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Euro-Ausstieg : Griechen, hört die Signale

Auf zum letzten Gefecht: Samaras und Merkel im April 2014 in Athen Bild: Picture-Alliance

Vor Griechenlands Parlamentswahl sendet Berlin indirekte Botschaften Richtung Athen. Sie machen deutlich: Alles ist möglich – selbst das Ausscheiden des Landes aus dem Euroraum.

          Ende 2011 half den Griechen noch ein langes Gespräch an einer Hotelbar in Breslau. Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble habe seinerzeit Evangelos Venizelos, damals Finanzminister des Krisenlandes, einen „freundschaftlichen“ Austritt aus der Eurozone vorgeschlagen, sozusagen im gegenseitigem Einvernehmen. Der Deutsche habe sich aber am Ende überzeugen lassen, dass selbst eine sanfte Rückkehr Griechenlands zur Drachme Gefahren für die Eurozone insgesamt in sich berge. So erzählte es jetzt Venizelos, heute stellvertretender Ministerpräsident und Außenminister, einer griechischen Zeitung. Ein anekdotisches Stück Zeitgeschichte – eine dramatische Episode, an die der Vorsitzende der sozialistischen Pasok aus aktuellem Anlass erinnert.

          Manfred Schäfers

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Majid Sattar

          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          War seinerzeit aus Sicht Angela Merkels ein Verbleib Athens im Euroraum am Ende alternativlos, um ein Scheitern des Euro insgesamt zu verhindern, so hält sie gut drei Jahre später ein Ausscheiden des Krisenlandes offenbar für verkraftbar. Drei Wochen vor der Parlamentswahl sendet Berlin indirekte Botschaften an die Griechen. Erstens: Ein Wahlsieg der linkspopulistischen Syriza sei noch nicht ausgemacht. Zweitens: Berlin werde nicht alles mit sich machen lassen. Die Wähler des Krisenlandes sollen sich der möglichen Konsequenzen ihrer Stimmabgabe bewusst sein. Da man sich nicht direkt in die griechische Politik einmischen kann, werden die Botschaften hinter vorgehaltener Hand geäußert. Verdeckt, aber gut hörbar.

          Keine Panik an den Finanzmärkten

          Noch sibyllinisch reagierte Finanzminister Wolfgang Schäuble Ende des Jahres auf den griechischen Oppositionsführer Alexis Tsipras, der sich nach dem Scheitern der Präsidentenwahl und der damit verbundenen Neuwahl des Parlaments auf dem Weg an die Macht sieht. Der Vorsitzende der Partei Syriza hatte gerade seine Pläne bekräftigt, die Sparpolitik nach einem Wahlerfolg zu beenden und einen weiteren Schuldenschnitt anzustreben. Da äußerte der Deutsche: „Die harten Reformen tragen Früchte, sie sind ohne jede Alternative.“ Deutschland werde das Land auch weiterhin auf dem Reformweg „mit Hilfe zur Selbsthilfe“ unterstützen. Und dann: „Wenn Griechenland einen anderen Weg einschlägt, wird es schwierig.“ Neuwahlen änderten nichts daran, dass man sich in dem Land an getroffene Vereinbarungen halten müsse.

          Am Wochenende folgten sogenannte Berliner Regierungskreise, aus denen Deutlicheres zu vernehmen war: In der Bundesregierung würden Szenarien erwogen, ob und wie Griechenland den Euroraum verlassen, aber in der Europäischen Union verbleiben könne. Das galt nicht nur für die Unionsseite der Bundesregierung. Auch auf der SPD-Seite der Regierung heißt es unmissverständlich in Richtung Syriza: „Die Eurozone ist nicht erpressbar.“ Die Bundeskanzlerin und ihr Finanzminister hätten sich mit Vizekanzler Sigmar Gabriel und Außenminister Frank-Walter Steinmeier abgestimmt. Der gemeinsame Währungsraum sei „ungleich besser auf die Krise in Athen vorbereitet als in den vergangenen Jahren“. Das zeigten ja auch die Marktreaktionen nach dem 29. Dezember. Als in Athen nach der gescheiterten Präsidentenwahl feststand, dass es zu Neuwahlen kommen würde, gerieten die Finanzmärkte – anders als 2010 oder 2012 – nicht in Panik. Nach einem kurzen Einbruch erholten sich die Aktienmärkte schnell. Auch die Anleihen der übrigen Euroländer reagierten kaum. Das gilt als ein wichtiges Indiz dafür, ob die griechische Krise auch auf Länder wie Zypern, Portugal, Spanien oder Italien übergreifen könnte.

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