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Zum Tode der Eisernen Lady : Sieben

Bild: AFP/Getty Images

Margaret Thatcher wusste nicht nur genau, was sie wollte. Sie tat es auch. Ein Nachruf auf die Premierministerin. Und eine weltpolitische Betrachtung der herausragenden Politiker-Generation ihrer Zeit.

          Während Margaret Thatcher die letzte Reise angetreten hat, steigen aus den Gräbern Skelettkrieger und der Lärm vergangener Schlachten. Hass und Gunst der Parteien widerstreiten in den Nachrufen auf Großbritanniens einzige Premierministerin, doch ihr Charakterbild schwankt nicht in der Geschichte. Gestritten wird nicht über die Person, sondern über die Sache: über Thatchers Taten, ihre Leistungen oder Fehler, und da gibt es kein Pardon, damals nicht und heute nicht, selbst über den Tod hinaus.

          Volker Zastrow

          Verantwortlicher Redakteur für Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          So war es angekündigt. „When England was the whore of the world, Margaret was her Madam“, ätzte Elvis Costello 1989 zu sarkastisch sentimentalen Klängen - Thatcher hatte im Wahlkampf mit einem Kind posiert, das setzte Costello als Anlass für eine Art musikalisches Gebet: Es möge ihm vergönnt sein, so lange zu leben, dass er dermaleinst den Dreck auf Thatchers Grab festtreten dürfe: „tramp the dirt down“. Maggie ist tot, Elvis lebt. Schaun mer mal.

          Das Ranwanzen an Kinder, Kranke oder Behinderte, um ihnen ein paar Tropfen wundertätiges Blut abzusaugen, hat nun wahrlich nicht Margaret Thatcher erfunden; man kann noch nicht einmal behaupten, dass sie dergleichen oft gemacht hat. Lady Di hat es mit derselben Methode sogar zur „Königin der Herzen“ gebracht. An ihrem Sarg sang ein anderer Popkünstler, Elton John, denn auch nicht über Dreck und Nutten, sondern über Kerzen, Rosen und so was. Aber das war 1997, und da waren sie eigentlich alle schon weg. Bis auf Helmut Kohl. Und der hatte auch nicht mehr lange.

          Widrigere Bedingungen als heute in Griechenland

          Woher der Hass, die Wut? Es gibt ja eine große Einigkeit hinter dem Streit, die über Thatchers vornehmste Eigenschaften. Niemand hat ihr je die Schroffheit abgesprochen, da schwankt das Charakterbild kein bisschen. Am Ende der Regierungszeit wurde sie gehasst von Freund und Feind - das können nur wenige von sich sagen. Thatcher wollte sich durchsetzen, und sie hat dabei oft überzogen, nicht zuletzt im eigenen Kabinett. Dort fiel sie schließlich ihrer enthemmten Überheblichkeit zum Opfer. Mithin den eigenen Leuten, den Torys, nicht dem politischen Gegner.

          Trotzdem täuscht der Schluss, Thatcher hätte ihre Widersacher selbst hervorgebracht. Sie waren schon da. Es ist wohl kein Zufall, dass die Idee vom Ende des „sozialdemokratischen Jahrhunderts“ (1983) einem Theoretiker kam, der in England lebte: Ralf Dahrendorf. Er hat es nicht so gemeint, wie es sich von heute her ansieht, aber die These lag doch in der Luft - nur war es das Ende des sozialistischen Jahrhunderts, und am Anfang dieses Endes steht Margaret Thatcher.

          Jungen Leuten ist heute gar nicht mehr vorstellbar, in welcher Verfassung sich Großbritannien vor ihrem Amtsantritt 1979 befand: Der Inselstaat hatte bereits beim IWF um Kredithilfe nachsuchen müssen, die Inflation trieb auf 20 Prozent zu, die Wirtschaft lag in beinahe jeder Hinsicht am Boden. Der soziale Friede war zerstört, die Lebensbedingungen für die Armen waren widriger als heute in Griechenland.

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