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Extremismus : Indiens hasserfüllter „Safran-Pop“

  • -Aktualisiert am

Der indische Musiker Sanjay Faizabadi in einem aufnahmestudio in Delhi im September 2019 Bild: SMITA SHARMA/The New York Times/

In Indien liefern ultranationalistische Musiker mit gewaltverherrlichenden Stücken den Soundtrack für extremistische Hindus. Die wollen den säkularen und pluralistischen Staat zu einer Hindu-Nation machen.

          4 Min.

          Die Musikvideos des Sängers Sanjay Faizabadi sind alles andere als subtil. Bilder von Explosionen, marschierenden Soldaten und des indischen Ministerpräsidenten Narendra Modi flackern in schnellen Schnitten über den Monitor. Ein Video beginnt mit dem Sänger selbst: Das Gesicht und die Zähne scheinbar mit Blut verschmiert, auf dem Kopf ein schwarzes Tuch und am Oberkörper ein Hemd in Tarnfarben. Dann kommen ein altes Fort in den Blick, brennende Kampfflugzeuge, explodierende Kriegsschiffe und Panzer, die über unwegsames Terrain rattern. Danach das Gesicht Modis sowie anderer internationaler Politiker wie Donald Trump und Xi Jinping neben ihm. „Wir haben die Kraft, Zyklone abzulenken und Berge zu zermalmen! Hör genau zu, du Feind der Nation, jeder Inder ist eine Atombombe!“, singt Faizabadi.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Mit der Mischung aus Nationalstolz, Militarismus und Hetze gegen das Nachbarland Pakistan kommen die Videos des indischen Sängers im heutigen Indien gut an. Das besagte Machwerk ist auf Youtube fast zehn Millionen Mal angeschaut worden, ein anderes von Faizabadis Videos schon 15 Millionen Mal. Der Sänger gehört zu einer Reihe von Musikern, die in Indien mit ultranationalistischen Liedern zunehmend Erfolg haben. Sie besingen die unsterbliche indische Nation, preisen Hindu-Gottheiten und wettern gegen Muslime und Pakistan. Die Musikrichtung wird auch als „Safran-Pop“ bezeichnet, nach der Farbe, die den Hindus heilig ist und die von den Hindu-Nationalisten, die seit dem Jahr 2014 auch die Regierung stellen, zu ihrem Markenzeichen erkoren wurde.

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          Danika Maia

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