https://www.faz.net/-gpf-8yot6

F.A.S. Exklusiv : Gabriel warnt vor drohendem Krieg in der Golf-Region

Außenminister Sigmar Gabriel wartet auf die Ankunft seines Amtskollegen aus Qatar im deutschen Wolfenbüttel Bild: EPA

Der Bundesaußenminister sieht die Gefahr einer massiven Eskalation des Konflikts zwischen Qatar und anderen Golfstaaten. Die Lage beschreibt er gegenüber der F.A.S. als sehr ernst und dramatisch.

          Außenminister Sigmar Gabriel hat davor gewarnt, dass die Isolation des Emirats Qatar durch Saudi-Arabien und seine Verbündeten zu einem Krieg am Golf führen könnte. „Es besteht die Gefahr, dass aus dieser Auseinandersetzung ein Krieg werden könnte“, sagte Gabriel der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ (F.A.S.). Die Härte des Umgangs zwischen Brudernationen und Nachbarstaaten sei „dramatisch“, sagte der SPD-Politiker. Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrein und Ägypten hatten Anfang der Woche die diplomatischen Beziehungen zu Doha abgebrochen und eine umfassende Blockade Qatars zu Land, Luft und See ausgerufen. Saudi-Arabien will den Nachbarn so in eine Front gegen den Erzfeind Iran zwingen; offiziell wirft Riad dem Emirat die Finanzierung terroristischer Organisationen vor.

          Markus Wehner

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Die Attacke gegen den Nachbarn geht auf den Besuch von Präsident Trump in Saudi-Arabien vor drei Wochen zurück; er hatte Riad zu dem Schritt ermuntert. Während Trump am Freitag seine Unterstützung für Saudi-Arabien bekräftigte, rief der amerikanische Außenminister Rex Tillerson Riad und dessen Verbündete dazu auf, die Blockade zu lösen. Gabriel, der am Freitag mit Tillerson telefoniert hatte, lobte dessen „sehr kluge und besonnene Haltung“, die viel zur Beruhigung des Konflikts beitrage. „Seine klaren Stellungnahmen sind sehr hilfreich“, sagte Gabriel, der Trump nicht erwähnte. Der Außenminister hatte in dieser Woche persönliche Gespräche mit seinen Kollegen aus Saudi-Arabien, Qatar und der Türkei geführt und auch mit den Außenministern Irans und Kuweits telefoniert. „Nach meinen Gesprächen in dieser Woche weiß ich, wie ernst die Lage ist, aber ich glaube, dass es auch gute Chancen gibt, voranzukommen“, sagte Gabriel. Man müsse versuchen, eine weitere Eskalation zu verhindern. Gespräche zwischen den Widersachern seien dafür unverzichtbar.

          Dankbar sei Deutschland auch dem Emir von Kuweit, der in dem Konflikt vermittelt. Nach Informationen der F.A.S. ist die Vermittlung bisher allerdings nicht erfolgreich. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel nannte die Lage am Golf „beunruhigend“. Der Konflikt könne nicht gelöst werden, wenn bestimmte Akteure nicht mehr ins Gespräch einbezogen werden, sagte Merkel während ihrer Mexiko-Reise. „Dazu gehört Qatar, dazu gehört die Türkei, und dazu gehört auch Iran“, sagte die Kanzlerin.

          Nach Angaben des Auswärtigen Amtes sind viele deutsche Staatsangehörige von dem Konflikt massiv betroffen. So leben in Qatar ungefähr 2000 Deutsche. „Auch die Verunsicherung in der Wirtschaft ist groß“, heißt es aus dem Auswärtigen Amt. Das Embargo betreffe nicht nur den Flugverkehr, sondern auch den gesamten Handel und die Investitionen in Qatar. So liegen viele Waren nach Qatar in Häfen und auf Flughäfen fest.

          Am Golf droht ein neuer heißer Krieg: Lesen Sie die ganze Geschichte ab 20 Uhr im E-Paper der F.A.S.

          Weitere Themen

          Teheran reagiert unaufgeregt Video-Seite öffnen

          Drohenabschuss am Golf : Teheran reagiert unaufgeregt

          Donald Trump verkündete, die iranische Drohne habe sich der „USS Boxer“ bis auf rund 1000 Meter genähert und mehrere Aufforderungen zum Abdrehen ignoriert. Iran reagiert unaufgeregt – und offen für Gespräche.

          Topmeldungen

          737 Max : Flugverbot kostet Boeing Milliarden

          Der amerikanische Konzern stellt sich nach den Abstürzen der 737-Max-Maschinen auf hohe Entschädigungen ein. Es könnte sogar noch schlimmer kommen. Doch die Investoren goutieren die Klarheit.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.