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Argentinien : Frühere Ford-Direktoren wegen Entführung und Folter verurteilt

Héctor Francisco Sibilla, früherer Sicherheitsmanager des Ford-Werks Bild: AP

In Argentinien kollaborierten Manager von Ford in den 70er Jahren mit dem Militärregime. Nun wurden sie verurteilt. Opferanwälte sehen die Entscheidung als historisch.

          Argentinien kommt mit der Aufarbeitung der dunklen Kapitel seiner Geschichte voran. Zahlreichen Köpfen der argentinischen Militärdiktatur wurde in den vergangenen Jahren der Prozess gemacht. Erstmals wurden nun auch Vertreter eines mit der Militärjunta zusammenarbeitenden multinationalen Konzerne verurteilt. Ein dreiköpfiges Richtergremium sprach den 87 Jahre alten Pedro Müller, damals Fertigungsdirektor eines Ford-Werks in der Provinz Buenos Aires, und den 92 Jahre alten Héctor Francisco Sibilla, den damaligen Sicherheitsmanager des Werks, wegen der Entführung und Folterung von Fabrikmitarbeitern schuldig. Sie wurden zu Haftstrafen von zehn und zwölf Jahren verurteilt.

          Tjerk Brühwiller

          Freier Berichterstatter für Lateinamerika mit Sitz in São Paulo.

          Laut den Richtern hätten die beiden führenden Mitarbeiter die Einrichtung eines Haftzentrum in den Räumlichkeiten der Fabrik gestattet, um dort Entführte verhören zu können. 17 der 24 Arbeiter, deren Fälle aufgearbeitet wurden, waren zur Zeit der Diktatur an ihrem Arbeitsplatz festgehalten worden. Elf von ihnen sind noch am Leben. Der Staatsanwaltschaft sei es gelungen zu zeigen, dass das Unternehmen während dieser Zeit wirtschaftlich profitiert habe und wie es den repressiven Flügel der Diktatur eingesetzt habe, um unangenehme Personen zu beseitigen, sagte ein Staatsanwalt. Bei den Opfern habe sich nicht um subversive Widerstandskämpfer gehandelt, sondern um gewöhnliche Gewerkschafter.

          Nach dem Urteilsspruch brach unter den Angehörigen der insgesamt 24 Opfer im Fall Ford Beifall aus. Aktivisten begrüßten die Strafen als einen wichtigen Schritt in Richtung einer Wiedergutmachung für die Gräuel, die die Zusammenarbeit verschiedener Unternehmen der Militärjunta hervorbrachte. Während der argentinischen Militärdiktatur zwischen 1976 bis 1983 wurden Zehntausende Personen willkürlich festgenommen, gefoltert und auch getötet – unter ihnen auch etliche Gewerkschaftsführer.

          Eine der Anwältinnen, die die Opfer vertrat, sagte, dass das Urteil historisch sei. Es zeige, dass Ford direkt an Verbrechen gegen die Menschlichkeit gegen Arbeiter beteiligt gewesen sei. Ein anderer Anwalt ging noch einen Schritt weiter und sagte, dass nun eine Klage gegen den Autohersteller vor einem amerikanischen Bundesgericht eingereicht werden könne. "Es ist klar, dass die Ford Motor Company in den 70er Jahren die Kontrolle über die argentinische Tochtergesellschaft hatte", sagte der Anwalt. "Daher besteht eine direkte Verantwortung der Ford Motor Company, und dies könnte uns die Möglichkeit geben, den Fall vor die amerikanischen Gerichte zu bringen." Ford nahm das Urteil in Argentinien zur Kenntnis und bot der Justiz seine Zusammenarbeit an, verzichtete allerdings auf weitere Kommentare.

          Argentinien kommt bei der juristischen Aufarbeitung der Menschenrechtsverletzungen während der Militärdiktatur weitaus rascher und entschlossener voran als andere Länder der Region, in denen ebenfalls Militärjuntas an der Macht waren. Laut der Generalstaatsanwaltschaft wurden bisher fast 900 der insgesamt mehr als 3000 wegen Menschenrechtsverletzungen angeklagten Personen verurteilt. Es handelt sich dabei mehrheitlich um ehemalige Militärs. Experten betrachten das Urteil gegen die Führungskräfte von Ford als einen weiteren Durchbruch, da es die Verbindung zwischen der Diktatur und der Verfolgung von Gewerkschaftsaktivisten aufzeige.

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