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Wahlen in Island : Eine neue Ära steht bevor

Islands Präsident Ólafur Ragnar Grímsson tritt nach zwanzig Jahren Amtszeit erstmals nicht mehr zur Wahl an, die an diesem Samstag stattfinden wird. Bild: AFP

Das wichtigste Thema auf Island ist zurzeit die Fußballeuropameisterschaft. Nun wird auf der Vulkaninsel gewählt. Die Entscheidung scheint schon gefallen.

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          Das wichtigste Thema auf Island ist zurzeit die Fußballeuropameisterschaft. Als krasser Außenseiter hat sich die Mannschaft von der Vulkaninsel für das Achtelfinale qualifiziert. Dadurch ist in den Hintergrund gerückt, dass die Republik an diesem Samstag einen neuen Präsidenten wählt – und dass damit an der Spitze des Staates eine Ära zu Ende geht: Der bisherige Präsident Ólafur Ragnar Grímsson ist nun schon seit zwanzig Jahren im Amt, viermal wurde er wiedergewählt, allen politischen Stürmen zum Trotz.

          Sebastian Balzter
          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Island hat in diesen zwanzig Jahren vor allem wirtschaftlich viel mitgemacht, vom sagenhaften Aufschwung seiner Banken bis zu ihrem Kollaps samt einem nur um Haaresbreite vermiedenen Staatsbankrott im Jahr 2008. Die sogenannten Panama-Papiere zeigten vor einigen Monaten noch einmal, wie sehr Teile der politischen Elite in zweifelhafte Finanzgeschäfte verstrickt waren, was zum Rücktritt des Ministerpräsidenten führte. Grímsson, ein früher Politologieprofessor, Zeitungsherausgeber, Parlamentsabgeordneter und Finanzminister, hat in diesen Jahren seine Zuständigkeiten als Präsident so weit ausgelegt wie keiner seiner Amtsvorgänger, er hat aus politischen Erwägungen Gesetze abgelehnt und damit sogar für handfesten diplomatischen Zündstoff gesorgt, als es um die Entschädigung von britischen und niederländischen Sparern ging, die ihr Geld einer der zusammengebrochenen isländischen Banken geliehen hatten.

          Im Frühjahr sah es kurze Zeit sogar so aus, als wolle Grímsson sich mit 73 Jahren noch einmal zur Wahl stellen. Dann aber erklärte Guni Jóhannesson seine Kandidatur, der nicht nur 25 Jahre jünger ist, sondern vor allem frei von jedem politischen Ballast auftreten kann. Als Geschichtsprofessor wirkt er über jeden Zweifel der Parteilichkeit erhaben. Als Historiker hat er die Finanzkrise untersucht, das hat ihn in der Panama-Affäre vor allem im Fernsehen zum vielgefragten Fachmann gemacht. Jetzt deutet alles darauf hin, dass ihm diese kurze Aufwärmphase von wenigen Monaten genügen wird. In den jüngsten Umfragen liegt er mit 49 Prozent Zustimmung weit vor der Zweitplatzierten, der Geschäftsfrau Halla Tómasdóttir, und dem früheren Ministerpräsidenten Daví Oddsson, die auf 16 beziehungsweise 13 Prozent kommen. Insgesamt stehen neun Kandidaten zur Wahl.

          Die Entscheidung scheint schon gefallen, auch deshalb hält sich das Interesse am Wahlkampf in Grenzen. Inhaltlich wird vor allem die Frage diskutiert, ob die Kompetenzen des Präsidenten per Verfassungsreform beschnitten werden sollen. Die üblichen isländischen Streitfragen – Wann werden die nach dem Bankencrash als Notfallmaßnahme verordneten Kapitalkontrollen aufgehoben? Wie werden künftig die Fischereiquoten verteilt? – werden erst danach wieder in den Vordergrund rücken. Im Herbst stehen vorgezogene Parlamentswahlen im Kalender. Dann ist das Fußballturnier zu Ende, selbst wenn die Isländer bis ins Finale kommen.

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