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Farc-Geisel Ingrid Betancourt befreit : „Wir haben einen Kampf für die Freiheit gewonnen“

  • Aktualisiert am

Betancourt (rechts) begrüßt ihre Mutter Yolanda Pulecia Bild: AFP

Sechs Jahre war die ehemalige kolumbianische Präsidentschaftskandidatin Ingrid Betancourt in Gefangenschaft der Farc-Rebellen. Jetzt ist sie frei - durch eine Finte. Noch heute will sie nach Paris fliegen und Präsident Sarkozy treffen.

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          Die kolumbianische Politikerin Ingrid Betancourt will nach ihrer Befreiung aus der Geiselhaft noch an diesem Donnerstag nach Paris fliegen. Sie wolle mit Staatspräsident Nicolas Sarkozy zusammentreffen und dem französischen Volk für sein Engagement danken, sagte Frau Betancourt am Donnerstag dem kolumbianischen Fernsehsender RCN. Sie besitzt hat auch die französische Staatsbürgerschaft.

          „Es ist für mich an der Zeit, den Franzosen zu danken, ihnen zu sagen, dass ich sie bewundere, dass ich stolz bin, auch Französin zu sein“, sagte die 46-Jährige. Zuvor will sie in Bogotá mit ihren beiden Kindern zusammentreffen, die von Paris nach Kolumbien geeilt sind. Frau Betancourt rief die Guerilleros der Farc auf, weitere Geiseln freizulassen. Sie hoffe, dass sie einen Beitrag zur Versöhnung in Kolumbien leisten könne. Es sei aber zu früh, etwas über ihre Pläne in der Politik zu sagen. Darüber wolle sie zuerst mit ihrer Familie sprechen.

          Wenige Stunden nach ihrer spektakulären Befreiung aus der Geiselhaft der Farc-Rebellen hatte sie sich bei der kolumbianischen Armee bedankt und erklärt, die Entwicklung sei ein Zeichen dafür, dass es in Kolumbien künftig wieder Frieden geben könne. Sie war am Mittwochabend mehr als sechs Jahre nach ihrer Verschleppung durch linke Farc-Rebellen zusammen mit drei Amerikanern und elf weiteren Geiseln von Soldaten mit einem Täuschungsmanöver in der südlichen Dschungel-Provinz Guaviare gerettet worden. Bei der Aktion sei kein Schuss gefallen (siehe dazu auch: Kolumbien: Ingrid Betancourt durch Bluff befreit).

          Betancourt (rechts) begrüßt ihre Mutter Yolanda Pulecia Bilderstrecke

          Befreier hatten sich als Sympathisanten der Rebellen ausgegeben

          Die an der Befreiungsaktion beteiligten Soldaten hatten sich als Sympathisanten der Rebellen ausgegeben, die die Geiseln zu Rebellenchef Alfonso Cano überstellen sollten. „Wir wurden gezwungen, in Handschellen den Hubschrauber zu besteigen, das war sehr demütigend“, berichtete eine zwar blasse, aber über das ganze Gesicht strahlende Betancourt auf dem Luftwaffenstützpunkt in Bogota über den Ablauf der Aktion. „Dann, plötzlich, haben sie die beiden Rebellen, die mit uns an Bord waren, entwaffnet und der Leiter der Operation schrie: Wir sind die kolumbianische Armee und Sie sind frei! Der Hubschrauber stürzte fast ab, weil wir angefangen haben zu klatschen und zu schreien und auf und ab zu springen.“

          Noch auf dem Flughafen in Bogotá sagte Bentancourt auf spanisch und französisch: „Ich danke Euch Kolumbianern. Ich danke Euch Franzosen und allen, die mich weltweit begleitet haben“. Die Politikerin besitzt auch die auch die französische Staatsbürgerschaft. Zugleich lobte sie den kolumbianischen Präsidenten Alvaro Uribe, dessen Wiederwahl die Schwächung der Farc zu verdanken sei. „Dadurch hatten die Rebellen keine Atempause wie bei früheren Regierungswechseln“, sagte sie.

          Eine „Bilderbuchaktion“

          Kolumbiens Verteidigungsminister Juan Manuel Santos bezeichnete den Militäreinsatz zur Befreiung der Geiseln als beispiellos. „Er wird in die Geschichte eingehen für seine Kühnheit und Effektivität.“ Der kolumbianische Geheimdienst habe Mitarbeiter in die Rebellenbewegung eingeschleust. Santos sprach von einer „Bilderbuchaktion“.

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