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Fall Khashoggi : Die Republikaner werden unruhig

  • -Aktualisiert am

Brachte keine Aufklärung: Besuch des amerikanischen Außenministers Pompeo beim saudischen König Salman Bild: AFP

Donald Trump wartet im Fall Khashoggi weiter ab, doch einige Republikaner fordern bereits eine harte Reaktion gegenüber Saudi-Arabien. Auch weil sich Hinweise auf eine Beteiligung der Königsfamilie verdichten.

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          Jamal Khashoggis letzter Text ist eine Warnung. In seinem letzten Beitrag für die „Washington Post”, der am Mittwoch erschien, warf der ermordete Journalist der internationalen Gemeinschaft Passivität gegenüber autoritären Staaten vor. Die anderen Länder duldeten, dass Regime wie sein Heimatland Saudi-Arabien Oppositionelle und Medien unterdrückten. „Diese Taten ziehen nicht länger eine Gegenreaktion der internationalen Gemeinschaft nach sich. Sie rufen vielleicht noch verbale Verurteilungen hervor, schnell gefolgt von Stille”, schrieb Khashoggi, der zuletzt im Bundesstaat Virginia lebte. „Im Ergebnis haben die arabischen Staaten freie Hand bekommen, die Medien mehr und mehr zum Schweigen zu bringen.”

          Während weitere grausame Details über den mutmaßlichen Mord an Khashoggi im saudischen Konsulat in Istanbul bekannt wurden, forderte Donald Trump die türkische Regierung auf, die Tonaufnahmen von der Tat zugänglich zu machen. Nachdem er in den vergangenen Tagen immer wieder betont hatte, wie wichtig die politischen und wirtschaftlichen Beziehungen mit Saudi-Arabien seien, will Trump weiter abwarten. Außenminister Mike Pompeo kehrte am Mittwoch von seiner Reise nach Saudi-Arabien und in die Türkei zurück, äußerte sich aber nicht zu möglichen Konsequenzen.

          Unterdessen verdichten sich die Hinweise auf eine direkte Beteiligung der saudischen Königsfamilie an dem Verschwinden Khashoggis. Amerikanische Geheimdienstberichte legen laut der „Washington Post” nahe, dass Kronprinz Muhammad Bin Salman Jamal Khashoggi loswerden wollte und dass er mindestens von der Aktion gegen den Journalisten wusste. Demnach soll der Kronprinz auch versucht haben, Khashoggi zurück nach Saudi-Arabien zu locken, indem er ihm über einen Mittelsmann Sicherheit und einen Job anbot, berichtete die Zeitung. Mehrere der Männer, die im Konsulat in Istanbul auf Khashoggi warteten, hätten demnach Verbindungen zu den Sicherheitskräften der Königsfamilie.

          Während Trump vor kurzem noch darüber spekuliert hatte, ob es sich auch um die Tat einer kriminellen Bande handeln könnte, gab sein Anwalt und enger Berater Rudy Giuliani zu, dass eine Verbindung zur saudischen Königsfamilie wahrscheinlich sei. „Die einzige Frage ist, gaben der König oder der Kronprinz das in Auftrag oder war es eine Gruppe, die ihnen gefallen wollte?” sagte Giuliani in einem Interview. Trump wehrte sich am Mittwoch gegen den Vorwurf, er helfe den Saudis beim Vertuschen eines Mordes. „Ich gebe ihnen überhaupt keine Deckung”, sagte er Reportern. „Sie sind Verbündete. Wir haben andere gute Verbündete im Mittleren Osten.”

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