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Evakuierung am Hindukusch : Deutsche Verstärkung für Kabul

Am 20. August landet ein in der usbekischen Hauptstadt Taschkent gestartetes Flugzeug der Luftwaffe im niedersächsischen Langenhagen. An Bord sind in Sicherheit gebrachte Personen aus Afghanistan. Bild: dpa

Hubschrauber verstärken das deutsche Kontingent in Kabul. Die sollen Personen retten, die sonst nicht zum Flughafen gelangen. Unterdessen wurde ein Deutscher angeschossen.

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          Die Bundeswehr hat zum Wochenende weitere Evakuierungsflüge aus der afghanischen Hauptstadt Kabul gestartet. Gleichzeitig wurde das deutsche Kontingent durch Spezialkräfte und zwei Hubschrauber der Spezialkräfte verstärkt, die im Raum Kabul operieren sollen. Wie das Auswärtige Amt und das Verteidigungsministerium am Freitag mitteilten, wurden bis zum Mittag bei elf Flügen insgesamt 1649 Personen ausgeflogen.

          Peter Carstens
          Politischer Korrespondent in Berlin

          Bilder, die das Ministerium veröffentlichte, zeigten bis auf den letzten Platz besetzte A400M-Tranporter, in denen die Menschen überwiegend auf dem Boden sitzend in das rund tausend Kilometer entfernte Taschkent transportiert wurden. Den Angaben zufolge waren unter den Ausgeflogenen 280 deutsche Staatsangehörige, 1150 Afghanen und Schutzbefohlene aus insgesamt 38 Ländern. Die Flüge sollten in der Nacht und an den nächsten Tagen fortgesetzt werden. Aus der Stadt selbst mehren sich Berichte von Übergriffen der Taliban gegen Frauen, Staatsbedienstete und Journalisten. Wie eine Regierungssprecherin mitteilte, wurde in Kabul am Freitag ein Deutscher angeschossen, zu den näheren Umständen machte sie keine Angaben.

          Die Lage scheint sich keineswegs zu beruhigen und die Taliban-Kräfte scheinen keinerlei Anstalten zu machen, eine geordnete Ausreise der Schutzbefohlenen der westlichen Gemeinschaft zu ermöglichen. Inzwischen sind am militärischen Teil des Flughafens von Kabul Flugzeuge und Evakuierungskontingente aus vielen Nationen versammelt, wobei Amerikaner, Briten und Deutsche den größeren Teil der Kräfte stellen.

          Wendige deutsche Hubschrauber 

          Auf Bitten der Amerikaner hat die Bundeswehr nun zwei kleine wendige Hubschrauber der Spezialkräfte eingeflogen. Das sind H145M-Helikopter vom Hubschraubergeschwader 64 im oberschwäbischen Laupheim. Die Helikopter gelten wegen ihres geringen Gewichts, kleinem Rotorblattdurchmesser und geringer Geräuschentwicklung als ideale Transportmittel der Spezialkräfte aus dem benachbarten Calw.

          Die Maschinen sollen in Kabul Personen retten, die sich nicht zum Flughafen durchschlagen können, sei es wegen fehlender Papiere, sei es wegen besonderer Gefährdung. Die Maschinen sind Teil eines operativen Sets, das aus jeweils zwei H145 besteht, die von schweren US-Kampfhubschraubern begleitet und abgesichert werden. Den Angaben zufolge landet jeweils ein Helikopter, während ein anderer, mit Kommandosoldaten besetzt, die Operation aus der Luft absichert. Hierzu steht als Bordwaffe unter anderem ein Maschinengewehr MG6 zu Gebote.

          Da über Kabul derzeit viele Helikopter unterwegs sind, die von Taliban nicht attackiert werden, wird derzeit nicht mit Behinderungen von Evakuierungen gerechnet. Man ist aber vorbereitet. In Sicherheitskreisen werden Überlegungen angestellt, ob und wie weitere Flugplätze genutzt werden können. Vor allem nach der früheren Militärbasis Bagram bei Kabul wird gefragt. Dort gibt es zwei Start- und Landebahnen. Auch eine Landemöglichkeit in Herat wird erwogen. Die US-Streitkräfte hatten bis vor kurzem an solchen Basen bis zu 30.000 Soldaten und Dutzende Luftfahrzeuge stationiert, die aber alle hastig abgezogen worden sind. Unterdessen ließ die französische Botschaft Schutzbefohlene in einem geschlossene Konvoi zum Flughafen bringen, wie der französische Botschafter David Martinon mitteilte.

          Die Bundesregierung geht derzeit davon aus, dass noch bis zu 500 Deutsche aus dem Land zu holen sind, die Listen würden ständig aktualisiert. Zugleich melden sich immer wieder Personen, teilweise während laufender Pressekonferenz, die von Notfällen berichten, Hilfe erbitten und angeben, über Stunden und Tage weder beim Krisenstab des Auswärtigen Amtes noch bei der Hotline des Einsatzführungskommandos jemanden zu erreichen. Die Bundesregierung versicherte weiter, sie tue alles ihr Mögliche.

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