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Agenten-Affäre : May: Russland sollte uns nicht weiter provozieren

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Theresa May bei ihrem Besuch im britischen Salisbury, wo der Giftanschlag stattgefunden hat. Bild: dpa

Der Konflikt um den Giftangriff auf einen Agenten eskaliert weiter: Nachdem Russland ebenfalls Diplomaten ausweisen will, droht die britische Premierministerin mit weiteren Maßnahmen. Auch Donald Trump äußert sich persönlich.

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          Die britische Premierministerin Theresa May hat Russland wegen des Giftangriffes auf den Agenten Sergej Skripal mit noch mehr Sanktionen gedroht. „Falls Russland uns weiter provoziert, dann könnten wir andere Maßnahmen einsetzen“, sagte May am Donnerstag in der südenglischen Kleinstadt Salisbury. Details nannte sie nicht. Zu den bisherigen Sanktionen Großbritanniens gehört unter anderem die Ausweisung von 23 russischen Diplomaten.

          May dankte in Salisbury der Polizei und den Rettungskräften, die zunächst von einem Routineeinsatz ausgegangen waren. „Ihr habt einen großartigen Job gemacht“, sagte die Premierministerin. Außerdem ließ sie sich über den Gesundheitszustand der beiden Opfer informieren. Sie sollen sich weiterhin in einem kritischen Zustand befinden.

          „Es sieht so aus, als steckten die Russen dahinter“

          Darüber hinaus hat Amerikas Präsident Donald Trump Russland nun auch persönlich beschuldigt. „Es sieht sicherlich so aus, als steckten die Russen dahinter“, sagte Trump am Donnerstag im Weißen Haus am Rande einer Begegnung mit dem irischen Premier Leo Varadkar. „Ich habe mit der Premierministerin (Theresa May) gesprochen und wir sind in Diskussionen“, sagte Trump. „Eine sehr traurige Situation. Etwas, das absolut niemals hätte passieren dürfen, und wir nehmen das sehr ernst, so wie es viele andere auch tun“, sagte Trump.

          In einer gemeinsamen Erklärungen hatten sich zuvor die Vereinigten Staaten, Großbritannien, Frankreich und Deutschland „entsetzt“ über den Giftanschlag geäußert und Russland zur Aufklärung aufgefordert. In der Erklärung steht: „Es handelt sich um einen Übergriff gegen die Souveränität des Vereinigten Königreichs.“ Auch Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg warf Russland am Donnerstag vor, den Westen destabilisieren zu wollen. Stoltenberg sagte, der Anschlag passe in ein Schema, das die Nato seit vielen Jahren beobachte. Auch der belgische Premierminister Charles Michel verurteilte den Angriff „aufs Schärfste“. Er forderte Russland zur Zusammenarbeit auf, um den Fall aufzuklären. Zudem appellierte Michel an EU-Ratspräsident Donald Tusk, eine gemeinsame Antwort der 28 EU-Mitgliedstaaten zu koordinieren.

          Der ehemalige Doppelagent Skripal (66) und seine Tochter Yulia (33) waren am 4. März bewusstlos auf einer Parkbank in Salisbury entdeckt worden. Auf sie war ein Attentat mit einem extrem gefährlichen Nervengift verübt worden. Die britische Regierung geht davon aus, dass dabei ein Gift der Nowitschok-Gruppe aus sowjetischer Produktion zum Einsatz kam und wirft Russland vor, hinter dem Angriff zu stecken.

          Unterdessen hat der russische Vize-Außenminister Sergej Riabkow bestritten, dass das Nowitschokgift in Russland oder der Sowjetunion entwickelt worden sei. „Es gab weder in der Sowjetunion noch in Russland Programme zur Entwicklung chemischer Kampfstoffe mit dem Namen Nowitschok“, erklärte Riabkow. Als Reaktion auf die Sanktion will Russland nun auch britische Diplomaten ausweisen.

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