https://www.faz.net/-gpf-9j3n0

Schwenk nach Asien : Europäische Flugzeugträger im Pazifik

  • -Aktualisiert am

Der Schwerpunkt der  Marinestreitkräfte liegt also auf dem Nordatlantik und europäischen Randmeeren wie der Ostsee und dem Mittelmeer. Dort haben die westlichen Marinen schon seit längerem Probleme, die Missionen zu bestücken. Neue Schwierigkeiten könnten hinzukommen, wie der Konflikt zwischen Ukraine und Russland im Asowschen Meer zeigt. Speziell die Osteuropäer legen Wert auf eine Bündelung der militärischen Fähigkeiten der Nato im euro-atlantischen Raum. Vor allem für Großbritannien ist das ein Problem. Mit ihrer Skepsis vor einer Dominanz des EU-Führungsduos Deutschland-Frankreich sind die Osteuropäer aus Londoner Sicht essenzielle Partner, um auch nach dem Brexit britische Interessen in die EU-Politik einzubringen. Aber gerade Polen und die Balten wird es nicht überzeugen, wenn militärisches Potential in Richtung Indo-Pazifik abgezogen wird.

Konkurrenz kommt von den Partnerstaaten

Ein weiteres Manko der französischen und britischen Einflusspläne: Staaten vor Ort könnten bald die attraktiveren Sicherheitspartner sein. So bauen Japan, Südkorea und Australien zielgerichtet die Fähigkeiten ihrer Streitkräfte zur Katastrophenhilfe aus, unter anderem durch mehr amphibische Schiffseinheiten. Mit diesen lassen sich beispielsweise Hilfsgüter schnell in von Stürmen verwüstete Küstenregionen anlanden. Laut den Vereinten Nationen sind die Länder des Indo-Pazifik weltweit am stärksten von Überschwemmungen und anderen Umweltkatastrophen betroffen. Solche werden durch den Klimawandel mit seinen vermehrten Extremwetterlagen noch zunehmen. Die Nachfrage nach Beistand wächst hier also, doch vor allem die Beschaffungsprogramme der Briten bilden das nicht ab. Im Gegenteil: Um ihre kostenaufwändigen Flugzeugträger im Programm zu halten, haben die Briten ihre amphibischen Einheiten sogar verkleinert. Unter anderem wurde ein amphibisches Transportschiff an die Australier verkauft.

Im Bereich der Rüstung sind die potentiellen Partner Frankreichs und Großbritanniens längst ambitionierte Konkurrenten. Südkorea hat einen Fregattentyp entwickelt, den es sehr erfolgreich in der Region verkauft. Zusammen mit dem amerikanischen Rüstungskonzern Lockheed Martin und Indonesien betreibt das Land ein Entwicklungsprogramm für ein modernes Kampfflugzeug. Der KF-X soll durch weitere Partner und damit größere Stückzahlen zur preiswerten Alternative westlicher Systeme werden.

Auch die Treuhänderschaft für europäische Sicherheitsinteressen im Indo-Pazifik wird schwierig. Einen Vorgeschmack darauf liefert der Streit zwischen Großbritannien und seiner ehemalige Kolonie Mauritius um das Chagos-Archipel unter britischer Hoheit. Für London ist die im Herzen des Indischen Ozeans gelegene Inselgruppe eine strategische Ressource für seine Indo-Pazifik-Pläne. Die Briten haben dort eigene Militäreinrichtungen und verpachten die Insel Diego Garcia an die Vereinigten Staaten, die dort ihre wichtigste Basis für den asiatischen Raum unterhalten. Mauritius fordert das Archipel als sein Territorium. Als es in den sechziger Jahren seine Unabhängigkeit von Großbritannien aushandelte, gliederten die Briten die Inselgruppe aus. Mauritius ist es 2017 gelungen, den Streitfall vor den Internationalen Gerichtshof in Den Haag zu bringen. Denn der EU-Aussteiger Großbritannien erhielt keine Rückendeckung der übrigen EU-Staaten bei der Abstimmung in der Generalversammlung der Vereinten Nationen. Die meisten Staaten, darunter auch Frankreich und Deutschland, enthielten sich. Mauritius hat zudem die Unterstützung seiner Schutzmacht Indien und vieler Commonwealth-Staaten. Jenen Ländern also, auf die Großbritannien sich künftig verstärkt stützen möchte, um seinen Einfluss Indo-Pazifik auszubauen. Statt gefragter Treuhänder zu sein, wird Großbritannien kämpfen müssen, um seine Position in der Region zu halten.

Weitere Themen

Topmeldungen

Trauerfeier für Prinz Philip : Eine Familie nimmt Abschied

Ein schwerer Gang für Königin Elisabeth II.: Gemeinsam mit ihrer Familie hat sie in einer Trauerfeier Abschied von Prinz Philip genommen. Nur 30 Trauergäste waren erlaubt.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.