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F.A.Z. Woche : Wer wählt eigentlich Wilders?

Geert Wilders mit Leibwächtern und Sicherheitsleuten in Valkenburg, in der Provinz Limburg. Bild: EPA

Die Niederlande wählen, und die Chancen der rechtspopulistischen PVV stehen gut. Ein Besuch in Venlo, wo Geert Wilders herkommt und die Partei besonders stark ist.

          Venlo ist eine mittelgroße Stadt an der niederländisch-deutschen Grenze. Die Deutschen aus dem Ruhrgebiet fahren seit 50 Jahren zum Tanken und Kaffeekaufen hierher. Erst, weil es günstiger war, heute mehr aus Nostalgie und weil es ein netter Ausflug ist. Venlo hat 100000 Einwohner, kleine Häuschen mit großen Fenstern, schöne Fahrradwege, und auf dem Wochenmarkt gibt es große Käseräder. Es ist Holland im Kleinen. Und es ist der Ort, in dem Geert Wilders als Sohn eines Niederländers und einer indonesisch-stämmigen Frau am 6. September 1963 geboren wurde.

          Timo Steppat

          Redakteur in der Politik.

          Hier wurde er als Abgeordneter ins Provinzparlament in Limburg gewählt und zog später für die liberale VVD in die Zweite Kammer, das Parlament in Den Haag. Als Wilders 2006 seine eigene rechtspopulistische Partei, die PVV, gründete, war die Provinz Limburg, zu der Venlo gehört, seine Machtbasis. Hier lagen die Wahlergebnisse für seine Partei auch schon mal zwölf Prozent über dem Landesschnitt.

          Auf der Einkaufsstraße verteilen zwei junge Männer Informationsblätter der Partei. Darauf ist Wilders mit seiner blonden Mähne zu sehen – „Unsere Niederlande gehören uns“, steht darunter. Es ist eine Woche vor der Wahl. Monika de Vries hat eine Hand am Fahrradlenker, die andere streckt sie den Männern entgegen. Sie brauche keinen Zettel, sie wähle seit Jahren Wilders, wie auch in der nächsten Wahl am 15. März. Viele Gründe zählt sie dafür auf. Einer lautet: „Wilders spricht die Probleme wirklich an, er ist keinem verpflichtet.“

          De Vries, eine patente Frau Mitte 50, läuft über die Einkaufsstraße, biegt ab. Nach vielleicht 200 Metern steht sie vor einem kleinen Parkplatz mit Eingang zu einem Gebetsraum. „Wieso muss hier eine Moschee stehen?“, fragt sie, am anderen Ende der Stadt gebe es eine zweite. Beten wollten die Leute hier nicht, ist de Vries überzeugt. „Das sind Brutstätten des Terrors“, sagt sie. Viele hätten die Anschläge in Berlin und Paris wieder vergessen, sie nicht. Sie sei für ein striktes Verbot islamischer Symbole.

          „Es gibt in diesem Land wirklich für jeden Geld“

          Damit klingt de Vries fast wie Wilders selbst, der den Koran mit Hitlers „Mein Kampf“ verglichen hat und Muslime und Flüchtlinge bei einem Wahlerfolg ausweisen möchte. Analysen zeigen, dass eine deutliche Mehrheit der PVV-Wähler Wilders wegen dessen Einstellungen zum Islam und zur Integration folgt. Zwischenzeitig wollte mehr als ein Viertel der Niederländer für ihn stimmen. Die PVV würde mit einem solchen Ergebnis vermutlich zur stärksten Kraft. Inzwischen ist der Wert in den Meinungsumfragen aber wieder gesunken.

          Bei Ben Koussel klingt Enttäuschung durch. Er war mal Arbeiter, erst im Hafen, später in einem Lebensmittelwerk, heute ist er Krankenpfleger. „Es gibt in diesem Land wirklich für jeden Geld“, sagt er. „Für die Griechen, für Flüchtlinge, für Faule, nur für uns Niederländer ist nichts mehr da“, schimpft er. Koussel, der sich selbst als „ganz normalen Niederländer“ bezeichnet, ist nicht nur enttäuscht. Er ist zornig. Es reiche vorne und hinten nicht, sagt er. Seine Kinder studieren, seine Eltern brauchen Hilfe im Haushalt. „An uns denkt keiner“, ist Koussels Gefühl. Auch Wilders hat nur wenige Antworten auf soziale Probleme, eine Mietumlage für Benachteiligte findet sich in seinem Programm.

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