https://www.faz.net/-gpf-xvpi

Explosion der Deepwater Horizon : Bericht warnt vor neuen Ölkatastrophen

  • -Aktualisiert am

Die brennende Ölbohrplattform Deepwater Horizon am 22. April 2010 Bild: dpa

Die von Präsident Obama eingesetzte Untersuchungskommission zum „Deepwater Horizon“-Unglück kommt zum Schluss, dass die Ursachen systembedingt sind. Auch Sparmaßnahmen hätten zur schwersten Ölpest Amerikas beigetragen.

          Die Explosion der Ölbohrinsel „Deepwater Horizon“ im Golf von Mexiko vom 20. April 2010 wurde wesentlich durch Zeitdruck und Sparmaßnahmen auf Kosten der Sicherheit verursacht. Zu diesem Ergebnis kommt die von Präsident Barack Obama eingesetzte Untersuchungskommission in ihrem Abschlussbericht zu den Ursachen und Folgen der schlimmsten Ölpest in der amerikanischen Geschichte. Auszüge aus dem Bericht, der am 11. Januar offiziell vorgelegt wird, wurden am Donnerstag in der amerikanischen Presse veröffentlicht.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Wie die sieben Mitglieder der unabhängigen Kommission schreiben, haben der britische Energiekonzern BP und deren Partnerunternehmen Transocean und Halliburton wegen Kosten- und Zeitdrucks wichtige Sicherheitsmaßnahmen außer Acht gelassen. „Ob Absicht oder nicht - mit vielen Entscheidungen, die BP, Halliburton und Transocean getroffen und die das Unglück im Ölfeld Macondo wahrscheinlicher gemacht haben, haben diese Unternehmen erheblich Zeit und Geld gespart“, schreiben die sieben Fachleute.

          Da es sich aber um systemische Unzulänglichkeiten und um generelle Praktiken in dem Wirtschaftszweig gehandelt habe, könne eine vergleichbare Katastrophe wieder geschehen, sollten keine entscheidenden Änderungen vollzogen werden. „Die tieferen Ursachen sind systembedingt und könnten wieder auftreten, wenn es nicht zu spürbaren Reformen in den Geschäftsmethoden der Branche und in der Politik der Regierung kommt“, heißt es in dem Bericht der Kommission.

          Den Aufsichtsbehörden mangelte es an Autorität

          Aber auch den Aufsichtsbehörden hat es nach Darlegung der Untersuchungskommission an Autorität, Mitteln und Expertise gefehlt, um Sicherheitsverstöße zu verhindern oder wirksam zu ahnden. Als Beispiel wurde ein Antrag von BP genannt, einen „ungewöhnlich tiefen Zement-Pfropfen“ zu setzen. Die seinerzeit zuständige Behörden „Mineral Management Service“ (MMS) habe sich nur 90 Minuten Zeit genommen, um dem Antrag zuzustimmen. Inzwischen wurde der MMS in mehrere Behörden aufgeteilt, um eine bessere und kritischere Überwachung der Geschäftspraktiken zumal bei Tiefseebohrungen zu gewährleisten.

          Die Kommission hat zwar keine Befugnisse, Firmen zu bestrafen oder neue Regeln festzulegen. Die Ergebnisse könnten aber Einfluss auf künftige Straf- und Schadenersatzprozesse im Zusammenhang mit der Katastrophe haben. Mit ihren Schlussfolgerungen widersprechen die Fachleute teilweise ihrem Anfang November vorgelegten Zwischenbericht. Darin waren sie nicht zu dem Ergebnis gekommen, dass die mit dem Macondo-Projekt befassten Unternehmen an der Sicherheit gespart hätten.

          BP droht eine Strafe in Höhe von fünf Milliarden Dollar

          Nach amerikanischen Gesetzen droht BP eine Strafe in Höhe von fünf Milliarden Dollar, weil die Katastrophe auf dem Bohrgebiet des Unternehmens geschah. Sollte sich erweisen, dass BP grob fahrlässig handelte, könnte der Betrag auf mehr als 21 Milliarden Dollar steigen. Halliburton wies den Vorwurf der Kommission zurück, die Zementfüllung des Bohrloches möglicherweise ohne vorherigen Tauglichkeitstest begonnen zu haben. Die Kommission habe bestimmte Informationen des Unternehmens nicht berücksichtigt, kritisierte Halliburton.

          Transocean hat nach Auffassung der Experten nicht die erforderlichen Konsequenzen aus einem ähnlichen Unfall vier Monate vor der Macondo-Katastrophe gezogen. Das Unternehmen enwiderte, sich an die üblichen Standards der Branche gehalten zu haben. Die vom Ölkonzern BP betriebene Bohrinsel „Deepwater Horizon“ war am 20. April explodiert, nachdem Öl und Gas aus dem Bohrloch an die Wasseroberfläche gedrungen waren. Bei dem Unglück starben elf Arbeiter, insgesamt strömten etwa 780 Millionen Liter Öl in den Golf von Mexiko.

          Weitere Themen

          SPD legt nach Scholz-Kandidatur zu

          Vor Regionalkonferenzen : SPD legt nach Scholz-Kandidatur zu

          Die Sozialdemokraten gewinnen nach der Kandidatur von Olaf Scholz für den Parteivorsitz an Zustimmung – bleiben noch weit hinter Union und Grünen. Der Vizekanzler verteidigt zudem das aufwändige Bewerbungsverfahren.

          Topmeldungen

          Bundesbankpräsident Weidmann : „Ich sehe keinen Grund zur Panik“

          Die Aussichten für die Konjunktur trüben sich ein. Bundesbankpräsident Weidmann hält einen Großeinsatz der Geldpolitik aber für falsch. Im Interview spricht er über den drohenden Abschwung, übertriebene Angst vor Inflation – und warum die Zinsen noch tiefer sinken können.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.