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Wahl in Österreich : Mobilisierung im letzten Moment

Hat den Durchmarsch der Populisten vorerst gestoppt: Alexander Van der Bellen Bild: dpa

Noch wenige Tage vor der Bundespräsidentenwahl hatte es nicht nach einem so klaren Sieg für Van der Bellen ausgesehen. Doch im letzten Moment konnte er genug Österreicher mobilisieren.

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          Aus dem von vielen erwarteten weiteren Kopf-an-Kopf-Rennen ist nichts geworden. Der Vorsprung des „Grünen“ Alexander Van der Bellen vor dem „Blauen“ Norbert Hofer war schon in den ersten Hochrechnungen so deutlich, dass der Politiker der rechten Partei FPÖ nicht zögerte, seine Niederlage einzugestehen. Im Lager der Grünen war der Jubel dagegen groß. „Das ist ein historischer Tag, eine historische Zäsur“, sagte die Parteivorsitzende Eva Glawischnig am Abend.

          Stephan Löwenstein
          Politischer Korrespondent mit Sitz in Wien.

          Es sei eine gute und deutliche Entscheidung für Österreich. Glawischnig sprach von einem Votum für ein Miteinander im Lande. Europäisch gesehen, sei dies eine klare proeuropäische Entscheidung, die nach dem Brexit, aber auch nach der amerikanischen Präsidentenwahl besonders wichtig sei. Sie werde heute „mit Sicherheit“ noch feiern. Es sei ein guter Tag nicht nur für die Grünen, die für die Wahlbewegung sehr viel hintangestellt hätten. Glawischnig dankte auch anderen Unterstützern, speziell erwähnte sie dabei ÖVP-Chef Reinhold Mitterlehner sowie die zahlreichen Bürgermeister, die sich hinter Van der Bellen gestellt hätten.

          Dazu zählte beim Wahlkampfabschluss auf Van der Bellens Bühne auch der Wiener Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ). Noch wenige Tage vor der Wahl hatte es nicht unbedingt nach einem abermaligen Erfolg für Van der Bellen ausgesehen, schon gar nicht nach einem so klaren. Zwar hielten sich die demoskopischen Institute mit Veröffentlichungen zurück. Aber es sickerten doch Rohdaten durch, die eher in die andere Richtung deuteten. Danach führte der einstige Grünen-Vorsitzende zwar, aber deutlich knapper als vor der letzten Wahl, die er dann mit nur wenigen Prozentbruchteilen Vorsprung gewann. Die Erfahrung sagt, dass die Grünen in Umfragen immer viel zu gut dastehen, die FPÖ zu schlecht, da die Leute sich scheuen, diese Präferenz anzugeben.

          Strache: Alle gegen einen

          Es spricht also einiges dafür, dass es Entwicklungen der letzten Tage vor der Wahl gewesen sind, die bei vielen Wählern den Ausschlag gegeben haben, Van der Bellen zu wählen – oder überhaupt zur Wahl zu gehen. Der Wahlsieger selbst äußerte sich so, als er sich am Abend am gemeinsamen Wahlstand österreichischer Regionalzeitungen und der „Presse“ blicken ließ. „Am Samstag war ich noch nicht so sicher.“ Am Sonntag sei er aber schon recht frohgemut gewesen, sagte Van der Bellen. Nun laute sein Programm nach fast einem Jahr des Wahlkampfes, der das Land in mancher Hinsicht polarisiert hat: Zusammenführen. Er würde sich wünschen, sagte er, dass als Folge seines Handelns als Staatsoberhaupt die Menschen, die ihm begegnen, „nicht sagen, das ist der Präsident – sondern unser Präsident“. Er wolle aktiv auf die Wähler aller Parteien zugehen, natürlich auch jene der FPÖ. Die realen Befürchtungen vieler Menschen müsse man ernst nehmen, auch wenn sie ein Präsident nicht alle lösen könne.

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