https://www.faz.net/-gpf-9hwhv

Informationskampagne zur Wahl : Frag, was die EU für Dich tut!

  • -Aktualisiert am

Pro-europäische Demonstranten in London Bild: AFP

Die EU reagiert auf die Kritik, nicht bürgernah zu sein. Und erklärt in einer aufwendigen Kampagne, was Schokoladengenuss, Sport im Fernsehen und der Schutz von Schildkröten mit der EU-Politik zu tun haben.

          Ein Vierteljahrhundert nach der Gründung der EU steht die europäische Institution vor ihrer wichtigsten Bewährungsprobe. Die Briten wollen aus der EU ausscheiden, rechtspopulistische Regierungen in Italien, Polen und Ungarn nutzen jede Möglichkeit, um die EU öffentlich infrage zu stellen und auch bei vielen Bürgern ist die Skepsis gegenüber der Institution groß. Brüssel sei zu weit entfernt von den eigentlichen Problem der Menschen, heißt es oftmals.

          Jetzt will sich die Europäische Union gegen dieses Image wehren – und hat deshalb eine große Informationskampagne initiiert. Sie soll zeigen: Die EU ist den Bürgern näher als viele denken. Auf der Website „Was Europa für mich macht“ präsentiert die EU in 24 Sprachen und in aufwendiger Detailarbeit, was die Institution für die rund 500 Millionen EU-Bürger leistet.

          Europa auch in Bad Kissingen

          Nutzer können sich unter anderem durch eine Europakarte klicken und so im Detail nachvollziehen, was die EU in den Mitgliedsländer bewirkt hat. Und zwar nicht nur in großen Städten und Metropolregionen, sondern auch in Kleinstädten und ländlichen Gebieten. So will Brüssel beweisen, dass es nicht nur Einfluss auf das Leben der Menschen in Berlin, sondern etwa auch in Bad Kissingen nimmt. Auf der Website heißt es: In der Stadt in Unterfranken wurden unter anderem durch das Regionalentwicklungsprogramm „Leader“ das Freibad Aura als Naturerlebnisbad neu gestaltet und die Neuausrichtung des Stadtmuseums Herrenmühle in Hammelburg gefördert. Zudem profitiere Bad Kissingen von dem Europäischen Sozialfonds, der von 2014 bis 2020 mit rund 300 Millionen Euro unter anderem Bildungsmaßnahmen zur Verbesserung der Arbeitsmarktchancen in Bayern fördere.

          Die Projektpräsentationen offenbaren interessante Details  – aber sind auch gewohnt bürokratisch aufbereitet. Den Nutzern wird vor allem eins präsentiert: Erfolge und Zahlen. Zumindest lassen sich mit ein wenig Geduld aber auch „spannendere Projekte“ finden, beispielsweise, dass die EU sich für den Schutz der Seeschildkröten auf der französischen Insel Guadaloupe einsetzt. Oder auch dafür gesorgt hat, dass in Kleinpolen nun die neuesten Kinofilme geschaut werden können. Auch das kann Bürgernähe also bedeuten.

          Die EU ist allgegenwärtig im Alltag ihrer Bürger

          Darüber hinaus soll die Kampagne zeigen, wie sehr die Arbeit der EU die Bürger in ihrem täglichen Leben beeinflusst. Etwa damit, dass es dank einer Initiative des Europäischen Parlaments Rechtsvorschriften gibt, die die kostenlose Fernsehübertragung von sportlichen und kulturellen Großveranstaltungen ermöglichen. Oder dass die EU mit Rechtsvorschriften beispielsweise dafür sorgt, dass es einen Höchstwert für Kadmium in Kakaoerzeugnissen gibt. Heißt: Die EU versucht sicherzustellen,  dass Schokoladenliebhaber nicht unnötigen Risiken ausgesetzt sind. Denn das Metall ist krebserregend und kann auch Nieren- und Knochenschäden verursachen wenn, es sich im Körper ablagert.

          Bei anderen Themen, die die EU in ihrer Kampagne anschneidet, scheint es hingegen fraglicher, wer mit diesen Maßnahmen überzeugt werden soll, etwa bei der Zulassung neuer Lebensmittel. So heißt es unter dem Punkt „Liebhaber neuartiger Lebensmittel“: „Finden Sie die Idee, Brotteigen Insektenmehl beizumengen, damit der Eiweißgehalt höher wird, gar nicht schlecht?“ Nun ja.

          Hilfe für die Seeschildkröte

          Die EU gibt sich mit ihrer Informationskampagne viel Mühe zu beweisen, dass die EU-Politik eine positive Auswirkung auf viele Lebensbereiche der EU-Bürger hat. Bisher gibt es auf der Webseite rund 400 Einträge zur EU „in meinem Leben“, die sich unter anderem an „Fährpassagiere“, „Menschen, die sich Gedanken um den Tierschutz zum Zeitpunkt der Schlachtung machen“ oder „Arbeiter in der Cognac-Produktionskette“ richten.

          Und wie würde es wohl um den Schutz von Seeschildkröten, die TV-Übertragung von Olympia und den Schokoladengenuss stehen, wenn die EU sich hierfür nicht einsetzen würde? Wem die EU-Politik dennoch Kopfschmerzen bereitet, den könnte Folgendes trösten: Die EU finanziert auch Projekte im Bereich der Migräneforschung.

          Topmeldungen

          Länger leben : Kerle, macht’s wie die Frauen

          Von der Gleichstellung der Geschlechter profitieren auch Männer – sie sind gesünder und leben länger. Die regionalen Unterschiede, die in einer Studie sichtbar werden, überraschen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.