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Facebook und der Wahlkampf : Die vereinigten Daten von Amerika

Das macht Zuckerberg immer so. Schon 2015 wusste er, dass Cambridge Analytica in den Besitz von Nutzerdaten gelangt war. Es ging um den Fall, der nun in aller Munde ist und der damals schon ein Jahr zurücklag: Ein Wissenschaftler namens Aleksandr Kogan von der Universität Cambridge hatte eine App entwickelt, mit denen Nutzer von Facebook einen Persönlichkeitstest machen konnten. Im Gegenzug erlaubten die Teilnehmer der App, viele Informationen herunterzuladen, die sie im sozialen Netzwerk hinterlassen hatten, welche Seiten sie mit „Gefällt mir“ markiert hatten, welchen Wohnort sie angegeben hatten, wohin sie gereist waren. Doch die App griff nicht nur auf die Daten der Teilnehmer zu, sondern auch auf die aller Freunde – so gelangte der Wissenschaftler Kogan an Informationen von 50 Millionen Facebook-Nutzern, die er dann an Cambridge Analytica weitergab.

Zuckerberg erfuhr davon vor drei Jahren durch Recherchen der britischen Zeitung „Guardian“. Als die Journalisten an Facebook herantraten, forderten dessen Anwälte von Cambridge Analytica eine Beglaubigung ein: Das Unternehmen sollte versichern, dass es die unrechtmäßig gewonnenen Daten gelöscht habe. Cambridge Analytica kam dem nach. Nachweisen, dass die Daten tatsächlich gelöscht waren, musste die Firma aber nicht. Facebook gab damals auch keine Informationen über das Datenleck an die Öffentlichkeit. In einer Stellungnahme hieß es lediglich, man sei bemüht, die „Situation gewissenhaft zu untersuchen“. Zudem werde man von jedem Unternehmen, das Daten missbrauche, verlangen, sie zu löschen. Erst jetzt hat Facebook den Vorfall vollumfänglich zugegeben, nachdem es unter großen öffentlichen Druck geraten war.

Auch deutsche Politiker fordern einen strengeren Umgang

Das Verhalten des Facebook-Gründers mag etwas mit dem Geschäftsmodell seines Unternehmens zu tun haben – das gerade in der Bewirtschaftung und Weitergabe von Nutzerdaten besteht. Jonathan Albright, Forschungsdirektor an der Columbia-Universität in New York, sagte kürzlich, Zuckerberg habe in seinen Einlassungen das eigentliche Thema umschifft. „Und das ist, dass Facebook im Grunde Daten hergibt, als handele es sich um Süßigkeiten. Es kann kein Zweifel daran bestehen, dass die Weitergabe von Daten Facebook zu dem Erfolg verholfen hat, den es als Unternehmen hat. Man muss das als Teil ihres Geschäftsmodells begreifen und nicht als einmaliges Problem.“ Seit fast zehn Jahren lassen die Aussagen von Zuckerberg den Schluss zu, dass Facebook seine Nutzerdaten an Unternehmen verkauft. Von besonderem Wert sind die Beziehungen, die Facebook-Nutzer untereinander pflegen, dargestellt in einer dreidimensionalen Grafik. Solche Informationen sind freilich nicht allein für Werbetreibende und Unternehmen lukrativ, sondern auch für politische Parteien.

Deshalb dringen nun auch Politiker in Deutschland auf einen strengeren Umgang mit Facebook. Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) erinnerte am Donnerstag an die im Mai in Kraft tretende europäische Datenschutzgrundverordnung. „Wir wissen, dass Unternehmen sich besonders dann an Regeln halten, wenn die Sanktionen besonders empfindlich sind.“ Die Verordnung sehe Bußgelder in Höhe von bis zu vier Prozent des weltweiten Jahresumsatzes vor. Bei Facebook seien das „beträchtliche Summen“, sagte Barley. Nutzer sozialer Netzwerke müssten außerdem verweigern können, dass bestimmte Daten überhaupt erhoben werden. So will die Bundesregierung verhindern, dass auch in Deutschland amerikanische Verhältnisse entstehen.

Julius van de Laar hält diese Sorge (noch) für unbegründet. „Nichts von dem, worüber wir hier sprechen, hat meines Kenntnisstandes nach etwas damit zu tun, was in Deutschland gang und gäbe ist“, sagte er. Trotzdem klingelt manchmal sein Telefon. Politiker sind dran, die van de Laar berät. „Natürlich kommen auch Anfragen von Leuten, die fragen, wie die Effektivität ihrer Kampagnen gesteigert werden kann und was generell möglich ist“, sagte van de Laar. „Das bedeutet aber noch lange nicht, dass man alles macht, nur weil es möglich ist.“ Während der Obama-Wahlkämpfe hatte er das offenbar noch anders gesehen.

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