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F.A.Z. exklusiv : Irakischer Außenminister kritisiert die Türkei

„Es gibt keine Gründe für fremde Truppen im Irak.“ Iraks Außenminister Ibrahim al Dschaafari beim F.A.Z.-Gespräch am 18.November im Hotel Hessischer Hof in Frankfurt. Bild: Helmut Fricke

Ibrahim al Dschaafari warnt davor, dass ein militärisches Eingreifen Ankaras im Nordirak die Terrormiliz IS stärke. Für Mossul fordert er einen Marshallplan.

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          Der irakische Außenminister Ibrahim al Dschaafari hat scharfe Kritik am Verhalten der Türkei in der Mossul-Offensive gegen den „Islamischen Staat“ (IS) geäußert. Im Gespräche mit dieser Zeitung lehnte er ein militärisches Eingreifen Ankaras im Nordirak ab. „Wir haben weder die Türkei noch ein anderes Land damit beauftragt.“ Eine solche Einmischung von außen würde den IS nicht schwächen, sondern stärken. Zudem würde es die irakische Armee auf Nebenkriegsschauplätzen beschäftigen. Es gebe keine Gründe für fremde Truppen im Irak, sagte der Minister, der sich befremdet über mehrdeutige Aussagen der türkischen Regierung unter Präsident Recep Tayyip Erdogan zeigte. „Von der Türkei hören wir mal das und mal was anderes.“ Die Türkei unterhält nahe Mossul eine Militärbasis und verweigert bislang alle Forderungen des Iraks nach einem Abzug ihrer Truppen. Ankara fordert außerdem, stärker am Kampf gegen den IS in der Region beteiligt zu werden.

          Rainer Hermann
          Redakteur in der Politik.
          Christoph Ehrhardt
          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.

          Der irakische Außenminister, der am Montag in Berlin mit Außenminister Frank-Walter Steinmeier zusammentrifft, versuchte Befürchtungen zu zerstreuen, dass es zu Rivalitäten und neuen Kämpfen zwischen den verschiedenen an der Mossul-Offensive beteiligten Kräften kommen könne oder aber zwischen diesen und der Bevölkerung von Mossul. Gut vorbereitet worden seien die Operation selbst und die Maßnahmen für die Zeit nach der Befreiung der Stadt, sagte er.

          „Nach der Befreiung brauchen wir für Mossul einen Wiederaufbauplan, so wie nach 1945 den Marshallplan für Deutschland“, forderte Dschaafari, der sich zufrieden über die militärischen Fortschritte äußerte. Am Wochenende rückten die irakische Armee und Spezialeinheiten im Südosten weiter auf Mossul vor. Die Vereinten Nationen zeigten sich beunruhigt darüber, dass zunehmend Zivilisten von den Kämpfen betroffen sind. Dschaafari erwartet, dass die IS-Kämpfer nach ihrer Vertreibung aus Mossul in ihre Heimatländer zurückkehren werden. Er bezeichnete den Krieg gegen den Terrorismus als dritten Weltkrieg, der sich fast ausschließlich gegen Zivilisten richte.

          Der türkische Präsident Erdogan hat auf dem Rückflug von Usbekistan unterdessen gesagt, die Türkei solle sich gegenüber der EU entspannt zeigen und nicht mehr „fixiert“ sein auf eine EU-Mitgliedschaft. Vielmehr solle sie andere Möglichkeiten prüfen, etwa die Mitgliedschaft in der Gruppe der „Schanghai 5“, die von Russland und China angeführt wird. Erdogan sagte, er habe darüber bereits mit dem russischen Präsidenten Putin gesprochen.

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