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F.A.Z.-exklusiv : Kiew wirft Gabriel Russlandfreundlichkeit vor

Bei einer Buchvorstellung in Berlin: Außenminister Gabriel in Berlin Bild: dpa

Nachdem Außenminister Gabriel eine Lockerung der Sanktionen gegen Russland angeregt hat, attackiert ihn die Regierung in Kiew scharf. Der Vorschlag erinnere an das Appeasement zugunsten Hitler-Deutschlands 1938.

          Der außenpolitische Chefberater des ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko, Kostjantin Jelisejew, hat Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) scharf für seinen Vorschlag kritisiert, die gegenwärtigen Sanktionen gegen Russland schon aufzuheben, bevor Moskau seine Verpflichtungen aus dem Minsker Abkommen erfüllt hat. Jelisejew sagte dieser Zeitung, es sei „nicht das erste Mal“, dass Gabriel solche „verantwortungslosen“ Ideen vortrage. Sein neuester Vorschlag erinnere an das Appeasement zugunsten Hitler-Deutschlands im Jahr 1938. Der ukrainische Botschafter in Berlin sei angewiesen worden, beim Auswärtigen Amt vorstellig zu werden. Im Übrigen danke die Ukraine Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die immer „standhaft“ für die territoriale Integrität des Landes eingetreten sei.

          Konrad Schuller

          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Majid Sattar

          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Gabriel hatte am Dienstag bei einem Auftritt in Mecklenburg-Vorpommern die Lockerung der Sanktionen gegen Moskau nicht mehr zwangsläufig an die Erfüllung des Minsker Abkommens zur Beilegung des russisch-ukrainischen Konfliktes gekoppelt. Anlass sei ein Vorschlag des russischen Präsidenten Wladimir Putin für Friedenstruppen in der Ostukraine. „Das Minsker Friedensabkommen über die Ukraine wird noch lange dauern“, sagte Gabriel in Anklam. „Es macht keinen Sinn zu warten, erst wenn das abgeschlossen ist, heben wir die Sanktionen auf. Lass uns wenigstens einen Waffenstillstand durchsetzen und die schweren Waffen abziehen, dann als Belohnung dafür die Sanktionen aufheben und in der Ostukraine beim Wiederaufbau helfen“, sagte Gabriel wörtlich.

          Dies sollte zum Ausgangspunkt einer neuen Entspannungspolitik gemacht werden. Putin hatte eine UN-Resolution für Blauhelm-Truppen im Konfliktgebiet angekündigt. Die Bedingungen, die Moskau am Dienstag nannte, stießen in der Ukraine auf Ablehnung. Der ukrainische Außenminister, Pawlo Klimkin, sagte dieser Zeitung über Gabriel: „Solche Signale sind sehr schädlich. Daher können die jüngsten Äußerungen nur als Geschäker mit dem Kreml betrachtet werden.“ Er fordert, die geschlossene Haltung der internationalen Gemeinschaft zu erhalten, bis der letzte russische Soldat das ukrainische Territorium verlasse.

          Die SPD hatte schon im mecklenburg-vorpommerschen Landtagswahlkampf vor einem Jahr Zugeständnisse gegenüber Moskau gefordert. Damals war noch von einer allmählichen Lockerung der Sanktionen bei einer schrittweisen Erfüllung von Minsk die Rede.

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