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Migranten aus Marokko : Fast 1000 Minderjährige harren in Ceuta aus

Unbegleitete Minderjährige am 19. Mai in Ceuta Bild: AP

Die Lage etlicher Kinder und Jugendlicher in Ceuta ist ungewiss. Madrid bekräftigt, sie nicht kurzerhand aus der spanischen Exklave schicken zu wollen. Dennoch werden Fälle von „Expressabschiebungen“ gemeldet.

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          Aschraf hatte mehrere leere Plastikflaschen zusammengebunden, um über Wasser zu bleiben. „Ihr müsst mich verstehen. Ich will nicht zurück“, flehte der 16 Jahre alte Marokkaner weinend. Kaum war er am Strand von Ceuta an Land, brachten spanische Soldaten den Jungen an den marokkanischen Grenzzaun zurück.

          Hans-Christian Rößler
          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Ein Journalist der Nachrichtenagentur Reuters hatte die Szene vor zwei Wochen gefilmt; damals waren mehr als 8000 Marokkaner in die spanische Stadt gestürmt, nachdem sich die Grenzpolizei zurückgezogen hatte. Jetzt sind die Aufnahmen ein Beweismittel für die Staatsanwaltschaft von Ceuta, die nach der Anzeige einer lokalen Organisation ein Ermittlungsverfahren eröffnet hat. Gleich zwei Mal in nur 48 Stunden hatte Aschraf vergeblich versucht, in die spanische Exklave zu gelangen.

          Der spanische Innenminister Fernando Grande-Marlaska bekräftigte, dass schutzbedürftige Minderjährige nicht einfach zurückgeschickt würden, wie es vor knapp zwei Wochen mit tausenden Marokkanern auf der Grundlage eines Rücknahmeabkommens mit Rabat geschehen war. Nach der Anzeige wegen Aschrafs Abschiebung informierte auch die Menschrechtsorganisation „Fundación Raíces“ nach eigenen Angaben die Staatsanwaltschaft über weitere rechtswidrige Expressabschiebungen. „Amnesty International“ hatte zuvor berichtet, dass größere Gruppen von Minderjährigen sofort zurückgeführt worden seien.

          Kinder irren durch die Straßen

          Menschenrechtler verurteilen seit Jahren das spanische Vorgehen an den Zäunen um Ceuta und Melilla. Im März 2020 hatte jedoch der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte diese „heißen“ Abschiebungen, wie sie in Spanien auch genannt werden, für rechtmäßig erklärt. Ausgenommen davon sind aber schutzbedürftige Minderjährige, die erst angehört werden müssen. Die Angst davor, dass man sie nach Hause bringt, führt dazu, dass immer noch viele marokkanische Kinder und Jugendliche durch die Straßen von Ceuta irren.

          Täglich gibt es neue Razzien, um sie zu finden und in eine der drei Aufnahmeeinrichtungen zu bringen. Die meisten von ihnen sind notdürftig in Hallen eines Industriegebiets hinter dem Grenzzaun untergebracht. Die spanische Polizei identifizierte bis Sonntag nach eigenen Angaben 920 Minderjährige. Mehr als 4000 besorgte marokkanische Eltern riefen schon eine Hotline in Ceuta an, um sich zu erkundigen, ob ihre Kinder in der Stadt sind. Bisher sollen nur 200 auf die Halbinsel gebracht werden. Dabei handelt es sich aber nur um die Kinder und Jugendliche, die schon vor dem jüngsten Ansturm in Ceuta waren.

          Doch die spanischen Regionen zögern sie aufzunehmen. In Andalusien geriet zeitweise das Regierungsbündnis in Gefahr, als die rechtspopulistische Vox-Partei die Aufnahme von 13 Minderjährigen ablehnte. Die konservative Madrider Regionalregierung will das auch nicht tun. Auf den kanarischen Inseln waren im vergangenen Jahr unter den knapp 23.000 Migranten Hunderte Minderjährige; in diesem Jahr nahm ihr Anteil zu. Die meisten stammen aus Marokko. Gut 2000 schutzbedürftige Frauen und Minderjährige ließen die spanischen Behörden bis zum Frühjahr auf die Iberische Halbinsel weiterreisen.

          Die Krise mit Marokko, das seit Jahren Migranten als Druckmittel einsetzt, scheint noch nicht vorüber zu sein. Während sich die Regierung in Madrid um Entspannung bemüht, kommen neue Vorwürfe und Drohungen aus Rabat. Spanien habe „das gegenseitige Vertrauen“ untergraben und lasse es an Respekt mangeln, sagte ein Regierungssprecher in Rabat. Die marokkanische Botschafterin in Madrid drohte mit neuen „Konsequenzen“.

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