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Falkland-Krieg : Ein Abenteuer mit verheerenden Folgen

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Die Militärführung wusste zwar um die kritische Einstellung Rattenbachs gegenüber den Geschehnissen auf den Falklandinseln. Da er jedoch der älteste General im Heer war und großes Ansehen genoss, galt er als geeignet, um die Abfassung des Berichts zu leiten. „Er nahm den Auftrag gerne an, er war der Meinung, dass man der Bevölkerung eine Erklärung geben müsse“, sagt sein Sohn Augusto Benjamín Rattenbach, der jetzt bei der Veröffentlichung des Berichts mitgewirkt hat. Bei den Befragungen von rund siebzig hohen Offizieren, auf die sich der Bericht stützt, „kam Schlimmeres und Besseres, als man es erwartet hatte, zugleich zutage“, urteilt Augusto Rattenbach, der wie sein Vater eine Militärlaufbahn absolviert hat. „Das Schlimmste geschah in den oberen Rängen. Nicht einmal ein Dilettant hätte solchen Unfug angestellt. In den unteren Sphären gab es dagegen viel Heldenmut.“

Bereits Ende 1981 Überfall diskutiert?

Von dem Bericht waren seinerzeit zehn Exemplare hergestellt worden. Die jetzt mit der Veröffentlichung betraute Kommission stützte sich hauptsächlich auf das als Nummer 1 bezeichnete Exemplar, das der Militärjunta übergeben und von ihr unter Verschluss gehalten worden war. Sie sah aber auch die anderen erhaltenen Kopien ein und stellte eine Reihe von Abweichungen fest. Vier der zehn Exemplare waren nicht mehr auffindbar. Der im Oktober 1984 verstorbene Rattenbach hat nach Angaben seines Sohnes offenbar selbst noch bemerkt, dass der Bericht in Teilen manipuliert worden war, um das Verhalten einiger Beteiligter im Krieg in einem günstigeren Licht erscheinen zu lassen.

Aus den jetzt veröffentlichten Begleitdokumenten geht hervor, dass die Junta bereits Ende 1981 mit dem Gedanken gespielt hatte, die Falklandinseln zu überfallen, um von wachsenden innenpolitischen Schwierigkeiten, insbesondere einer schweren Wirtschaftskrise, abzulenken. Die Faksimiles zeigen auch, dass die Vorbereitung von Anfang an quasi aus dem Stegreif geplant wurde. Den „schematischen Angriffsplan“ und andere strategische Papiere hat Marinechef Jorge Isaac Anaya als handschriftliches Manuskript verfasst, als habe es sich um eine Hausaufgabe für die Schule gehandelt.

In dem Rattenbach-Bericht werden für die Verantwortlichen - gemäß dem damals gültigen und erst 2008 aufgehobenen Militärstrafgesetzbuch - strenge Strafen gefordert. Diktator Galtieri und Marineadmiral Anaya sollten nach der Empfehlung der Rattenbach-Kommission jedoch nicht, wie immer wieder kolportiert wurde, ausdrücklich zur Todesstrafe verurteilt werden, es wurde auch die Möglichkeit offengehalten, sie mit einer lebenslangen Haftstrafe zu belangen. Der Luftwaffenchef Basilio Lami Dozo sollte nach Auffassung der Autoren des Berichts mit der Amtsenthebung und einer lebenslangen Strafe für sein Verhalten büßen.

Der Falklandkrieg hat möglicherweise endgültig Argentinien der Chance beraubt, die Souveränität oder auch nur einen wie immer gearteten Einfluss über die Inselgruppe zu erlangen. Fachleute weisen darauf hin, dass in den Jahren vor dem Waffengang eine schleichende „Argentinisierung“ des Archipels vor allem über die Versorgungswege vom südamerikanischen Festland aus begonnen hatte. Nach dem Falkland-Abenteuer wurden die Verbindungen radikal gekappt. Ohne den Krieg, so lautet eine gängige These, wären die Malvinas heute vielleicht tatsächlich argentinisch.

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