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Schwenk nach Asien : Europäische Flugzeugträger im Pazifik

  • -Aktualisiert am

Die Charles de Gaulle liegt 2015 vor der indischen Küste, kurz vor der Übung „Varuna 2015“. Bild: AFP

Frankreich und Großbritannien wollen ihren sicherheitspolitischen Einfluss im Fernen Osten ausweiten. Trotz großer Gesten ist jedoch fraglich, ob die Europäer ihre ambitionierten Ziele erreichen können.

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          In Frankreichs Militärhafen Toulon, gelegen am Mittelmeer, herrscht zurzeit geschäftiges Treiben. Die „Charles de Gaulle“, Frankreichs einziger Flugzeugträger, wird ausgerüstet, um im Frühjahr in den Indo-Pazifik aufzubrechen. Auch Großbritannien plant seinen neuen Träger „Queen Elizabeth“ zur Jungfernfahrt 2021 gen Asien zu schicken. Paris wie London wollen so ihre neuen Machtambitionen in der Großregion Indo-Pazifik unterstreichen und buhlen verstärkt um Bündnisse in der Staatenwelt zwischen Indien und Japan.

          Ziel von Briten und Franzosen ist es, von einem Trend der Geopolitik zu profitieren: Der Rückverlagerung des globalen Handels von der westlich-atlantischen Hemisphäre nach Asien, in den Indo-Pazifik. Bis 1700 hatte Asien nach Berechnungen der Asian Development Bank einen Anteil von 60 Prozent an der Weltwirtschaft. Dann zerschlugen die europäischen Staaten in der Hochphase des Imperialismus die dortigen Handelsnetzwerke und richteten sie nach Westen aus. Nach dem Zweiten Weltkrieg sackte der asiatische Beitrag zum globalen Bruttoinlandsprodukt auf 18 Prozent.

          Heutzutage ist Asien ein Treiber der Weltwirtschaft. Ab 2050 könnte laut einer Prognose der Asian Development Bank wieder über die Hälfte der Weltwirtschaftsleistung dort erbracht werden. Dass Frankreich wie Großbritannien der Wachstumsregion mit den militärischen Machtsymbolen schlechthin ihre Aufwartung machen, ist wohl kalkuliert. Beide wollen sich den Indo-Pazifik-Staaten als Partnermacht gegen Sicherheitsrisiken empfehlen, vor allem mit Blick auf China. „China ist dabei, seine Vormachtstellung in diesem Teil der Welt auszubauen“, so Frankreichs Präsident Emmanuel Macron vergangenes Jahr in einer Rede in Nouméa, Hauptstadt des französischen Überseeterritoriums Neukaledonien. „Angesichts dessen sollten wir aber keine Ängste schüren, sondern der Realität ins Auge blicken – da bieten sich viele Chancen.“

          Peking ist Hauptakteur des Wiederaufstiegs Asiens in der Weltpolitik mit seinem Vorhaben, ein auf China ausgerichtetes, globales Handelsnetz zu schaffen. Wichtigster Teil davon sind von China finanzierte Häfen, die sich entlang der Indo-Pazifik-Anrainerstaaten nach Westen schlängeln. Denn 90 Prozent des Welthandels laufen laut der Handelsschifforganisation „International Chamber of Shipping in London“ über See. Chinas Vorgehen schafft für die übrigen Indo-Pazifik-Staaten ein Dilemma. Sie sind erpicht auf die Investitionen auf Peking, um ihre Wachstumsstrategien voranzubringen. Gleichzeitig entwickelt China ein immer größeres Erpressungspotential.

          Das Land beansprucht nahezu das gesamte Südchinesische Meer für sich. Einige Staaten wie Pakistan und Bangladesch haben ihre Sicherheits- und Außenpolitik stark pro-chinesisch ausgerichtet. Indien fürchtet eine chinesische Einkreisung. Australien und Japan sehen die Gefahr, in ihre Randlagen abgedrängt zu werden, sollte China seinen Einfluss in der Kernregion des Indo-Pazifik, Südostasien, weiter ausbauen. Dortige Länder wie Malaysia, Vietnam und die Philippinen haben das Druckpotential Chinas gegen ihre Wachstumsmotoren im Blick – die Wirtschaftszentren an den Küsten des Südchinesischen Meeres. Mit starker Luftwaffen- und Flottenpräsenz in den dortigen Archipelen, wo es Stützpunkte baut, arbeitet Peking an einem militärischen Übergewicht im Westpazifik. Eine Position, aus der es zunehmend Ressourcen zur Versorgung der Küstenagglomerationen wie Fischgründe dominiert und den Güterverkehr stören könnte. Generell betrachten die Indo-Pazifik-Staaten die Stabilität ihrer urbanen Wirtschaftszentren mit Meerzugang – auch gegen Terror und Umweltkatastrophen – als entscheidende Frage nationaler Sicherheit.

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