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Familiensynode in Rom : Es riecht nur selten nach Schwefel im Vatikan

  • -Aktualisiert am

Bischöfe verlassen am Wochenende im regnerischen Vatikan eine Morgensitzung der Familiensynode. Bild: AP

Die Kirche blickt gespannt nach Rom, doch bei ihrer Familiensynode haben die Bischöfe die strittigen Punkte bislang nur berührt. So manche fragen sich, womit das Treffen überhaupt enden soll. Einem Machtwort des Papstes?

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          Bisher herrscht auf der Familiensynode im Vatikan mehr Konsens als Streit. Selten rieche man den Schwefelgeruch des Teufels, sagte am Wochenende einer der 270 Bischöfe, für die von diesem Montag an die zweite Woche der Beratungen um eine neue Familienpastoral beginnt. Nach den Zwischenberichten der 13 Sprachzirkel gab es Einigkeit darüber, dass sich die Kirche evangelikaler und klarer fassen müsse. Das Thema alleinerziehender Elternteile sei zu vertiefen. Allgemein wurde die „Gender-Theorie“ zurückgewiesen, die den biologischen Unterschied zwischen Mann und Frau verwischen wolle. Strittige Themen aber – wie das wiederverheirateter Geschiedener oder homosexueller Partnerschaften – wurden bisher nur berührt. Im deutschen „Circulus Germanicus“ mit Wiens Erzbischof Christoph Schönborn als Berater und Berlins Erzbischof Heiner Koch (Berichterstatter) geht es darum bisher harmonisch zu, obwohl dort zwei „Kontrahenten“ sitzen: Gerhard Ludwig Kardinal Müller als Chef der Glaubenskongregation und der frühere Kurienkardinal Walter Kasper, der die Lehre vom unauflöslichen Sakrament der Ehe dem Primat göttlicher Gnade unterordnen will. Ihn hatte der Papst eigens zur Synode eingeladen, obwohl er schon emeritiert ist.

          Am Anfang der ersten Synodenwoche sahen die Beobachter, wie der Papst ausgesuchte Synodenväter zu sich in sein Gästehaus rief, so als wolle er mit ihnen kungeln. Auf die reine Lehre beharrende Bischöfe hatten daraufhin gemeint, der „theologisch unversierte“ Papst wolle offensichtlich sein Programm durchsetzen. Daraufhin hatte Franziskus am Dienstag die Synode vor einer „konspirativen Hermeneutik“ gewarnt, die “Verschwörung“ wittere und aufgefordert, zwischen dem zu „unterscheiden“, was „eigene Angst oder Obsession“ ist und dem, was der Kirche dient. Es lässt sich nur vermuten, dass der Papst den Synodenvätern ins Gewissen redete, veröffentlicht wurde seine Ansprache nicht. Dass er aber gleich dreimal hintereinander das Wort ergriff  – am Sonntag bei Auftaktmesse und Angelus, am Montag bei Plenumseinführung und außer Plan nochmals am Dienstag – zeigt, dass der Papst zumindest seine Autorität spürbar machen will.

          Ergriff während der Synode gleich dreimal hintereinander das Wort: Papst Franziskus. Bilderstrecke
          Ergriff während der Synode gleich dreimal hintereinander das Wort: Papst Franziskus. :

          Zu Beginn herrschte der Eindruck, der vor allem aufs Dogma achtende afrikanische Kardinal Robert Sarah, Präfekt der Liturgiekongregation, mache sich zum Sprecher der afrikanischen Kirche. Sarah hält Homosexuelle für krank und versteift sich auf das ideale Bild von Ehe und Familie, die in geistlicher Umkehr von Märtyrertum und Heiligkeit geprägt seien, „erhöht und verklärt“, wie er in einem Aufsatz schreibt. Mit publizistischem Eifer macht der Kardinal in zwei druckfrischen Büchern auf sich aufmerksam. Sarah kann darauf verweisen, dass der Chef der afrikanischen Bischofskonferenz, Angolas Erzbischof Gabriel Mbilingi schon im Juni angekündigt hatte, Afrika werde durch Sarah „auf der Synode mit nur einer Stimme“ sprechen. Aber es meldete sich nicht nur damals schon Widerspruch aus Äthiopien und Ghana, und Accras Erzbischof Gabriel Palmer-Buckle forderte eine „neue Flexibilität“. Vergangene Woche sagte Synodenvater Palmer-Buckle, sein Kontinent werde „die Synode nicht blockieren“.

          Nun geht also die Fortschreibung des synodalen Arbeitsdokumentes, des „Instrumentum laboris“ in die zweite Woche, und den Synodenvätern scheint klar, dass nicht alle Änderungsvorschläge aufgenommen werden: Sarahs „Circulus Gallicus B“ brachte schon 20 Änderungen ein, der spanische „Circulus Hibericus“ unter Oscar Kardinal Rodriguez-Maradiaga 54. Zudem stellt sich die Frage, was überhaupt mit dem Schlusspapier geschieht: „Wer ist der Adressat“, soll der Erzbischof von Philadelphia Charles Chaput gefragt haben. „Schreiben wir den Text für den Heiligen Vater, die Familie in der Kirche oder für die Welt?“ Der Tradition nach formuliert eine Synode für den Papst einen Vorschlagstext, über den der dann entscheidet. Am schon am Freitag meinte der Erzbischof von Manila, der Papstvertraute Luis Antonio Kardinal Tagle, es müsse nicht unbedingt zu einer Apostolischen Exhortation kommen; auch die erste Synode von Papst Paul VI. 1971 sei nicht mit einem päpstlichen sondern einem Synodendokument zu Ende gegangen.

          Seitdem heißt es, ein nur synodaler Text zum Abschluss könnte zeigen, dass der Papst die Pastoral stärker den Diözesen überlassen wolle, um örtlichen Unterschieden besser gerecht zu werden. Am Samstag sagte Vatikansprecher Pater Federico Lombardi: „Noch gibt es keine Klarheit zum Ende“ der Synode, „Wir werden sie erst haben, wenn der Papst präzise Anweisungen gibt“. Während bei der außerplanmäßigen Familiensynode im vergangenen Oktober von vornherein eine Abschlussrede des Papstes geplant war, in der Franziskus dann mit den Kirchenrecht auf seine „höchste, volle, unmittelbare und universale ordentliche Gewalt“ hinwies, steht so eine Rede diesmal nicht auf dem Programm. Franziskus werde zum gegebenen Zeitpunkt entscheiden, sagte Lombardi.

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