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Fahndung in Belgien : Extremistischer Soldat hatte freien Zugang zur Waffenkammer

Soldaten suchten auch am Freitag im belgischen Hoge Kempen Nationalpark nach dem geflohenen Soldaten. Bild: AFP

In Belgien wird weiter nach dem bewaffneten, als „Gefährder“ eingestuften Mann gesucht, der am Montag untergetaucht ist. Über den Fall werden immer mehr haarsträubende Details bekannt.

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          Wo steckt Jürgen Conings? Am Freitag haben Sicherheitskräfte im Nationalpark Hoge Kempen nach dem belgischen Soldaten gesucht, der am Montag bewaffnet untertauchte und ankündigte, er wolle „das Regime und die Virologen angreifen“. Auch deutsche Kräfte waren bei der Suche im Dreiländereck im Einsatz, wie das Bundesinnenministerium bestätigte, ebenso Polizisten aus den Niederlanden und aus Luxemburg.

          Thomas Gutschker
          Politischer Korrespondent für die Europäische Union, die Nato und die Benelux-Länder mit Sitz in Brüssel.

          Derweil wurden weitere haarsträubende Details darüber bekannt, wie der als rechtsextremistischer Gefährder eingestufte Mann an Kriegswaffen gelangen konnte. Auch die politische Aufarbeitung hat begonnen. Verteidigungsministerin Ludivine Dedonder hielt der belgischen Armee „Fehler“ vor. Der Zugang zu Waffen soll nun erschwert werden.

          Nachdem rund 250 Polizisten und 150 Soldaten am Donnerstag den Nationalpark Hoge Kempen grob durchkämmt hatten, begannen Sondereinheiten am Freitag mit einer „Suche von Baum zu Baum“, wie es ein Polizeisprecher formulierte. Dies könne mehrere Tage in Anspruch nehmen. Die Fahndung konzentriert sich auf einen Umkreis von zwanzig Kilometern. „Wir hatten konkrete Hinweise, dass er im Park war.

          Grenze zu den Niederlanden wird überwacht

          Die Tatsache, dass er nicht gefunden wurde, muss nicht bedeuten, dass er nicht in der Gegend ist oder war“, sagte ein Sprecher der belgischen Bundesanwaltschaft. In dem teilweise schwer zugänglichen Gebiet fanden die Einsatzkräfte ein Zelt, das jetzt auf Spuren untersucht wird. Die niederländische Polizei zog Einsatzkräfte an der nahen Grenze für den Fall zusammen, dass Conings versucht, ins Nachbarland zu flüchten.

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          Der 46 Jahre alte Berufssoldat hatte am Montag vier Panzerfäuste, eine Maschinenpistole und eine halbautomatische Pistole in seiner Kaserne in Leopoldsburg in der Provinz Limburg mitgehen lassen – angeblich, um eine Schießübung am Mittwoch zu organisieren. Wie der flämische Fernsehsender VRT berichtete, hatte er als Schießausbilder „die Schlüssel zu allen Munitions- und Waffendepots an seinem neuen Stützpunkt. Dort holte er sich, ohne viel Aufhebens und Kontrolle, die Waffen ab, mit denen er Anfang der Woche zu seinem Feldzug aufbrach.“

          Der Schlüssel – eine elektronische Zugangskarte – wurde mit vier Panzerfäusten in seinem Wagen gefunden. Der Sender zitierte einen leitenden Beamten des Verteidigungsministeriums mit den Worten, das sei so, „als würde man einen Mitarbeiter mit einem Alkoholproblem als Barkeeper beschäftigen“. Die belgische Armee beobachtete Conings seit vorigem Jahr als einen von rund dreißig „potentiell gewalttätigen Rechtsextremisten“; zusätzlich wurde er vom Anti-Terror-Zentrum der Regierung als „sehr ernster“ Gefährder geführt.

          Verteidigungsministerin Dedonder, eine wallonische Sozialistin, leitete eine Untersuchung ein. Es seien „Fehler im Verfahren“ gemacht worden. Sie wies darauf hin, dass dem Soldaten wegen seiner extremistischen Einstellung zwar die Sicherheitsfreigabe entzogen worden sei, nicht aber das Recht, Waffen zu tragen. Dies werde man ändern. Außerdem sollen Soldaten vor der Einstellung und während ihrer Dienstzeit schärfer überprüft werden. Aus der Opposition wurde Dedonder selbst zum Rücktritt aufgefordert, was sie jedoch ablehnte. Die Fehler seien unter ihrem Vorgänger gemacht worden, der bis Oktober 2020 im Amt war, rechtfertigte sie sich.

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