ist er düpiert. Denn die meisten maßgeblichen Offiziere blieben Maduro treu.

          Auch am Maifeiertag sind Abertausende Venezolaner gegen Diktator Nicolás Maduro aufmarschiert. Doch ein Erfolg der demokratischen Rebellion schien nie so fern, seit sich Parlamentspräsident Juan Guaidó im Januar zum Übergangspräsidenten des Landes ausgerufen hatte und von mehr als fünfzig ausländischen Regierungen als solcher anerkannt worden war. Beide „Präsidenten“ wirken zu schwach, um den Konflikt dauerhaft zu ihren Gunsten aufzulösen.

          Maduros Schwäche offenbarte sich am Dienstag, als Sicherheitskräfte den Oppositionellen Leopoldo López aus dem Hausarrest befreiten und Guaidó die Militärs forsch zum Regimewechsel aufrief. Schon vor gut drei Monaten hatte der Diktator den jungen Politiker zum Putschisten gestempelt. Angesichts der Stimmung im Land und der internationalen Drohkulisse hatte er es aber nicht wagen können, den Rivalen aus dem Verkehr zu ziehen. Dafür stand Guaidó am Ende des Dienstags wie ein Möchtegernkaiser ohne Kleider da. Das Gros der maßgeblichen Offiziere blieb Maduro treu. Entweder war sich Guaidó seiner Sache sehr sicher gewesen, oder die Führung der Opposition war so verzweifelt, dass sie auf volles Risiko ging. Jedenfalls scheute sich der Gegenpräsident nicht mehr, den Ton eines Putschisten anzuschlagen.

          Innenpolitische Schadensbegrenzung

          Auch die Trump-Regierung sah keinen Anlass für Zurückhaltung. Doch je lauter in Washington getrommelt wurde, desto rätselhafter wurde die Rolle der Vereinigten Staaten: Sind sie nur Guaidós Cheerleader und Berater, oder selbst aktive Spieler im venezolanischen Machtkampf?

          Die Formel von Sicherheitsberater Bolton, dass „alle Optionen auf dem Tisch“ lägen, ist hohl. Dass Bolton in Washington preisgab, welche Stützen des Maduro-Regimes sich angeblich zu dessen Beseitigung bekannt hätten, half am Ende bloß dem Diktator: Der presste zweien der Genannten Treueschwüre ab und blamierte so seine Gegner.

          Fast wie ein unbeteiligter Kommentator klang Bolton denn auch, als er darlegte, dass Venezuela in einer ausweglosen „Diktatur versinken“ würde, sollte Guaidó scheitern. Und regelrecht beleidigt wirkte Außenminister Pompeo, als er Moskau dafür schalt, dass es Maduro die angeblich fest vereinbarte Flucht nach Kuba in letzter Sekunde ausgeredet habe. Genauso wie Trumps harsche Drohungen an Havanna zählte das wohl schon zur innenpolitischen Schadensbegrenzung in Washington. Den Venezolanern hilft es nicht.

          Andreas Ross

          Redakteur in der Politik.

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