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Jerusalem-Beschluss : Ein Schritt zum Tausendjährigen Reich Gottes

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Die Endzeiterwartungen der Evangelikalen sind dabei auch von vielen weltlichen, geopolitischen Interessen beeinflusst worden. Ein Indiz dafür ist, dass die Regierung des jüdischen Staats Israel die Anhänger des christlichen Zionismus als Verbündete betrachtet. So steht in Jerusalem bisher zwar keine Botschaft eines souveränen Staates, seit 1980 aber die „Internationale Christliche Botschaft Jerusalem“. In den Vereinigten Staaten ziehen einflussreiche Fernsehprediger seit Jahrzehnten Lehren für die Politik. So sagte Jerry Falwell 1981: „Die Geschichte und die Heilige Schrift beweisen, dass Gott Nationen danach beurteilt, wie sie Israel behandeln.“ Der Sohn des verstorbenen Predigers, Jerry Falwell junior, zählt als Präsident der christlichen „Liberty University“ in Virginia zu Trumps prominentesten Fürsprechern.

Viele Millionen Amerikaner haben in der Sonntagsschule also gelernt, dass ein souveränes, jüdisches Israel nötig sei, damit sich die Prophezeiung der Johannes-Offenbarung erfülle. Damit hätte das „von Gott auserwählte“ Volk der Juden seine Pflicht dann freilich erfüllt: Es würde Christus als seinen Messias anerkennen. Schon deshalb haben sich die größten nichtevangelikalen Protestantenkirchen sowie etliche evangelikale Gemeinden von der politischen Instrumentalisierung dieser Lehre distanziert. Ihrer Meinung nach schade sie der Versöhnung im Nahen Osten, weil sie eine utilitaristische Sicht auf das Judentum verbreite und dem Islam einen noch niedrigeren Rang zuweise. Gerade viele jüngere Christen in Amerika fordern eine Aussöhnung mit den Palästinensern. Doch wie auch sonst in der Politik haben die extremeren Stimmen überproportionales Gewicht: Je größer die Begeisterung oder der Furor, desto größer die Bereitschaft, Geld und Zeit in Wahlkämpfen und Lobbykampagnen zu investieren. Davon profitieren Gruppen wie die von John Hagee oder Mike Huckabee – und damit Donald Trump.

Freilich lesen selbst im „Bibelgürtel“ die meisten Leute nicht täglich in der Heiligen Schrift. Dafür verkaufen sich die Romane der Serie „Left Behind“ – im Deutschen „Finale“ – besonders gut. Die Autoren Tim LaHaye und Jerry Jenkins haben 16 Bände verfasst. Sie verbreiten im Volk evangelikale Endzeiterwartungen. Der Plot beginnt in einem Verkehrsflugzeug, aus dem mitten im Flug Dutzende Menschen verschwinden. Es sind gläubige Christen, die in den Himmel entrücken – das ersehnte Ende der Welt ist gekommen. Doch der Antichrist macht sich immer mehr Erdenbürger untertan. Alles läuft auf die vom Evangelisten Johannes verheißene Schlacht um Harmagedon zu: Der Antichrist befehligt alle Armeen der Welt zur Attacke auf die letzten verbliebenen Christen und Juden, die sich in Israel versammelt haben. Da greift Christus ein und zerstört die Invasionsarmee. Es gibt Videospiele und Filme zu der Serie, unter anderem mit dem populären Schauspieler Nicholas Cage. Viele Religionsführer lehnen die Deutung und/oder die Trivialisierung des Stoffs ab. Jerry Falwell aber sagte über den ersten Band: „Abgesehen von der Bibel hat wohl kein Buch der Neuzeit größeren Einfluss auf das Christentum ausgeübt.“

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Amerikas Evangelikale wissen, dass sie in Trump keinem der Ihren ins Amt verholfen haben. Doch aus Dank für ihre Loyalität lässt der Präsident sie nun mitreden, etwa wenn er Richter ernennt. Robert Jeffress, Chefpastor der mächtigen „First Baptist Church“ in Dallas, huldigt Trump sogar, indem er seinen Chor ein Lied mit dem Refrain „Make America Great Again“ singen lässt. Am Mittwoch bestätigte Jeffress, dass die „Gemeinschaft der Gläubigen“ die Regierung seit Monaten bedrängt habe, Jerusalem als Israels Hauptstadt anzuerkennen. „Aber in Wahrheit mussten wir ihn gar nicht überzeugen“, fügte Jeffress hinzu. „Denn das war ein Wahlversprechen, das Präsident Trump selbst unbedingt einhalten wollte.“

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