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Kommentar : Brasilien wählt rechts

Nach seinem Wahlsieg hat der Rechtspopulist Jair Bolsonaro versprochen, die Verfassung zu achten. Daran sollten ihn nicht nur die Brasilianer erinnern.

          Was in Brasilien geschehen ist, kennt man der Tendenz nach inzwischen aus etlichen anderen Ländern: Misserfolge und Fehler einer linken Partei bringen einen Rechtspopulisten an die Macht. Die Arbeiterpartei hielt viel zu lange am inzwischen inhaftierten früheren Präsidenten Lula da Silva fest, und sie muss sich letztlich die Verantwortung für den großen Probleme des einstigen Wachstumslandes zuschreiben lassen: die Wirtschaftskrise, massive Korruptionsskandale und die erodierende öffentliche Sicherheit.

          Auf Trump kommt es an

          Nikolas Busse

          Verantwortlicher Redakteur für die Frankfurter Allgemeine Woche und stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik (F.A.Z.).

          Im immer noch friedlichen und wohlhabenden Europa werden Politiker oft an moralischen Kategorien gemessen. Das ist ein Luxus, den sich in Lateinamerika wenige Wähler leisten können oder wollen. Deshalb folgen sie einem starken Mann von rechts jetzt genauso willig wie zuvor den unrealistischen Verheißungen der linkspopulistischen Volkstribune, die Länder von Venezuela bis Argentinien ruiniert haben.

          Jair Bolsonaro will das Land wirtschaftlich liberalisieren und die Polizei stärken. Beides ist im Grundsatz vernünftig, es kommt aber darauf an, wie man es macht. Er hat sich in der Vergangenheit für Folter, extralegale Tötungen oder die Säuberung des Landes von politischen Gegnern ausgesprochen. Nichts davon wäre mit einem demokratischen Staatswesen in Einklang zu bringen.

          Nach seinem Sieg hat Bolsonaro erst einmal versprochen, die Verfassung zu achten. Daran sollten ihn nicht nur die Brasilianer erinnern, sondern auch die ausländischen Partner des Landes. Einer, auf den es dabei besonders ankommt, wird das aber nicht oder nur sehr zögerlich tun: Bolsonaros Bruder im Geiste in Washington.

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