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Rebellenhochburg Donezk : Der schreckliche Kampf um nichts und alles

Dass die Ukrainer doch nicht abgezogen sind und das Kämpfen und Sterben weitergeht, begründen alle drei Quellen gleich: Weil der vereinbarte Waffenstillstand ausgerechnet hier, am Flughafen selbst, verletzt worden sei. Die „russische Seite“, so heißt es in Kiew, habe die abgemachte Übernahme des Flughafens „aus Propagandagründen“ als militärische Eroberung darstellen wollen. „Als wir gehen wollten, starteten die Separatisten eine Offensive. In dieser Lage haben unsere örtlichen Kommandeure sich dann entschlossen, zu bleiben und Widerstand zu leisten.“ Damit sei der Flughafen wider Willen zu einem „Symbol ukrainischen Heldenmuts“ geworden. „Danach konnten wir unmöglich mehr abziehen.“

Kampfflugzeuge spielen schon lange keine Rolle mehr

Ukrainische Gesprächspartner betonen, dass die weitere Verteidigung des Flughafens nur deshalb nötig geworden war, weil Russland und seine Helfer im Donbass von ihrer Aggression gegen die Ukraine nicht ablassen wollten. „Nicht die Ukrainer sind es, die tief im Inneren Russlands Krieg führen“, sagt eine Quelle in der ukrainischen Regierung. „Es ist umgekehrt.“ So lange die Separatisten weiter angriffen und die Waffenruhe täglich verletzten, könne niemand erwarten, dass Kiew eine Pufferzone freimache, die der Gegner sich dann doch einverleibe.

Die prorussischen Kämpfer würden den Hergang freilich anders schildern. Ihnen zufolge sind es stets die Ukrainer, die den Waffenstillstand zuerst verletzen.

Eines aber ist klar: Als die erste Granate detonierte, war die Abmachung über Abzug und Austausch in den Wind gesprochen. Das Schießen hat nicht aufgehört – und das Sterben auch nicht.

Es geht nicht um taktische oder strategische Vorteile. Zerschossen, wie der Flughafen heute ist, wäre er für friedliche Zwecke ohnehin nicht nutzbar. Die Landebahn soll zwar noch halbwegs reparabel und damit für Militärflugzeuge nutzbar sein, aber angesichts der Stärke der Flugabwehr auf beiden Seiten (die Tragödie der Malaysia Airlines MH17 hat dafür schauerliches Zeugnis abgelegt) haben Kampfflugzeuge in diesem Konflikt schon lange keine Rolle mehr gespielt. „Dieser Flughafen hat keine militärische Bedeutung“, sagt deshalb der Kiewer Militärexperte Jurij Butusow. „Es geht hier einzig und allein um politische Symbolik.“

Das Flughafenhotel wurde mehrere Male erobert und zurückerobert

Militärische Führer der Separatisten äußern sich ähnlich. Ihre Kämpfer haben hier Ende Mai, als ukrainische Fallschirmjäger den ursprünglich von den Rebellen im Handstreich besetzten Flughafen aus der Luft zurückeroberten, zum ersten Mal schwere Verluste erlitten. Die Separatisten am Flughafen, die Kämpfer des berüchtigten Bataillons „Wostok“, wurden damals buchstäblich zerfetzt, und jeder in Donezk erinnert sich noch an die Bilder aus den überfüllten Leichenschauhäusern und an die Lastwagen mit den getöteten Kämpfern aus Russland, welche damals mit der Codeaufschrift „Fracht 200“ in die Heimat zurückgebracht wurden.

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