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Schwenk nach Asien : Europäische Flugzeugträger im Pazifik

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Schwache Machtdemonstration

Hauptsymbol des französischen und britischen Werbens um mehr Einfluss in der Region sind die dort gesteigerten Manöver und Patrouillenfahrten der Seestreitkräfte beider Länder, unter anderem im Südchinesischem Meer, wo die territorialen Grenzen zwischen den Anrainerstaaten in zahlreichen Fällen nicht geklärt sind. Hier geht es darum, mit so genannten „Freedom of Navigation Operationen“ der von China beanspruchten Hoheit über dortige Seegebiete entgegen zu wirken. Peking reklamiert rund um die von ihm besetzten Inseln zwölf Seemeilen Sicherheitszonen, die andere Marinen nur mit Erlaubnis durchfahren dürfen. Doch während die amerikanische Marine konsequent diese Linien überfährt, weil sie den Anspruch Chinas nicht anerkennt, steuern britische und französische Marineeinheiten nur an sie heran, und drehen vorher wieder ab. Keine Machtdemonstration der Europäer, die mit ihrem Operieren die chinesischen Ansprüche eher noch unterstreichen.

Generell ist der militärische Mehrwert des britischen und französischen Engagements zu einer Eindämmung Chinas fraglich, vor allem mit Blick in die Zukunft. Denn die chinesische Dynamik der Flottenrüstung ist stark. Laut dem „International Institute for Strategic Studies“ hat China seit 2014 Kriegsschiff-Tonnage im Umfang der gesamten Royal Navy zu Wasser gelassen. Chinas Seestreitkräfte überrunden inzwischen mit über 300 Einheiten auch die amerikanische Navy, die über 287 Einheiten verfügt, davon allerdings nur rund 180 im Indo-Pazifik. Auch wenn aus der Masse sich nicht auf die Klasse schließen lässt. Dem massiven und konsequenten Aufwuchs der militärischen Fähigkeiten Chinas stehen gerade so ausreichende Fähigkeiten bei Briten und Franzosen gegenüber, gerade mit Blick auf deren Flugzeugträger. So erreicht die „Charles de Gaulle“ nur 60 Prozent ihrer möglichen Operationszeit, da kein zweiter und dritter Träger als Entlastung zur Verfügung steht. Die Royal Navy kann die „Queen Elizabeth“ ab 2021 zunächst nur über eine Kooperation mit den amerikanischen Marines einsatzfähig machen, indem jene den Träger mit ihren F-35-Kampfflugzeugen bestücken; frühestens Ende der 2020er Jahre werden die Briten genügend eigene F-35 haben.

Briten und Franzosen sind auch mit EU- und Nato-Missionen befasst

Hinzu kommt ein grundsätzliches militärisches Ressourcenproblem. Flugzeugträger brauchen Schiffsverbände zu ihrem Schutz, beispielsweise gegen mögliche U-Boot-Angriffe. Die Flotten von Briten und Franzosen sind seit dem Ende des Kalten Krieges stetig kleiner geworden. Dabei müssen sie zudem zahlreiche Nato und EU-Operationen im atlantischen Raum bewältigen. Für eine regelmäßige Entsendung ihrer Träger in den Indo-Pazifik brauchen Franzosen wie Briten somit den Beistand verbündeter Marinen – oder sie müssen ihr maritimes Engagement im Atlantik verringern. Das birgt für beide die Gefahr, in der Nato an Einfluss zu verlieren. Denn seit der Krim-Annexion Russlands 2014 gilt in der Allianz das Primat zur Ausrichtung militärischer Ressourcen auf die direkte Bündnisverteidigung. An der Nordostflanke gegen Russland und an der Südflanke, dem Krisengürtel zu Afrika und dem Nahen Osten. 

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