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Geflüchtete erzählen : Ketten sprengen auf Nordkoreanisch

Die Kim-Familie wacht pausenlos über die Nordkoreaner. Was die Menschen in dem abgeschotteten Land wirklich denken, wissen wir nur aus den Erzählungen Geflüchteter. Bild: AFP

Auf politischer Bühne tut sich etwas im Korea-Konflikt. Aber wie geht es den Nordkoreanern selbst? FAZ.NET zeigt exklusiv den Film „The Jangmadang Generation“ auf Deutsch. Er lässt junge, geflüchtete Nordkoreaner zu Wort kommen.

          Wann immer es in diesen Tagen um Nordkorea geht, steht die „große Politik“ im Mittelpunkt – vor allem das Atomprogramm und die Frage, ob sich das Regime von Kim Jong-un auf eine vollständige Denuklearisierung einlässt oder nicht. Gespannt schauen alle auf das geplante Gipfeltreffen zwischen dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump und Kim am 12. Juni, das mittlerweile doch wieder zu wackeln scheint: Wie könnte ein Deal aussehen, der es beiden Seiten erlaubt, ihn als politischen Erfolg zu verbuchen?

          Vielleicht ist es nur eine subjektive Beobachtung: Aber der Eindruck drängt sich auf, dass inmitten dieser zweifellos wichtigen Zeit für die koreanische Halbinsel die ganz konkreten Lebensumstände der Nordkoreaner etwas aus dem Fokus der Weltöffentlichkeit geraten sind. Oder anders gefragt: Natürlich würde eine Denuklearisierung Koreas den Menschen dort konkret helfen, aber könnte ein politischer Deal das Regime in Pjöngjang nicht (auch) stabilisieren? Und die innere Repression damit zementieren?

          Die Antwort ist spekulativ. Aber zumindest ist es nicht falsch, neben aller Weltpolitik den Blick auf die Menschen zu richten: Wie leben die rund 24 Millionen Nordkoreaner, haben sich ihre Bedingungen seit dem Antritt von Machthaber Kim Jong-un vor gut sieben Jahren geändert, vielleicht sogar verbessert? Sicher ist nur: Die Menschen in Nordkorea sind keine Außerirdischen, sie arbeiten, gründen Familien und versuchen, durchs Leben zu kommen, wie überall auf der Welt. Sicher ist, dass sich kein Mensch in einem westlichen Staat vorstellen kann, was es heißt, in einem nahezu totalitär regierten Land morgens aufzuwachen und abends in Bett zu gehen.

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          Die Bevölkerung lebt in einem beispiellosen System der politischen Repression. Zwar gibt es seit einigen Jahren deutliche Verbesserungen beim Lebensstandard zu erkennen, alleine wenn man sich die gestiegene Zahl an Restaurants, die bessere Kleidung und Ernährung der Bewohner vor Augen führt. Im Land ist eine Mittelschicht entstanden, die zeigt, was sie hat: Handys, gelegentlich sogar Autos, Geld für Drinks. Einem größeren, kaum sichtbaren Teil vor allem fernab der glitzernd-modernisierten Metropole Pjöngjang aber geht es noch immer wesentlich schlechter als der urbanen Elite. Die Bewegungsfreiheit der Nordkoreaner ist stark eingeschränkt, Kommunikation ins Ausland praktisch unmöglich. Selbst verglichen mit anderen autokratischen Systemen sind die politischen Freiheiten für den Einzelnen in Nordkorea dramatisch gering.

          Spontanität bedeutet Furcht in Nordkorea

          Über ihr Leben ist im Ausland wenig bekannt. Besucher – Touristen und Journalisten – dürfen nur an organisierten Touren teilnehmen, in der Regel begleitet von zwei Fremdenführern und einem Fahrer. Dieses Team sorgt sich zwar rührend um die Reisenden, aber es ist auch dazu da, den Gästen nur das Schöne und Entwickelte zu zeigen und sie weitgehend von der Bevölkerung zu isolieren. Gelingt einmal der Kontakt zu Einheimischen, so steht den Fremdenführern der Schweiß auf der Stirn. In Nordkorea wird nichts oder fast nichts dem Zufall überlassen: Spontanität bedeutet Furcht, Furcht vor dem „Zwischenfall“, dem nicht Vorhersehbaren, das dem Fremdenführer die Karriere und die Privilegien kosten kann. Der Druck muss für sie immens sein.

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