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Migration : Exodus aus der Hoffnungslosigkeit

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Die jungen Kosovo-Albaner sähen ihr Land dagegen schon als eine Art politische Versicherung gegen Serbien lieber heute als morgen in der EU. Befragt, was denn eine EU-Mitgliedschaft eigentlich bedeute, antworteten die meisten allerdings: Reisefreiheit. Das sei für junge Kosovaren „eine direkte Assoziation“, die alle anderen rechtlichen, institutionellen und wirtschaftlichen Aspekte in den Schatten stelle, so die Initiatoren der Umfrage.

Wie die jungen Bulgaren misstrauen auch ihre Generationsgenossen im Kosovo dem eigenen Staat. Fast 70 Prozent der kosovarischen Schüler und Studenten geben sich überzeugt, dass an ihrer Schule oder Universität Abschlüsse „oft“ oder zumindest „manchmal“ gekauft werden. (In Bulgarien sind es 25 Prozent, die so antworten). „Große Sorgen“ machen sich die jungen Kosovaren aber vor allem wegen der Arbeitslosigkeit (95 Prozent) und „steigender Armut“ (93 Prozent). Dass die UN-Mission Unmik oder die EU-Rechtsstaatsmission Eulex zur Lösung der Schwierigkeiten beitragen können, glauben sie nicht. Die beiden internationalen Missionen stehen bei jungen Kosovaren ganz unten im Ansehen.

Junge Kosovaren mit Abstand die Konservativsten

Von allen befragten Jugendlichen in Südosteuropa sind die jungen Kosovaren mit Abstand die konservativsten. Das größte Vertrauen bringen sie „religiösen Führern“ entgegen, Imamen zum Beispiel. Das Kosovo ist eine streng familienorientierte, patriarchalische Gesellschaft, und zwar auch in der nachwachsenden Generation. „Mit überwältigender Mehrheit sehen sie Heirat und die Gründung von Familien als ihre Zukunftspläne“, ergab die Studie. Knapp 98 Prozent der Jugendlichen sehen die Familie als das wichtigste Ziel im Leben, nahezu alle jungen Kosovaren wollen Kinder, fast zwei Drittel mindestens drei. Dies allerdings nur mit einem Partner aus dem eigenen Volk.

Passanten in einem Durchgang zur Fußgängerzone im albanischen Teil der Stadt Mitrovica

Die Zustimmung der Familie zur Hochzeit sei sehr wichtig, sagt Vjollca, eine Achtzehnjährige aus Prishtina: „Meine Eltern würden niemals zustimmen, wenn ich einen Mann mit einer anderen Nationalität oder Religion heiraten würde.“ Auf so eine Idee kommen die meisten jungen Kosovaren allerdings ohnehin nicht. Wenn die Geburtenrate im Kosovo trotzdem seit Jahren sinkt (während die Bevölkerung einstweilen weiter wächst) liegt das daran, dass viele junge Menschen im Kosovo ihren Kinderwunsch aus wirtschaftlichen Gründen nicht erfüllen können oder weniger Kinder haben, als sie haben wollen. Auch das ist ein Grund zum Verlassen der Heimat: Auswandern, um sich (mehr) Kinder leisten zu können. Befragt, warum sie auswandern wollen, geben 88 Prozent Gründe an, die mit dem höheren Lebensstandard, besserer Bildung und generell attraktiveren wirtschaftlichen Möglichkeiten im Ausland zu tun haben.

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