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F.A.Z. Woche : Wer wählt eigentlich Wilders?

Angst vor Abstieg und Überfremdung

Michel Braun geht es „eigentlich“ gut. „Eigentlich“, das sagt er oft. Er sitzt am Steuer eines Audi Q2. Es ist ein schweres Auto, mit dem man auch mal durch den Wald brettern kann. Braun fährt hinaus aus dem Stadtkern von Venlo, über die Maas zum Stadtteil Blerick. „Meine Kinder werden es mal nicht so gut haben wie ich“, glaubt er. Im Moment sei eine Zeit, in der man handeln müsse. Braun, freundlicher Blick, kurze graue Haare, zeigt auf eine Frau mit Kopftuch. „Die Frau stört mich nicht“, sagt er. „Aber es werden immer mehr.“ Das Land verändere sich so schnell, immer mehr Menschen von außerhalb kämen und breiteten sich wie selbstverständlich aus. „Irgendwann sind das nicht mehr meine Niederlande“, sagt Braun.

Der Politikwissenschaftler Koen Vossen ist einer der besten Kenner der PVV. In der Woche vor der Wahl lag sie mit der Partei für Freiheit und Demokratie von Ministerpräsident Rutte nahezu gleichauf. Beide erreichen in den Umfragen 17 bis 18 Prozent. „Es gibt etwa zehn Prozent Wähler in den Niederlanden, die sich entscheiden müssen: Ob sie für Wilders stimmen, für die gemäßigte VVD, oder ob sie gar nicht wählen“, sagt Vossen. Wenn es Wilders gelinge, diese zehn Prozent zu mobilisieren, könne er noch immer die stärkste Kraft im Parlament werden, glaubt der Politikwissenschaftler. Vierzig Prozent der Wähler waren laut Umfragen noch kurz vor der Wahl unentschlossen. Trotzdem könnte Wilders voraussichtlich nicht regieren, auch wenn er gewinnen sollte.

Größte Partei zu sein bedeutet in den Niederlanden noch nichts, und bis auf ein Bündnis für ältere Wähler will keine der anderen Parteien mit Wilders zusammenarbeiten. Als am wahrscheinlichsten gilt, dass sich eine breite Koalition bildet: Liberale, Christdemokraten, vielleicht Grüne und das linksliberale Bündnis D66, die zusammen eine Mehrheit bekommen. Vor sieben Jahren tolerierte Wilders’ PVV noch eine konservative Minderheitsregierung. Es lief in dieser Zeit nicht gut für ihn, in den Umfragen verlor die Partei deutlich. Nach knapp zwei Jahren ließ Wilders die Vereinbarung wegen einer kleinen Auseinandersetzung platzen. Er wollte wieder zurück in die Fundamentalopposition.

Als der Soziologe Koen Damhuis die 64 PVV-Anhänger befragte, wollte er zum Schluss von ihnen wissen, was sie wählen würden, wenn Wilders nicht auf dem Zettel stünde. Wenige nannten die liberale VVD. Die meisten aber sagten, dass sie dann gar nicht mehr wählen gehen würden.

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