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Putin in Italien : Besuch eines Freundes

  • -Aktualisiert am

Matteo Renzi begrüßt Wladimir Putin. Bild: Reuters

So freundlich wie in Italien wird Wladimir Putin kaum irgendwo empfangen. Trotzdem ließ Ministerpräsident Renzi Kritik an seinem Gast anklingen. Und auch die Audienz beim Papst war für den russischen Präsidenten nicht nur angenehm.

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          Einen italienischen Sonnentag lang hat der russische Präsident Wladimir Putin zeigen können, dass er doch nicht so isoliert ist. Nur Tage nach dem Elmauer G-7-Gipfel, bei dem er ausgeschlossen blieb, konnte sich Putin am Mittwoch zunächst auf der Expo in Mailand mit Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi zeigen und dann am Abend, nach einer Höflichkeitsvisite bei Staatspräsident Sergio Mattarella, im Vatikan. Erstmals seit Ausbruch des Krieges in der Ukraine hat Papst Franziskus den Präsidenten aus Moskau getroffen. Aufmerksam verfolgte die westliche Welt Putins Besuch, denn Italiens Regierung unterhält „intensive und privilegierte Beziehungen“ nach Russland, und der Papst würde „vor niemandem die Türen schließen“ und selbst mit Terroristen des „Islamischen Staats (IS)“ reden, wie er auf dem Rückflug nach dem EU-Besuch in Straßburg im Herbst sagte - also allemal auch mit Putin.

          Nur Tage vor seiner Italienreise hatte Russlands Präsident noch einmal die engen Beziehungen zu Italien beschworen. In einem Gespräch mit dem „Corriere della Sera“ ging es ihm dabei nicht nur um die 400 italienischen Firmen in Russland; um den Handelsaustausch, der in den letzten Jahren 49 Milliarden Dollar erreicht habe; um die Abhängigkeit Italiens von Russland, wo es 15 Prozent seines Öl- und 30 Prozent seines Gas-Bedarfs deckt. Putin beschwor die Zeiten der Freundschaft mit dem ehemaligen Ministerpräsident Silvio Berlusconi, „denn wir sind zunächst einmal Menschen, und das Vertrauen zwischen Personen ist bei der Arbeit, dem Aufbau der Beziehung zwischen den Staaten, ein sehr wichtiger Faktor.“

          Auch wenn Putin am Mittwochabend wieder einmal mit seinem Freund speisen wollte; mittlerweile ist in Italien eine neue Generation an der Macht, und der junge Ministerpräsident Matteo Renzi wies schon bei der Begrüßung auf der Expo in Mailand seinen Gast darauf hin, „dass die internationale Lage derzeit sehr schwierig ist und wir bei vielen Fragen unterschiedlicher Meinung sind.“

          Bei der Pressekonferenz danach sprach Renzi sogar von „erheblichen Differenzen in der Bewertung des Ukraine-Konflikts.“ Diese Äußerungen deuten darauf hin, dass Renzi nicht nur die bisherigen Sanktionen gegen Moskau mitträgt, sondern dass er auch deren Verschärfung unterstützen würde, wie sie der amerikanischen Präsident Barack Obama auf dem Elmauer Gipfel den Russen androhte. Tatsächlich aber scheint Italiens Regierung zu lavieren. Renzis Außenminister Paolo Gentiloni hielt erst vergangene Woche bei seinem Besuch in Moskau die Sanktionen für faktisch gescheitert und setzte sich für deren Modifizierung ein: „Ich bin mir sicher, dass im Rahmen konstruktiver Zusammenarbeit mit Russland die erwünschte Änderung bei den Sanktionen erfolgen wird“, sagte er der Nachrichtenagentur TASS zufolge. Im Außenministerium in Rom heißt es dazu, Italien wolle nur seine guten Beziehungen zu Moskau dafür nutzen, den Dialog nicht abbrechen zu lassen. Zugleich aber führe es zu nichts, „einen Spalt“ zwischen EU und Italien ausmachen zu wollen. Für die Gemeinsamkeit des Weges bürge Italiens frühere Außenministerin Federica Mogherini, die als EU-Außenbeauftragte „keineswegs zwei Herzen in einer Brust“ trage.

          Kein Italiener auf der „Schwarzen Liste“

          Aber diese Worte können manche Italien-Kritiker in der EU und in Washington, wo auf die gemeinsam harte Linie gegen Moskau gedrängt wird, nicht beruhigen. Unvergessen ist, dass Renzi Anfang März der erste EU-Regierungschef war, der nach der russischen Annexion der Krim und kurz nach der Ermordung des Oppositionspolitikers Boris Nemzow nach Moskau reiste, um dort dann über die Vertiefung der wirtschaftlichen Kooperation zu reden. Damals lud Renzi seinen Gastgeber Putin zum Russland-Tag der Expo ein.

          Sonderbar berührt auch der Umstand, dass auf der „schwarzen Liste“ jener Personen, die nicht mehr nach Russland einreisen dürfen, kein italienischer Name steht. Aber das wird in Rom dementiert: Die Europaabgeordnete Anna Maria Corazza sei Römerin, heißt es dort. Tatsächlich aber heiratete Frau Corazza den schwedischen Politiker Carl Bildt und sitzt heute als Schwedin im Parlament.

          Niemand aber kann leugnen, dass Putin in Italien eine gewisse Sympathie genießt. Nicht nur im Lager von Silvio Berlusconi gilt der sportliche Haudegen in Moskau als guter Freund; auch die rechtspopulistischen Politiker der Lega Nord provozieren gerne mit ihrer Sympathie für den russischen Präsidenten. So trug am Mittwoch der Chef der Lega, der Europa-Abgeordnete Matteo Salvini, eigens ein T-Shirt mit dem Bild Putins als Militärkommandeur auf der Brust. Das tue er „für die Idioten, die Krieg gegen Russland spielen“, meinte er.

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