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Vorwürfe in Missbrauchsskandal : Ehemaliger Vatikan-Diplomat fordert Papst und Kardinäle zum Rücktritt auf

Papst Franziskus bei seiner Ankunft im irischen Knock Bild: dpa

Der Papst bittet am zweiten Tag seiner Irland-Reise abermals um Vergebung für den Missbrauch von Kindern in kirchlichen Einrichtungen. Doch ein hoher Geistlicher erhebt im Fall des früheren Erzbischofs McCarrick schwere Vorwürfe gegen ihn.

          Der vormalige Apostolische Nuntius in den Vereinigten Staaten Carlo Maria Viganò hat Papst Franziskus und mehr als ein Dutzend Kardinäle und Bischöfe zum Rücktritt aufgefordert. In einem elfseitigen Schreiben, das am Sonntag in den Vereinigten Staaten veröffentlicht wurde, werden sie gemeinsam mit zahlreichen weiteren Geistlichen beschuldigt, als Mitwisser das „unmoralische Treiben“ des späteren Washingtoner Erzbischofs Theodore E. McCarrick gedeckt zu haben und eine Homosexuellen-Lobby in der Kirche zu bilden.

          Daniel Deckers

          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          McCarrick sieht sich seit Jahrzehnten Vorwürfen ausgesetzt, sich Seminaristen und junge Priester sexuell gefügig gemacht zu haben. Jüngst kam der Vorwurf hinzu, er habe sich auch an Minderjährigen vergangen. Papst Franziskus hat den mittlerweile 88 Jahre alten Geistlichen daraufhin mit zahlreichen Kirchenstrafen belegt.

          Konkret beschuldigt Viganò, der von Oktober 2011 bis zu seiner Emeritierung im Mai 2016 Nuntius in Washington war, die Kardinalsstaatssekretäre der Päpste Johannes Paul II. und Benedikt XVI., Angelo Sodano und Tarcisio Bertone, über viele Jahre ihre Hand über den politisch wie finanziell einflussreichen Erzbischof gehalten zu haben. Mehrere Berichte aus den Vereinigten Staaten über das Fehlverhalten McCarricks seien ebenso folgenlos geblieben wie einige Interventionen aus seiner, Viganòs, Feder. Erst Papst Benedikt XVI. habe den 2001 von Johannes Paul II. in den Kardinalsrang beförderten und 2006 emeritierten Erzbischof mit Strafen belegt, darunter das Verbot, in der Öffentlichkeit Gottesdienste zu feiern.

          Hat Franziskus Strafen aufgehoben?

          Papst Franziskus hat nach Darstellung des vormaligen Nuntius nach seiner Wahl im Jahr 2013 die von Benedikt seinerzeit verhängten Strafen aufgehoben. Daraufhin sei der emeritierte Kardinal zu einer Schlüsselfigur des jetzigen Pontifikats geworden. McCarrick, so Viganò, habe mit Billigung des aktuellen Kardinalsstaatssekretärs, Pietro Parolin, mehrere diplomatische Missionen unternommen, etwa nach China oder nach Afrika. Die Handschrift des Amerikaners trügen auch mehrere Bischofs- und Kardinalsernennungen durch Papst Franziskus, bei denen Geistliche zum Zuge gekommen seien, die eine „pro gay“-Agenda verfolgten.

          Den Einfluss von Homosexuellen-Netzwerken sieht Viganò allerdings auch schon bei Franziskus’ Vorgängern am Werk. Kardinalstaatssekretär Angelo Sodano etwa, der starke Mann hinter Papst Johannes Paul II., habe alles unternommen, um den Gründer der „Legionäre Christi“, Marcial Maciel Degollado, zu decken. Sodanos Nachfolger Tarcisio Bertone, als Sekretär der Glaubenskongregation und Kardinalsstaatssekretär über Jahrzehnte der engste Mitarbeiter von Joseph Kardinal Ratzinger/Papst Benedikt XVI., wird von dem vormaligen Kirchendiplomaten beschuldigt, der Kopf eines Homosexuellen-Netzwerkes in der Kurie zu sein und dessen Einfluss durch gezielte Beförderungen vergrößert zu haben.

          Andere Kardinäle, von denen bekannt ist, dass sich Franziskus auf deren Urteil verlässt, können Viganòs Schreiben entnehmen, sie seien im Fall McCarrick Mitwisser und belögen die Öffentlichkeit. Einige von ihnen wie Rodríguez Maradiaga (Tegucipalpa, Honduras) und Seán Patrick O’Malley (Boston) gehören der K-9 genannten Kardinalskommission an, dem wichtigsten Beratungsgremium des Papstes.

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