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Familiensynode im Vatikan : Die bleierne Zeit ist zu Ende

Papst Franziskus und seine Kardinäle begehen das Ende der Synode mit einem Gottesdienst. Bild: AP

Trotz großer Widerstände ist Papst Franziskus nach der Bischofssynode zu Ehe und Familie einen großen Schritt weiter: Den status quo ante wird es nicht mehr geben. Ein Kommentar.

          Wenn einer Zusammenkunft im Vatikan seit den Tagen des II. Vatikanischen Konzils die Auszeichnung „außerordentlich“ gebührt, dann jener Bischofssynode, die am Sonntag zu Ende gegangen ist. Außerordentlich war sie vor allem, weil das gläubige Volk nicht länger als Gegenstand klerikaler Deutungshoheit diente, sondern als Subjekt der Aneignung oder auch Ablehnung lehramtlicher Weisungen ernst genommen wurde.

          Denn die Kluft zwischen Lehre der Kirche und dem Auffassungen der Katholiken über Ehe, Familie und Sexualität dürfte kaum jemals so groß geworden, aber auch so disparat gewesen sein. Außerordentlich war es aber auch, dass Papst Franziskus zu diesem Thema, der „Herausforderung der Familie“, gleich zwei Zusammenkünfte der Bischofssynode anberaumte: eine „außerordentliche“ für diesen Oktober und eine „ordentliche“ mit Entscheidungskompetenz für den Oktober kommenden Jahres. Keine Entscheidung ohne Beratung, keine Beratung ohne Debatte, keine Debatte ohne Diagnose.

          Stil des Papstes ist manchem Kurienkardinal ein Greuel

          Ganz und gar nicht außerordentlich aber war, dass wieder einmal jene Kurienkardinäle in den vergangenen Tagen die Fäden zogen, denen der allem Klerikalismus abholde Stil des Papstes ein Greuel ist. Sie wollten Franziskus mit einigen angeblich in Stein gemeißelten Aussagen aus dem Arsenal der Kirchendisziplin den Weg versperren. Die Tonlage des Abschlussberichts der Synode ist deshalb schon weit weniger empathisch als der Zwischenbericht. Vor allem belegen die – ebenfalls außerordentlich – veröffentlichten Voten über die einzelnen Abschnitte des Synodenberichts, dass eine qualifizierte Minderheit jedem Versuch hartnäckig Widerstand leistet, der Logik der Exklusion eine Haltung der Wertschätzung und der Anerkennung entgegenzusetzen, ohne dabei die eigenen Ideale zu verraten.

          Allen Verhinderungsbestrebungen zum Trotz lässt der Synodenbericht aber manches offen, was nach fundamentalistischer Lesart nicht offen sein kann – und das als Ergebnis der Beratungen einer Generation von Geistlichen, die fast ohne Ausnahme in der Ära der Päpste Johannes Paul II und Benedikt XVI in hohe und höchste Ämter kamen. Damals aber war es unabdingbar, dass ein Bischof dem päpstlichen Lehramt bis in Schlafzimmer-Details wie dem Verbot jeder Form künstlicher Empfängnisverhütung bedingungslos gehorsam war. Dasselbe galt für jeden angehenden Theologieprofessor, ob Geistlicher oder Laie.

          Völlig neues Romgefühl

          Wenn diese bleierne Zeit mittlerweile zu Ende ist, dann ist das niemand anderem zu verdanken als Franziskus. Der erste Papst aus dem Jesuitenorden ist der Urheber jenes völlig neuen Romgefühls namens „Freimut“ (parrhesia – ein theologischer Schlüsselbegriff des Papstes). Erstmals stellte es sich im vergangenen Februar ein, freilich nur unter den Kardinälen. Damals erörterten sie erstmals in Anwesenheit eines Papstes das Für und Wider einzelner Aspekte der katholischen Sexualmoral und der Sakramentenlehre.

          Jetzt werden auch die Vorsitzenden der Bischofskonferenzen weltweit von diesem Romgefühl berichten können – die einen außerordentlich ängstlich und verunsichert, die anderen ordentlich in der Ahnung bestärkt, dass die Kirche nichts zu verlieren hat, wenn sie „Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art“ endlich Raum gibt. So wollte es vor fast fünfzig Jahren das II. Vatikanische Konzil. Dessen Verwirklichung hat erst begonnen.

          Daniel Deckers

          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

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