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Widerspruch zum IOC : Sotschi-Arbeitern werden weiter Löhne vorenthalten

Vor den Winterspielen: Arbeiter auf einem Gerüst in Sotschi Bild: dpa

Sie bauten Stadien und Unterkünfte in Sotschi. Doch auch nach dem Beginn der Winterspiele warten noch Hunderte Arbeiter auf ihren Lohn. Dabei sollten laut IOC die Fälle längst gelöst sein.

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          Von den Arbeitern auf den Baustellen der olympischen Spiele in Sotschi haben rund 700 noch keinen Lohn erhalten. Vor zwei Wochen hatte das Internationale Olympische Komitee (IOC) mitgeteilt, auf seine Initiative seien die Löhne nachträglich ausgezahlt worden. Die Menschenrechtsorganisation „Memorial“ hatte eine Liste mit den Namen der betroffenen Arbeiter schon im September vergangenen Jahres an das IOC übergeben. Das IOC teilte auf Anfrage dieser Zeitung mit, die Arbeiter auf der Liste von „Memorial“ gehörten zu den 6175 Arbeitern, denen 277,5 Millionen Rubel Lohn (umgerechnet etwa 5,9 Millionen Euro) nachgezahlt worden seien. Nach Angaben von „Memorial“, das mit den Arbeitern in Kontakt steht, haben sie aber noch kein Geld erhalten.

          Reinhard Veser

          Redakteur in der Politik.

          Die insgesamt 704 Arbeiter, deren Fälle „Memorial“ dem IOC übergeben hatte, waren bei 22 unterschiedlichen Unternehmen angestellt, die am Bau von Stadien sowie von Unterkünften für Sportler, Funktionäre von Sportverbänden und Journalisten mitgewirkt haben. Die meisten Fälle, 190 Arbeiter, waren für eine in Moskau registrierte Firma namens „OOO Raj“ tätig, die ein Subunternehmer des österreichischen Baukonzerns Strabag war. „OOO Raj“ verneint, dass die Arbeiter für sie gearbeitet hätten. Mitarbeiter von „OOO Raj“ haben aber gegenüber dem Leiter der „Memorial“-Vertretung in Sotschi Semjon Simonow zugegeben, dass die entsprechenden Personen für das Unternehmen gearbeitet hätten.

          Das IOC hält Kontakt zu Human Rights Watch

          Es war auf den Baustellen in Sotschi eine weit verbreitete und vielen Fällen von „Memorial“ und Human Rights Watch dokumentierte Praxis, dass den Arbeitern ordentliche Verträge verweigert wurden. Oftmals waren auch die Pässe der häufig aus Zentralasien stammenden Arbeiter einbehalten worden, so dass diese ohne Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis für Russland blieben und damit der Willkür ihrer Arbeitgeber ausgeliefert waren. Vermutlich sind zahlreiche Arbeiter aus Russland abgeschoben worden, bevor sie ihren Lohn erhalten hatten. Dokumentiert sind nur die Fälle von Arbeitern, die sich an „Memorial“ gewandt haben und der Organisation Belege für ihre Angaben liefern konnten.

          Aus Sotschi sind zudem Gewalttaten gegen Arbeiter bekannt geworden, die ausstehenden Lohn einfordern wollten. Für Empörung sorgte im Juni vergangenen Jahres die Geschichte des Elektrikers Martiros Demirtschjan, der wegen seiner Lohnforderung von Vorgesetzten zum Gespräch einbestellt worden war, dort aber von der Polizei unter dem Vorwurf des Diebstahls von Baumaterial festgenommen wurde. Auf der Polizeiwache wurde Demirtschjan wegen seiner Weigerung, ein Geständnis zu unterschreiben, so stark verprügelt und gefoltert, dass er bleibende gesundheitliche Schäden davontrug. Nachdem BBC und ein schwedischer Fernsehsender über Demirtschjans Schicksal berichtet hatten, wurde das IOC aufmerksam. Nach einer ersten Erkundigung über dessen Zustand gab es jedoch offenbar keinen weiteren Kontakt mit der Familie.

          Viele Arbeiter von den Baustellen Sotschis sollen immer noch keine Löhne erhalten haben

          IOC-Präsident Thomas hatte in einem Interview mit der F.A.Z. Ende Januar gesagt, es habe in Sotschi zwar eine Fülle von Problemen gegeben, doch solle anerkannt werden, dass sich das IOC dieser Fälle angenommen habe. Das IOC hält nach eigenen Angaben in dieser Angelegenheit Kontakt mit der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, die viele Fälle dokumentiert hat, in denen die Rechte der Anwohner der olympischen Baustellen grob verletzt worden sind. Während das IOC in der Frage der verweigerten Löhne offenbar etwas erreicht hat, sind Ergebnisse seines Engagements für die von Willkür betroffenen Einwohner Sotschi bisher allerdings kaum erkennbar.

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