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Falkland-Krieg : Ein Abenteuer mit verheerenden Folgen

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Doch immer neue britische Truppen, die auf dem Archipel an Land gebracht wurden, lieferten sich mit den schlecht ausgerüsteten und ungenügend vorbereiteten argentinischen Einheiten erbitterte Schlachten. Der Fall von Port Stanley - das mittlerweile nur noch Stanley heißt - führte am 14. Juni 1982 zu einer Waffenruhe und am Tag darauf zur endgültigen Einstellung der Kampfhandlungen. Für Margaret Thatcher war der militärische Sieg auch ein wichtiger politischer Erfolg, weil ihre Popularität zu jener Zeit wegen der hohen Arbeitslosigkeit und anderer innenpolitischer Probleme stark gesunken war. Ihren Triumph bei den Wahlen im Juni des folgenden Jahres verdankte sie auch dem militärischen Sieg Großbritanniens im Südatlantik. Der Falklandkrieg kostete nach offiziellen Angaben 265 britischen und 712 argentinischen Soldaten das Leben.

Die Niederlage führte schließlich in die Demokratie

In dem Bericht des Generals Rattenbach kommt der argentinische Diktator Leopoldo Fortunato Galtieri als Oberbefehlshaber besonders schlecht weg. Aber auch vielen anderen militärischen Führungskräften Argentiniens wird schweres Fehlverhalten vorgeworfen. Der für die Streitkräfte wenig schmeichelhafte Bericht wurde als geheim eingestuft. Er sollte erst dann für die Öffentlichkeit freigegeben werden, wenn Argentinien die volle Souveränität über den Archipel erlangt hat. Dieses Ziel ist inzwischen weiter entfernt denn je, auch wenn die argentinische Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner derzeit keine Gelegenheit auslässt, die britische Regierung zu ärgern, um sie an den Verhandlungstisch zu zwingen; so gibt es mittlerweile kaum noch Flugverbindungen auf die Inseln, zudem verbot Argentinien Schiffen, welche die Inseln ansteuern, in seinen Häfen anzulegen.

Trotz der Geheimhaltungspflicht waren weite Teile des Rattenbach-Berichts schon kurz nach dessen Fertigstellung bekanntgeworden: Sie wurden im November 1983 von einer Zeitschrift publiziert. Vor kurzem verfügte Präsidentin Kirchner, dass der Bericht freigegeben und veröffentlicht werden solle. Eine Kommission sollte allerdings zuvor prüfen, ob bei bestimmten Passagen Sicherheitsbedenken bestehen. Die Fachleute empfahlen jedoch lediglich, den Namen eines Geheimdienstangehörigen, der heute noch im aktiven Dienst ist, und den Hinweis auf einen „Kelper“, wie die Bewohner der Falklandinseln nach einer dort wachsenden Pflanze (kelp) genannt werden, zu tilgen. Er hatte der argentinischen Seite seinerzeit wertvolle Informationen übermittelt. Frau Kirchner wollte mit der Veröffentlichung nachweisen, dass die Mehrzahl ihrer Landsleute gegen den Feldzug gewesen sei. Zumindest anfänglich hatte es die Militärjunta tatsächlich jedoch verstanden, die Begeisterung über die vermeintlich aussichtsreiche Besetzung und Annexion der Inselgruppe zu entfachen. Es schien zunächst auch so, als würde es gelingen, den Archipel endgültig dem argentinischen Staatsgebiet einzuverleiben. Doch als deutlich wurde, dass der Feldzug als militärisches Debakel zu enden drohte, kippte die Stimmung im Land. Der verlorene Falklandkrieg brachte für die Junta schließlich das endgültige Aus und Argentinien wieder die Demokratie.

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