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Katastrophe in Beirut : 33 Millionen Euro um die schlimmste Not zu lindern

Soldaten der libanesischen Armee bewachen am Donnerstag die Stelle im Hafen Beiruts, an der es am Dienstag zu einer massiven Explosion kam. Bild: dpa

Die EU-Kommission hat dem Libanon für die erste Notversorgung 33 Millionen Euro zugesagt. Das ist aber nur der Anfang. Die Kommissionspräsidentin macht sich schon Gedanken über den Wiederaufbau.

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          Die EU-Kommission stellt dem Libanon 33 Millionen Euro für die erste Notfallversorgung, medizinische Ausrüstung und Unterstützung sowie den Schutz kritischer Infrastrukturen zur Verfügung. Das teilte die Kommission im Anschluss an ein Telefonat mit, das ihre Präsidentin Ursula von der Leyen am Donnerstagmorgen mit dem libanesischen Ministerpräsidenten Hassan Diab führte. Von der Leyen bot dem Land nach der Explosionskatastrophe im Hafen von Beirut weitere umfassende Hilfe an, auch für den Wiederaufbau des Hafens und der Stadt.

          Thomas Gutschker
          Politischer Korrespondent für die Europäische Union, die Nato und die Benelux-Länder mit Sitz in Brüssel.

          Sie verband dies mit einer politischen Botschaft. Alle politischen Kräfte im Libanon sollten sich nun „zu einer nationalen Anstrengung vereinen, um den vielen Herausforderungen des Landes zu entsprechen“. Die Europäische Union lege größten Wert auf die Einheit und Stabilität des Libanons und werde das Land dabei unterstützen.

          Die EU-Kommission hatte wenige Stunden nach den verheerenden Explosionen am Dienstag auf Bitten Beiruts ihren Zivilschutzmechanismus aktiviert. Die libanesische Regierung kann darüber unentgeltliche Hilfe anfordern. Diese Beiträge leisten die Mitgliedstaaten freiwillig, koordiniert werden sie von der EU-Kommission, die außerdem Dreiviertel aller Transportkosten trägt. Natürlich können Staaten auch direkt bilateral helfen.

          Als erstes forderte die libanesische Regierung Rettungsteams an, um Menschen zu bergen, die noch unter den Trümmern verschüttet sind. Außerdem bat sie um ABC-Fachleute, die im Umgang mit Gefahrenstoffen geschult sind.

          Am Mittwochabend trafen die ersten Rettungsteams mit Gerät zur Bergung und Suchhunden in Beirut ein. Am Donnerstagmittag waren nach Angaben der EU-Kommission insgesamt 250 Spezialkräfte aus Griechenland, Frankreich, der Tschechischen Republik, Polen, Deutschland, Italien und den Niederlanden im Einsatz. Mehrere Staaten stellten über den Zivilschutzmechanismus 600 Anzüge zum Schutz vor giftigen Chemikalien, 80 Sets zur chirurgischen Notversorgung und fünf Tonnen medizinisches Material zur Verfügung. Außerdem wurde ein Marineschiff entsandt, das Verletzte behandeln kann.

          Am Mittag sollte auch die Korvette „Ludwigshafen“ in Beirut eintreffen; das Schiff der Bundesmarine wurde von Limassol in Zypern entsandt. Die Luftwaffe schickte ein medizinisches Erkundungsteam in die libanesische Hauptstadt.

          Die 33 Millionen Euro für die erste Notversorgung stammen aus dem EU-Treuhandfonds für die Krise in Syrien. Acht Millionen Euro wurden dem libanesischen Roten Kreuz zugesagt, zehn Millionen der Weltgesundheitsorganisation und sechs Millionen dem UN-Kinderhilfswerk. Als nächstes könnte die EU-Kommission Fachleute und Ausrüstung entsenden, um das Ausmaß der Schäden zu erfassen und gefährliche Substanzen sicherzustellen. Sie stellt dem Land dafür schon Satellitenbilder zur Verfügung.

          Von der Leyen bot dem Ministerpräsidenten Diab Hilfe dabei an, eine vollständige Bedarfsanalyse für den Wiederaufbau der Stadt und die wirtschaftliche Erholung des Landes zu erstellen. Die Kommission stehe außerdem bereit, um die Handelsbeziehungen zu stärken, insbesondere durch Handels- und Zollerleichterungen.

          Am Mittwochabend hatte schon der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell seinen libanesischen Kollegen der umfassenden Solidarität der Europäischen Union versichert. „Als langjähriger Freund und Partner Libanons steht die EU bereit, um den dringendsten Bedarf des zu sichern und alle notwendige Hilfe zu leisten, die nach diesem sehr schlimmen Vorfall benötigt wird“, sagte Borrell.

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